VIRALER KAPITALISMUS – Pandemien, Natur und Kapitalismus – Teil I

Über die Hintergründe von Pandemien im Kapitalismus und die Zusammenhänge mit der ökologischen Krise.

Die COVID-19 Pandemie hat zentrale Widersprüche des modernen Weltkapitalismus offengelegt: selbstfahrende Autos und Weltraumtourismus stehen für technologischen Fortschritt, dennoch zwingt ein Ding aus der „Wildnis“, ein Virus wesentlich kleiner als ein Mikrometer, dieses System in den Shutdown. Es ist kein Zufall, dass im gleichen System die Lösung der Klimakrise den vermeintlichen „Sachzwängen“ und dem „Hausverstand“ zum Opfer fällt.

Dabei kam weder diese Pandemie noch der Klimawandel überraschend: in beiden Fällen gab es über die letzten Jahrzehnte deutlich sichtbare Vorboten und eindringliche Warnungen aus der Wissenschaft. Dass es trotzdem so kam hat seinen Grund in der dem Kapitalismus eigenen Dynamik und dem damit verbundenen Verhältnis zu Natur. Dieses System läuft sehenden Auges ins offene Messer – und wird das auch weiter tun.

Teil I wird das Verhältnis zu Natur, wie es sich mit dem Kapitalismus herausgebildet hat, beleuchten. Natur wurde dabei nicht nur der Profitmaxime unterworfen, sondern damit einhergehend hat sich auch ein funktionalistisches Verständnis etabliert, das gegenüber den komplexen Zusammenhängen notwendigerweise blind ist.

In Teil II wird es um die Mechanismen und Hintergründe der Ausbreitung von Viren und der Entstehung von Pandemien sowie deren Zusammenhang mit kapitalistischen Naturverhältnissen gehen.

Teil III beschäftigt sich mit den Parallelen zu und den Zusammenhängen mit der ökologischen Krise sowie deren Bedeutung für die Perspektiven ökologischer Kämpfe heute.

Teil I: Natur und Kapitalismus

Eine zentrale Errungenschaft von Karl Marx und Friedrich Engels war, dass sie die Welt mit einem historisch-materialistischen Blick betrachteten. Dadurch zeigte sich, wie die gesellschaftlichen Verhältnisse nur vermeintlich „natürlich“ und gegeben sind – ebenso wie die Reflexionen darüber in Theorien und Ideen. Die soziale Organisation und die Gedanken müssen vielmehr aus den materiellen Verhältnissen der Zeit erklärt werden. In der „Deutschen Ideologie“ (verfasst zwischen 1845 und 1846) schreiben sie dazu:

„Diese Geschichtsauffassung beruht also darauf, den wirklichen Produktionsprozeß, und zwar von der materiellen Produktion des unmittelbaren Lebens ausgehend, zu entwickeln und die mit dieser Produktionsweise zusammenhängende und von ihr erzeugte Verkehrsform, also die bürgerliche Gesellschaft (…), als Grundlage der ganzen Geschichte aufzufassen und (…) die sämtlichen verschiedenen theoretischen Erzeugnisse und Formen des Bewußtseins, Religion, Philosophie, Moral etc. etc., aus ihr zu erklären und ihren Entstehungsprozeß aus ihnen zu verfolgen, wo dann natürlich auch die Sache in ihrer Totalität (und darum auch die Wechselwirkung dieser verschiednen Seiten aufeinander) dargestellt werden kann.“ Versuchen wir, diese Gedanken etwas mit Leben zu füllen und dabei auch die Naturverhältnisse einzubeziehen.

„Ein historisch geschaffnes Verhältnis zur Natur“

Für Marx und Engels zeigt sich, dass in der Geschichte „ein historisch geschaffnes Verhältnis zur Natur und der Individuen zueinander sich vorfindet (…)“. Was in Wirklichkeit historisch entstanden ist, gilt im Selbstverständnis der bürgerlichen Gesellschaft als „naturgegeben“. Der Ökonom Adam Smith begründete bereits Ende des 18. Jahrhunderts die kapitalistische, arbeitsteilige Wirtschaftsweise als „Folge einer gewissen Neigung der menschlichen Natur, (…) der Neigung zum Tausch“. Gesellschaftliche Prozesse werden hier einfach in die „Natur des Menschen“ verlegt. Diese Naturalisierung verleiht dem Argument etwas scheinbar unantastbares und selbstverständliches – und konstruiert gleichzeitig Natur als überhistorisch und „natürlich“, also als unabhängig von sozialen Prozessen existierend.

