–„Blumen für Kim Il Sung–“…

… so der Titel der Ausstellung über nordkoreanische Kunst im Wiener Museum für Angewandte Kunst, die die Jugendgruppe der RSO Anfang August besuchte. Ein Versuch unsere Eindrücke und Meinungen in Worte zu fassen.

Nach einer ausführlichen Kontrolle am Metalldetektor sowie teilweise genauen Taschendurchsuchungen betraten wir die schlicht gehaltene Ausstellung. Dort trafen wir auf ausgewählte Bilder aus der Kunst der „kommunistischen“ Demokratischen Volksrepublik Nordkorea. In Folge waren die Werke nicht durch stilistische Vielfalt geprägt, sondern stellten lediglich zwei verschiedene Malstile der letzten gut 50 Jahre dar. Die Kunst definierte sich durch einen „proletarischen“ Touch und legte auch sehr viel Wert auf die Darstellung des Führers Kim Jong Il sowie des „ewigen Präsidenten“ Kim Il Sung. Letztere waren nicht frei zugänglich, die Unantastbarkeit  wurde auch im Museum durch strikte Absperrung spürbar gemacht. Ein hoher Einsatz von koreanischem Sicherheitspersonal machte gar den Eindruck eines Personenschutzes für den immer lächelnden Kim Il Sung.

Was den grundsätzlichen Charakter der Ausstellung betraf, gingen unsere Meinungen auseinander: Auf der einen Seite lieferte sie einen tieferen Einblick in die nordkoreanische Kultur und Landschaftsmalerei. Auf der anderen Seite verkörperten die Bilder hauptsächlich die Propaganda des herrschenden Regimes, welche in vielen Fällen nicht der Realität in Nordkorea entspricht. So werden die großen Führer immer als sehr volksnahe und aufopfernd dargestellt. Die gesellschaftlichen Darstellungen erinnern schon fast an ein „ArbeiterInnenparadies“, in dem überzogene Fröhlichkeit, „perfekte“ Menschen und immer funktionierende Fabriken alltäglich sind. Beispielhaft hierfür ist das immer noch nicht fertig gestellte Hotel Ryugyong, welches vollendet dargestellt wird.

Etwas subtiler läuft die Propagierung für die Wiedervereinigung des Norden und des Südens, zum Beispiel durch die Darstellung eines vereinten Koreas, mit der Betitelung „eins“. In solchen Fällen wären ausführlichere Informationen zum Hintergrund der Werke und der Künstler sehr interessant gewesen. Die einzige Auskunft über Korea lieferten ein paar Sätze auf einer Wand am Anfang der Ausstellung, die aber sehr allgemein gehalten waren. Hier konnte auch der obligate Folder nicht weiterhelfen. So wurden wir leider nicht vollkommen zufrieden, aber um eine Erfahrung reicher in den gemeinsamen Abend entlassen.

In Nordkorea ist es eine Sache der Höflichkeit, anstatt Kritik zu äußern, zu sagen: „Es war beeindruckend.“ Diesem Anspruch werden wir zwar nicht gerecht, die Ausstellung war trotz alledem sehr interessant. Für InteressentInnen der nordkoreanischen Kunst und allgemein des Landes, beziehungsweise leidenschaftliche KunstliebhaberInnen, auf jeden Fall einen Besuch wert. Doch Vorsicht ist geboten: Will mensch nicht von einem koreanischen Ausstellungsmitarbeiter belauscht werden, sollte er/sie anschließend nicht unbedingt vor der MAK-Eingangstür zum Rauchen herumstehen!

 

Zum Weiterlesen:

Stalinismus in Nordkorea

Stalinismus in NordkoreaStalinismus in Nordkorea. Aufschwung und Niedergang des „Sozialismus“ in einem halben Land. Marxismus Sondernummer 28, Januar 2009, 60 Seiten A5, 2,5 Euro / 4 CHF
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