Der kurze Sommer des Sozialismus. Ein Bericht vom marxistischen Sommercamp auf Rügen

Rund 110 GenossInnen folgten dem Ruf von RSO, SAS und La fraction L'Étincelle zu einem gemeinsamen Sommercamp auf der deutschen Ostseeinsel Rügen Ende Juli. Sie wurden mit einer Woche voller Workshops, Ausflügen, Sonne, Strand, Spaß und Solidarität belohnt.

Zum ersten Mal veranstalteten die drei trotzkistischen Organisationen RSO, Sozialistische Arbeiterstimme (SAS) und La fraction L'Étincelle ein gemeinsames Sommercamp, an dem GenossInnen aus Österreich, Deutschland, Frankreich und Großbritannien im Alter von 3 bis 70 Jahren teilnahmen. Als Destination wurde der Ort Sellin auf der größten deutschen Insel, Rügen, ausgewählt, wo uns das Wetter mit warmen (aber nicht zu heißen) Temperaturen und Sonnenschein wohlgesonnen war.

Urlaub und Politik

Mehr noch als die bisherigen Sommercamps der RSO sollte es diesmal eine Mischung aus Polit-Camp und Urlaub werden. Dies bedeutete neben zahlreichen inhaltlichen und praktischen Workshops auch die Organisierung einer breiten Palette an Freizeitaktivitäten.

Das Programm der Workshops und Debatten war so unterschiedlich wie die TeilnehmerInnen.

Von Ökologie oder Feminismus über die Psychologie der Kunst bis hin zu einer Beschäftigung mit dem Christentum inklusive Bibel-Lektüre reichte das Angebot. Natürlich wurden auch wichtige politische Bewegungen der letzten Jahren diskutiert, wie etwa Klassenkämpfe in China, der Streik der „Sans Papiers“ in Frankreich oder die aktuellen Proteste in der Türkei. Ebenso ging es um Arbeitskämpfe der jüngeren Vergangenheit wie den Streik bei PSA Aulnay, bei dem auch L'Étincelle eine Rolle gespielt hat. Auf BetriebsaktivistInnen-Treffen wurden EisenbahnerInnen bzw. Krankenhausbeschäftigte aus den verschiedenen Ländern zum Erfahrungsaustausch zusammen gebracht. Wiederum andere Workshops griffen die Geschichte der Region des Camps auf, wie etwa jener zum Leben in der DDR oder zur Sozialpolitik der Nazis, der mit einer Exkursion ins ehemalige Seebad Prora, ein gigantischer Baukomplex aus des Nationalsozialismus, kombiniert wurde.

Von Störtebeker bis Karl Marx  

Noch reichhaltiger war das Freizeitprogramm. Hier reichte das Angebot von Wanderungen entlang der Steilküste über Radtouren, einem Bootsausflug bis hin zum Besuch der Störtebeker-Festspiele, wo auf einer riesigen Freiluftbühne die Geschichte der Piraterie in der Ostsee nach gespielt wird. Sportlicher Höhepunkt der Woche war sicher der Camp-Triathlon, bei dem die TeilnehmerInnen 300 Meter schwimmen, 6 Kilometer Radfahren und 1 Kilometer laufen mussten und dabei für verdutzte aber auch begeisterte Blicke bei den anwesenden TouristInnen sorgten.

Für Unterhaltung am Abend war ebenfalls gesorgt. Beim traditionellen Polit-Quiz der RSO mussten wieder einmal die wirklich wichtigen Fragen erraten werden, so etwa die Lieblingspflanze von Karl Marx oder welche Note Angela Merkel 1986 im Fach „Marxismus-Leninismus“ erhalten hatte. Und auch die von früheren RSO-Camps bekannte Talentshow durfte nicht fehlen. Das zwischen Begeisterung und Schockzustand schwankende Publikum sah hier unter anderem ein Jazzensemble, eine menschliche Pyramide, eine Zaubershow oder ein Gangnam-Style-Cover, das den Begriff „Propaganda Style“ zum geflügelten Wort der Woche machen sollte. Als sich dann in den frühen Morgenstunden des Abreisetages die letzten müden GenossInnen von der Abschlussparty am Strand in Richtung Bungalows aufmachten, waren die physischen Akkus ziemlich leer – die emotionalen jedoch voll aufgeladen.

Gemeinsam Spaß haben

Kurz gesagt: Es war für alle etwas dabei. Und so gelang es, dass sich GenossInnen verschiedenster Herkunft, verschiedensten Alters und mit verschiedensten Bedürfnissen gemeinsam wohl fühlen konnten. Schließlich wird politische Arbeit nicht von Robotern gemacht, sondern von menschlichen Wesen. Gemeinsam Spaß zu haben und eine gute Zeit zu verbringen ist daher genauso wichtig, wie das Lesen von Texten oder Verteilen von Flugblättern. Und die Frage, wie AktivistInnen miteinander umgehen, ist keine unpolitische, sondern im Gegenteil eine höchst politische und wichtige Frage.

Auf Rügen haben wir versucht, diese Frage positiv zu beantworten. Wir denken, es ist uns gelungen. Und so waren die ausgesprochen solidarische Stimmung des Camps, so wie die unzähligen Diskussionen, die zwischen den AktivistInnen der drei Organisationen geführt wurden, auch ein gutes Zeichen für die weitere Zusammenarbeit.

 

 

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