Anders als die herrschende Erzählung lautet, ist der Kapitalismus jedoch weder „natürlich“ noch alternativlos, er ist auch nicht das Ende der Geschichte oder die Krone der Schöpfung. Die bürgerlich-kapitalistische Gesellschaft erzeugt die Illusion, dass wir in einer freien Gesellschaft gleichberechtigter Individuen leben, die unserer „menschlichen Natur“ entspricht. Über die wirklichen Klassenverhältnisse will sie sich täuschen und bewusst hinwegtäuschen.

Sehr ähnlich verhält es sich hinsichtlich unserer natürlichen Umwelt. Auch die gesellschaftlichen Naturverhältnisse, also die Art und Weise, wie sich eine spezifische Gesellschaftsform auf ihre natürliche Umwelt bezieht, sind sowohl historisch entstanden und variabel, als auch von materiellen Interessen durchdrungen und geprägt. Hinter der als „natürlich“ erscheinenden Vorstellung der Natur, stehen gesellschaftliche Verhältnisse und historische Prozesse.

Wir können sagen, dass Natur in zweifacher Weise „produziert“ wird: jegliche menschliche Produktionsweise steht in bestimmter Wechselwirkung mit ihrer natürlichen Umwelt und hat somit Auswirkungen auf diese. Die physische Natur wird somit „produziert“ – vermittelt über die herrschende Produktionsweise. Das was gemeinhin als die Natur verstanden wird, ist in Wahrheit durch Wechselwirkung mit Jahrtausenden von menschlicher Existenz längst kulturell überprägt. In diesem Prozess bildet sich gleichzeitig eine bestimmte Vorstellung von Natur heraus, ein Bild davon, was Natur ist, wird „produziert“. Dieses beinhaltet auch Vorstellungen davon, wie Natur funktioniert bzw. was dort vor sich geht und wo die Grenze zum Menschen gezogen wird.

Wie in anderen Gesellschaftsbereichen auch sind die Gedanken hier ebenso nicht frei, sondern von den Realitäten einer Klassengesellschaft geprägt. Diese „geistige Produktion“ ist eben nicht neutral, wie es das bürgerliche Wissenschaftsverständnis behauptet. Denn, wie Marx und Engels weiter in der „Deutschen Ideologie“ schreiben: „Die herrschenden Gedanken sind weiter Nichts als der ideelle Ausdruck der herrschenden materiellen Verhältnisse (…).“ Und: „Die Klasse, die die Mittel zur materiellen Produktion zu ihrer Verfügung hat, disponiert damit zugleich über die Mittel zur geistigen Produktion (…).“ Jede neue herrschende Klasse „ist genötigt (…) ihr Interesse als das gemeinschaftliche Interesse aller Mitglieder der Gesellschaft darzustellen (…) ihren Gedanken die Form der Allgemeinheit zu geben, sie als die einzig vernünftigen, allgemein gültigen darzustellen.“

Wie sich die herrschenden materiellen Verhältnisse und die Interessen der bürgerlichen Klasse in den Naturverhältnissen niedergeschlagen und sich als allgemein gültige Vorstellungen etabliert haben, soll nun beleuchtet werden. Dafür ist es notwendig, zunächst die Entstehung des Kapitalismus in den Blick zu nehmen.

Entstehung des Kapitalismus und Natur

Die Durchsetzung kapitalistischer Verhältnisse war eng mit der Etablierung von Ideen der Aufklärung verbunden. Der vermeintlich gottgegebenen Ordnung des Feudalismus wurden „Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit“ entgegengesetzt. Statt tatsächlicher Gleichheit etablierten sich jedoch neue Klassenverhältnisse, der Bourgeoisie stand das „doppelt freie“ Proletariat gegenüber: frei von feudaler Leibeigenschaft, aber auch frei von eigenen Produktionsmitteln – und daher in Lohnabhängigkeit gezwungen. Das Selbstbild der bürgerlichen Gesellschaft von Freiheit und Gleichheit besteht dennoch bis heute als die dominante Erzählung fort.

