Streik bei der französischen Eisenbahn

In Frankreich streiken die Beschäftigten bei der Eisenbahn. Unsere französischen Genoss_innen von L’Étincelle thematisieren den Streik im Leitartikel ihrer aktuellen Betriebsflugblätter, die regelmäßig in zahlreichen französischen Betrieben verteilt werden.

Die streikenden EisenbahnerInnen starten den Zug der Kämpfe

Seit fast einer Woche streiken die EisenbahnerInnen auf vielen Bahnhöfen und Bauabschnitten, nachdem die Gewerkschaften CGT, Sud-Rail und FO zum Streik aufgerufen hatten. Der Streik wird weitgehend befolgt, entgegen den Behauptungen der SNCF-Leitung, die so gut es geht versucht, ihre weniger kompetenten Leitenden zu mobilisieren, um den Zugverkehr aufrecht zu erhalten. Der Streik wurde Tag für Tag verlängert, obwohl Hollande und Valls zu einer Wiederaufnahme der Arbeit aufgerufen haben. Allerdings mit noch geringerem Erfolg als bei den letzten Wahlen!

Ihren Reformen ist immer zu misstrauen!

Besagter Streik richtet sich gegen die „ Eisenbahnreform“, die von der Regierung und der SNCF-Leitung ausgearbeitet wurde. Hinter den für die Öffentlichkeit und die EisenbahnerInnen selbst unverständlichen Formulierungen stecken bloß weitere Angriffe gegen die EisenbahnarbeiterInnen.

Das Ziel der Reform ist die Verschlechterung der Arbeitsbedingungen, u.a. durch den Verlust von ca. zehn Ruhetagen und die Verlängerung der Arbeitsphasen. Anvisiert werden auch neue Möglichkeiten, auβerstatuarische Einstellungen vorzunehmen, die folglich zu vielen prekären Arbeitsstellen führen würden. Auch auf die Löhne hat man es zuletzt abgesehen. Mehr arbeiten mit weniger Personal und geringeren Gehältern. Das bedeutet schlechtere Lebensbedingungen für die EisenbahnerInnen sowie schlechtere Lebensbedingungen für die VerkehrsteilnehmerInnen, denn diese Politik würde zu vermehrten „technischen Zwischenfälle“ führen, wie Verspätungen oder Streichungen von Zügen. Die geplanten Einschnitte erhöhen zusätzlich das Risiko für die VerkehrsteilnehmerInnen. Genau solch artige Einsparungen haben vorigen Sommer den tragischen Unfall in Bretigny-sur-Orge verursacht.

Die Regierung und die Leitung der SNCF möchten also, dass das Parlament diese Produktivitätssteigerung der EisenbahnerInnen ratifiziert, unter dem Vorwand, eine „Schuld“ zu beseitigen, für die sie nicht verantwortlich sind. Mit vollem Recht mobilisieren sich die EisenbahnerInnen und versuchen, diesen böswilligen Angriffen ein Ende zu setzen, sich gegen diese Reform zu erheben.

Ihre Probleme sind genau dieselben wie die aller Arbeitenden des Landes im Öffentlichen Dienst und im Privatbereich

Selbst wenn die Gewerkschaftsführungen der Eisenbahn sich nicht dazu entscheiden hat, Forderungen konkret zu stellen um sich stattdessen darauf zu beschränken, die Reform allgemein zu kritisieren, bemühen sich die EisenbahnerInnen ihre Beschäftigungs- und Lohnprobleme bekannt zu machen. Man braucht nur in eine Vollversammlung von Streikenden zu gehen, um zu verstehen, wie dringend sie sind.

Im Handelsbereich oder in der Instandhaltung der Schienen verdient man als AnfängerIn kaum den Mindestlohn. Die Prämien werden willkürlich gewährt. Ein weiteres Jahr kommt es zu einer Streichung von 2500 Stellen. Die ständigen Umstrukturierungen, dienen dazu das Arbeitstempo dem starken Personalabbau anzupassen.

Sie haben dieselben Probleme wie die Beschäftigten der Unterhaltungsindustrie, die eine Reform der Arbeitslosenversicherung ablehnen, weil sie ihre prekäre Lage nur noch verschlimmern würde. Dieselben Probleme wie die PostlerInnen im Departement Hauts-de-Seine, die seit Januar streiken, aber auch wie die PostlerInnen im pariser Briefzentrum des 15. Bezirks und in vielen anderen Zentren, die gegen Stellenstreichungen streiken. Dieselben Probleme wie die KofferpackerInnen von Air France am Flughafen Roissy. Dieselben Probleme wie die Beschäftigten von Pôle Emploi, die nächsten Donnerstag zum Streik aufgerufen haben. Nicht zu vergessen die Angestellten verschiedener Krankenhäuser des Landes, die zusammen am 18. Juni in Caen demonstrieren werden.

Überall sind die Beschäftigten mit denselben Angriffen auf ihre Arbeitsbedingungen konfrontiert, ob sie nun „Pläne zur Wettbewerbsfähigkeit“, „Eisenbahnreform“ oder „Umstrukturierung“ heißen oder irgendeine andere technokratische Bezeichnung erhalten.

Kein Wunder also, wenn die Wut wächst.

Alle zusammen: Ja!

Wenn François Hollande und Manuel Valls im Chor den Refrain anstimmen „man muss mit einem Streik Schluss machen können“, stimmen die PolitikerInnen des rechten Lagers mit ein, da sie eine Erwärmung des sozialen Klimas fürchten. Ihr Wortführer hat sogar eine neue Wortwendung geschaffen: Die „Gerinnung“ der Verstimmungen. Sie behaupten, sie würden eine Veränderung der sozialen Lage nicht befürchten, wie auch schon Juppé im Jahre 1995 behauptet hatte, dass er fest in seinen Stiefeln bleiben würde!

Aber eines ist klar: In Wirklichkeit stehen unsere konvergierenden Interessen als ArbeiterInnen und die Koordinierung unserer Kämpfe auf der Tagesordnung.

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