Stellungnahmen zum Anschlag auf “Charlie Hebdo”

Der Anschlag auf die Satire-Zeitschrift „Charlie Hebdo“ erschüttert die politische Landschaft Frankreichs. Wir haben die ersten Stellungnahmen der beiden größten Organisationen der französischen radikalen Linken, LO und NPA, ins Deutsche übersetzt.

 

Ein barbarischer und reaktionärer Wahnsinn

 NPA (Noveau Parti Anticapitaliste) ,7.1.2015

Der Anschlag auf den Hauptsitz des Journals Charlie Hebdo ruft Empörung und Wut hervor angesichts solch blinder und mordlustiger Gewalt gegen JournalistInnen , gegen LohnarbeiterInnen. Er zielt darauf ab, Terror und Schrecken zu verbreiten, gerichtet gegen die Meinungsfreiheit, gegen die Pressefreiheit im Namen von reaktionären und aufklärungsfeindlichen Vorurteilen.

Wir hatten oft die Gelegenheit uns mit den ZeichnerInnen und JournalistInnen von Charlie Hebdo zu engagieren, zu debattieren, sogar zu polemisieren. Wir hatten mit ihnen gemeinsame Kämpfe.

Die NPA übermittelt seine Solidarität an die Angehörigen und die Familien der Opfer, an alle JournalistInnen und Angestellten von Charlie Hebdo.

Aber wir werden keine nationale Einheit mit Zauberlehrlingen bilden, die mit Rassismus spielen, den Hass gegen Muslime und AusländerInnen schüren, die sich dieser Affäre bedienen um neue freiheitsbedrohende Gesetze zu erlassen. Sie tragen eine schwerwiegende Verantwortung in dem xenophoben und todbringenden Klima, dass wir heute kennen.

Die einen als auch die anderen sind Feinde der Demokratie, der Freiheit, Feinde der ArbeiterInnen, der Arbeiterklasse, Feinde einer solidarischen Welt.

Montreuil, am 7. Jänner 2015

 

 

Gegen ein barbarisches Attentat und gegen jene, die es im Namen der „ Nationalen Einheit“ ausnützen!

Lutte Ouvrière, 8.1.2015

 

Lutte Ouvrière teilt die tiefgreifende Entrüstung, die durch das am 7. Jänner in Paris begangene Attentat ausgelöst wurde. Wir drücken hiermit unsere Ergriffenheit und unsere Solidarität mit der Redaktion von Charlie Hebdo und mit den Angehörigen der Opfer, die wir teilweise kannten und uns das Ganze somit noch mehr berührt, aus.

Dieses Attentat ist ein schändlicher Akt, der gegen JournalistInnen  gerichtet war aufgrund dessen, was sie gezeichnet und was sie geschrieben haben und auf jene, die diese beschützt haben. Jene, die solche Methoden gebrauchen, sind nicht nur Feinde der Meinungsfreiheit und der Pressefreiheit, sie sind gleichzeitig Feinde der Arbeiterinnen, ihrer Freiheit sich auszudrücken und sich zu organisieren. Wie man auch immer die Ideologie, auf die sich jene berufen, dreht und wendet , ihre Methoden zielen schlussendlich darauf ab, einer Bevölkerung oder einem Teil der Bevölkerung eine Diktatur aufzuzwingen. Der Terrorismus, der von den Staaten oder von Gruppen, die dabei sind eine Staatsmacht aufzubauen, eingesetzt wird , bezweckt das Verstummen aller davon abweichenden Ausdrucksmöglichkeiten und dieser Terrorismus trifft immer und vor allem die Freiheit der Unterdrückten gegen die Ausbeutung zu kämpfen, die sie erleiden.

Gleichzeitig können wir nichts anderes als geschockt sein über die politische Ausschlachtung dieses Ereignisses durch die unterschiedlichen politischen Parteien und vor allem durch die Regierung von Francois Hollande und Manuel Valls. Seit diesem Ereignis ruft Hollande zur nationalen Einheit auf und versucht damit sein Ansehen, das er großteils durch seine Politik verloren hat, wieder herzustellen. Insbesondere möchte er mit diesem Attentat, das den sogenannten "Djihadisten" zugeschrieben wird, die Interventionen der französischen Armee in Afrika und im mittleren Osten rechtfertigen.

Aufgrund dieser Handlungsweise und obwohl Hollande so tut als würde er die ermordeten JournalistInnen verteidigen, verrät die Regierung damit eigentlich das Andenken an diese. Sie waren nicht nur unbeugsame GegnerInnen von religiösen Ideologien, sondern auch Anti – MilitaristInnen gegenüber jeder militärischen Expedition. Aber obendrein will die Regierung, durch eine Operation, die im Grunde nach symmetrisch zu dem ist, was die  Djihadisten machen wollen,  ihre Poltik als die einzig mögliche Politik aufzwingen. Nun aber führten die Manöver und die militärischen Operationen der imperialistischen Mächte, durchgeführt in Afrika und dem mittleren Osten um die Interessen der großen Unternehmen des Westens durchzusetzen, zu einer schwerwiegenden Verantwortung für die Entwicklung der unkontrollierbaren bewaffneten Banden, die nun in diesen Ländern agieren und danach streben es auch hier zu tun.

 Deshalb wird Lutte Ouvrière nicht an Demonstrationen teilnehmen, die darauf abzielen eine nationale Einheit durchzusetzen, in der sich verschiedene poltische Kräfte wiederfinden können, von der Sozialistischen Partei bis zu rechten Parteien und zum Front national. Die Instrumentalisation des Attentats auf Charlie Hebdo, für Ziele, gegen die die ermordeten JournalistInnen selbst waren, ist unanständig, abgesehen davon, dass die Art und Weise wie manche Partei das ganze Ereignis ausnützen einen rassistischen und   xenophoben Hintergrund haben. Es kommt nicht in Frage, dass wir uns auf der Seite der Parteien wiederfinden, die den Großteil zu dieser krisenhaften Situation und dem Ansteigen der Barbarei beigetragen haben. Der Anschlag auf Charlie Hebdo ist nur eine weitere Manifestation davon.

Lutte Ouvirère will noch einmal seine Empörung, seine Solidarität mit den Opfern und deren Angehörigen ausdrücken, und wird weiterhin kämpfen für die Meinungs- und Kritikfreiheit, für  Freiheit der ArbeiterInnen und aller Ausgebeuteten gegen die kapitalistische Gesellschaft der Ausbeutung und der Ungerechtigkeit, die durch die Politik der Regierung aufrechterhalten werden soll.

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