Aber auch auf anderen Ebenen haben Ideen der Aufklärung das Selbstverständnis der bürgerlichen Gesellschaft bis heute entscheidend geprägt. In der klassischen Definition des Philosophen Immanuel Kant ist Aufklärung „der Ausgang des Menschen aus seiner selbst verschuldeten Unmündigkeit.“ Der Wahlspruch der Aufklärung lautet für ihn daher: „Habe Mut dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!“ Das Monopol auf das Verständnis und die Deutung der Welt sollte den feudalen Klerikern entrissen und stattdessen der Vernunft und Rationalität unterworfen werden.

Der Wissenschaft wurde in dieser Auseinandersetzung eine bedeutende Rolle zugedacht. In mehr und mehr Bereichen der Welt sollte der religiöse Mystizismus durch wissenschaftliche Erklärungen ersetzt werden. Eine wesentliche Rolle dafür spielte ein neues Verständnis der Entstehung der Welt und des Menschen. Dem christlichen Schöpfungsmythos wurde die Evolutionstheorie, wie sie etwa in Darwins „Entstehung der Arten“ formuliert wird, entgegengestellt. Die Abgrenzung zu religiösen Erklärungsmustern blieb allerdings unvollständig und widersprüchlich. In dem zum Darwinismus zusammengeschusterten Gedankengebäude spiegelte sich die kapitalistische Konkurrenzlogik als vermeintlich natürlicher „Wettlauf“ der Arten wider, etwa in der Idee des „survival of the fittest“. So erhielt zudem die offensichtliche Ungleichheit der Menschen ein vermeintlich biologisches Gütesiegel.

Die herrschende Interpretation der Evolutionstheorie wurde aber auch herangezogen, um eine klare Trennlinie zwischen dem Menschen auf der einen und der Natur und Tieren auf der anderen Seite zu ziehen. Das passte hervorragend ins aufklärerische Bild des Menschen, der sich seiner Vernunft und seines Verstandes bedient – im Gegensatz zu Tieren, die dazu eben nicht fähig waren. Die Nähe zu einer reichlich biblischen Erklärung, die den Menschen als Krone der Schöpfung sieht, ist augenscheinlich und nicht zufällig. Die Herrschenden waren zwar um Abgrenzung zur feudalistischen Welt bemüht, aber dennoch von ihren Vorstellungswelten durchdrungen. Zudem passte dieses Selbstbild hervorragend zum Selbstverständnis der Bourgeoisie als neue Herren der Welt, die die Menschheit vermittels Wissenschaft, Technik und Innovation in ein neues Zeitalter führen. Der lenkende und allmächtige Gott wurde durch die Geschicke des Kapitals ersetzt.

Passend dazu trat auch die Vorstellung von der Beherrschung der Natur ihren Siegeszug im Schlepptau der Bourgeoisie an. Anschließend an die Vorstellung der Höherentwicklung des Menschen weg vom Affen wurde der Mensch als außerhalb und über der Natur stehend verstanden. Aus dieser überlegenen Position lässt es sich gut kontrollieren und beherrschen. Das schien umso mehr geboten, als Natur als widerspenstig und widerständig erlebt wurde – ebenso wie die sozialen Verhältnisse, musste sie den Anforderungen kapitalistischer Produktion entsprechend unterworfen und umgestaltet werden.

Dabei blieb jeglicher Eigensinn von Natur sowie deren Komplexität auf der Strecke. Die bürgerliche Wissenschaft verstand sich als über die Natur erhaben, ihre Methoden sollten alle Bereiche und Winkel der Welt durchdringen und ordnen. Die vielschichtigen und komplexen Zusammenhänge in natürlichen Ökosystemen fielen so vielfach interessensgeleiteten wissenschaftlichen Modellen zum Opfer. Solche Einschränkungen hatten in einer ständig expandierenden Produktionsweise ohnehin keinen Platz. Stattdessen wurde und wird darauf gesetzt, ungewollte „Nebenwirkungen“ zu reparieren (in Monokulturen kippen Ökosystem aus ihrem Gleichgewicht; die auftretenden „Schädlinge“ werden mit Spritzmitteln bekämpft; das zieht Insektensterben und damit fehlende Bestäuber und noch mehr ökologisches Ungleichgewicht nach sich…). Beständige neue „Neben-, Folge- und Wechselwirkungen“ sind Teil dieser Naturverhältnisse.

