Schweiz: Teilsieg bei ISS-Aviation

120 Tage lang war ein Teil der Beschäftigten von ISS-Aviation im Streik. Nun haben sie beim Kampf gegen die geplanten Lohneinbussen einen wichtigen Erfolg errungen.

ISS-Aviation gehört zum Goldman-Sachs-Konzern und bietet unter anderem Flughafen-Dienstleistungen an, etwa am Flughafen Genf. Dort wollte das Management die Löhne der Beschäftigten, überwiegend migrantische Frauen, massiv kürzen.

Gegen die angekündigten Lohneinbussen von bis zu 1350 Franken pro Monat traten etwa 20 der an die 130 Beschäftigten in den Streik. Die Streikenden sind fast ausschliesslich Frauen, die über Jahre einen Zeitarbeitsvertrag hatten, obwohl sie dauernd zu 100 Prozent arbeiteten. Dadurch waren sie ihren KollegInnen gegenüber schlechter gestellt, erhielten weniger Lohn und keinen 13. Monatslohn. Als sie vor dem Arbeitsgericht dagegen klagten, reagierte ISS mit der Kündigung des Gesamtarbeitsvertrages (GAV) und schloss mit den meisten Angestellten individuelle Verträge ab.

Die Streikenden weigerten sich dies zu tun und beharrten auf der Einhaltung des für den ganzen Flughafen Genf gültigen GAV für Festangestellte. Der monatelange Streik wurde immer wieder schweizweit durch öffentliche Kundgebungen begleitet, durch die es gelang, Unterstützung zu mobilisieren und Druck auf ISS auszuüben. Das ISS-Management setzte auf den Einsatz von StreikbrecherInnen aus Zürich. Trotzdem ging der Streik weiter.

Nun, nach 120 Streiktagen, haben sich ISS und die Gewerkschaft VPOD auf einen neuen GAV geeinigt. Das Verhandlungsergebnis ist ein Kompromiss, der für die Streikenden aber dennoch einen partiellen Erfolg darstellt.

Im Vergleich zum ursprünglich gültigen GAV, den ISS gekündigt hatte, bedeutet die Einigung eine Lohneinbusse von 100 Franken für Neueingestellte beziehungsweise von 337 Franken pro Monat für die höchste Lohnklasse. Gegenüber den Einzelverträgen, die ISS nach dem Auslaufen des GAVs angeboten hatte, bedeutet der neue GAV aber ein Lohnerhöhung von 210 beziehungsweise 960 Franken. Auch verglichen mit dem Vertrag, der zwischen der von den Chefs initiierten Scheingewerkschaft PUSH und ISS vereinbart wurde, bedeutet der erkämpfte neue GAV eine Erhöhung von 50 beziehungsweise 710 Franken.

Negativ ist bei der Einigung auch, dass die Streikenden für ein Jahr lang den Vertrag der Scheingewerkschaft PUSH übernehmen müssen. Außerdem zieht der VPOD die Klage gegen PUSH zurück. Der VPOD hatte gegen PUSH geklagt, da diese einen GAV unterschrieben hatte, obwohl sie keine reguläre Gewerkschaft ist. Damit hat die VPOD-Führung den Kampf gegen diese Waffe der Unternehmer aufgegeben.

Trotz dieser negativen Seiten hat sich der Streik gelohnt. Denn ohne den Streik wären die Lohnverluste noch größer gewesen. Und vor allem war der Kampf wichtig für das Selbstvertrauen der Streikenden. Durch ihren Mut und ihr Durchhaltevermögen haben sie, die als migrantische Frauen zu den ausgebeutesten Schichten der ArbeiterInnenklasse gehören, gezeigt, dass man/frau sich erfolgreich wehren kann. Sie haben den KapitalistInnen demonstriert, dass die mit ihrer Lohnkürzungspolitik nicht so einfach durchkommen. Das ist auch ein wichtiges Signal für die anderen Beschäftigten am Flughafen Genf und darüber hinaus.

Der Streik der Beschäftigten bei ISS-Aviation hat gezeigt, dass man/frau auch als Minderheit erfolgreich kämpfen kann, dass prekäre Arbeitsbedingungen nicht einfach akzeptiert werden müssen, dass auch Frauen und MigrantInnen, die besonders unter Druck stehen, erfolgreich Widerstand leisten und Forderungen durchsetzen können. Der Streik am Flughafen Genf kann anderen Mut machen, sich ebenfalls zu wehren.

Die Streikenden müssen sicherlich wachsam bleiben, denn die KapitalistInnen warten meist nur auf einen günstigen Zeitpunkt für einen neuen Angriff. Das ist die Logik des kapitalistischen Systems. Endgültig Schluss gemacht kann damit nur werden, wenn die aktuellen Klassenkämpfe verbreitert und zur Überwindung dieses Systems vertieft werden. Um in diese Richtung zu arbeiten, ist unter anderem der Zusammenschluss der bewusstesten Lohnabhängigen in einer revolutionären Organisation unumgänglich.

 

Zum Weiterlesen:

Abbau bei der Arbeitslosenversicherung – http://www.sozialismus.net//content/view/1508/70/

Rentenklau abgelehnt – http://www.sozialismus.net//content/view/1388/70/

Genf: Streiken lohnt sich! – http://www.sozialismus.net//content/view/1356/70/

 

 

 

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