Ein weiterer Aspekt ist, dass Natur gezieltes Handeln und bewusste Absichten angedichtet werden, etwa wenn Evolution als Prozess verstanden wird, in dem die Natur etwas „einrichtet“ oder „sich“ anpasst. Eine bis heute omnipräsente Vorstellung, die uns in fast jeder Natur- und Tier-Doku begegnet. Wenn Natur nun bestimmte Absichten und Ziele unterstellt wird, ist es wohl genauso legitim – im Sinne des natürlichen „Überlebenskampfes“ – die eigenen Absichten und Ziele durchzusetzen. Hier reproduziert sich die bürgerliche Vorstellung eines idealen Marktes, in dem verschiedene gleichberechtigte Akteure in einem fairen Wettkampf stehen. SiegerInnen dieses Wettbewerbs sind dabei am Ende alle – zumindest laut Adam Smith.

Ein weiteres wichtiges Element im Entstehen und in der Durchsetzung kapitalistisch geprägter Naturvorstellungen ist der Kolonialismus. Ein wesentliches Ziel war der Zugriff auf und die Kontrolle über natürliche Ressourcen. Die Absolution zur Beherrschung der Natur hatte man sich bereits erteilt. Gleichzeitig wurden die kolonisierten Menschen als „Wilde“ dem Natur- und Tierreich zugerechnet – das legitimierte nicht nur die brutale Kolonialherrschaft, sondern bestärkte gleichermaßen die eigene Überlegenheit über Natur, Tiere und „Wilde“. Abenteurertum und wissenschaftliche Expeditionen ergänzten den Kolonialismus zudem hervorragend. Darin verbanden sich das Erforschen unbekannten Terrains mit der Überschreitung bisheriger Grenzen und dem Vorstoßen der „Zivilisation“ in die entlegensten Winkel der Erde. Ein Siegeszug des Bourgeois auf allen Ebenen.

Kapitalistische Naturverhältnisse

Die oben beschriebenen Vorstellungen passten und passen bestens zu einer Produktionsweise, die auf beständiger Akkumulation von Kapital gründet – und somit eine enormen und ständig steigenden Ressourcenhunger (Kohle, Öl, Holz…) mit sich bringt. Die Dynamik von Profitmaximierung und beständigem Wachstum kennt keine Grenzen – und kann solche auch in der natürlichen Umwelt nicht akzeptieren. Der Kapitalismus brachte eine Vorstellung von Natur mit sich, die sich perfekt in sein restliches Selbstverständnis einpasste und den materiellen Erfordernissen dieser Produktionsweise angepasst war.

Bei Marx und Engels heißt es diesbezüglich: „Die herrschenden Gedanken sind weiter Nichts als der ideelle Ausdruck der herrschenden materiellen Verhältnisse (…).“ Und diese umfassen eben auch „ein historisch geschaffnes Verhältnis zur Natur“. Dieses Verhältnis ist eines, das sowohl zur Ideologie als auch den materiellen Erfordernissen der kapitalistischen Produktionsweise wie die Faust aufs Auge passt. Natur wurde dabei zu einem weiteren funktionalen Rädchen in der kapitalistischen Maschinerie degradiert. Die gesellschaftlichen Naturverhältnisse gestalten also gleichzeitig den realen materiellen Bezug auf die natürliche Umwelt, als auch die Vorstellungen von dem, was als „Natur“ gilt.

Entwicklung des Kapitalismus und Naturverhältnisse

Die Naturverhältnisse haben sich mit der Entwicklung des Kapitalismus und seiner globalen Durchsetzung nicht wesentlich verändert – ihr grundlegender Charakter hat sich vielmehr verstetigt und die Auswirkungen haben sich zugespitzt. Die Logik der kapitalistischen Produktionsweise hat mit ihrem Fortbestand sowohl immer größere Teile des Planeten als auch immer weitere Gesellschaftsbereiche durchdrungen. Einzelne Beschränkungen, wie etwa Umweltschutzauflagen, konnten der beständigen Vertiefung der ökologischen Krise nichts entgegenhalten – sie sorgten unter kapitalistischen Verhältnissen vielmehr dafür, dass sich die kapitalistischen Naturverhältnisse aufrechterhalten ließen. In einzelnen Bereichen und in sehr eingeschränktem Ausmaß wurde Praktiken, die als zu gefährlich angesehen wurden, ein begrenzter Riegel vorgeschoben, damit die natürliche Umwelt für etwas längere Zeit als Ressource im Akkumulationsprozess weitergenutzt werden kann.

Der Konzentrationsprozess des Kapitals, der sich über die letzten Jahrzehnte beständig beschleunigt hat, hat auch die Macht des Kapitals beständig erweitert – auch gegenüber der Natur. Multinationale Konzerne kontrollieren heute in nie dagewesenem Ausmaß die globale Nahrungsmittelproduktion und den Zugriff auf Ressourcen der natürlichen Umwelt. Die bekanntesten Beispiele reichen vom „land grabbing“ in Afrika und Asien über die Abholzung von Regenwald zur Palmölproduktion bis hin zu Massentierhaltung in nie dagewesenem Ausmaß und dem Zwang zur Verwendung von genmanipuliertem Einmal-Saatgut. Diese Prozesse beschränken sich dabei keineswegs auf halbkoloniale Länder des globalen Südens. Auch in Ländern wie Österreich und Deutschland, die gerne mit Stolz ihre „intakte“ Umwelt loben, haben Methoden industrieller Landwirtschaft (Monokulturen, Spritzmittel…), die zunehmende Versiegelung von Böden und auf forstwirtschaftlichen Ertrag getrimmte Wälder deutliche Spuren hinterlassen: Insektensterben, Rückgang von Biodiversität, Anfälligkeit für Schädlinge und Extremwetterereignisse… Hinzu kommt der globale Temperaturanstieg, der direkt mit der umfassenden Verwendung fossiler Energieträger im Zusammenhang steht.

Ökologische und soziale Krise

Die umfassende ökologische Krise in der wir uns heute befinden, von der der Klimawandel nur ein, wenn auch ein fundamentaler Aspekt ist, lässt sich erst vor dem Hintergrund der grundlegenden Ausgestaltung der Naturverhältnisse im Kapitalismus ausreichend verstehen. Hinsichtlich der Ausgestaltung der gesellschaftlichen Naturverhältnisse stellen sich zwei zentrale Fragen: Wer kontrolliert den Zugriff auf die natürliche Umwelt? Und wie ist dieser Bezug auf Natur gestaltet? Im Kapitalismus steht im Zentrum der Naturverhältnisse die Kontrolle des Kapitals über die Produktionsmittel, wozu auch die natürliche Umwelt gehört. Diese gilt es entsprechend den Erfordernissen der Produktionsweise zu kontrollieren.

Die Naturverhältnisse sind dabei immer auch soziale Verhältnisse. Die Ausweitung der Kontrolle über immer größere Teile der natürlichen Ressourcen und deren Konzentration in wenigen Händen beraubt gleichzeitig immer mehr Menschen ihres Zugangs zu diesen Ressourcen. Es ist daher nicht verwunderlich, dass die Auswirkungen von Klimawandel und ökologischer Krise und die Möglichkeiten auf diese zu reagieren entsprechend ungleich verteilt sind.

All diese Aspekte spielen auch für die COVID-19 Pandemie eine entscheidende Rolle: zum einen sind die sozialen Auswirkungen dieses vermeintlichen „Naturereignisses“ höchst ungleich verteilt; zum anderen ist es der gleiche kapitalistisch-funktionelle Bezug auf Natur, der zur Klimakrise geführt hat, der die pandemische Verbreitung gefährlicher Viren fördert.

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