Wem nützt das WM-Spektakel?

Die Fußball-WM ist angelaufen. Manche von uns wollen kaum ein Match verpassen. Andere sind längst genervt. Wir sprechen darüber, wer von der WM profitiert und welche politische Funktion sie hat.

Anders als uns der Weltfußballverband FIFA und die Medien einreden wollen, geht es bei der WM nur am Rande um Fußball. Im Vordergrund stehen Konzerninteressen und Nationalismus. Die Fußball-WM ist deshalb ein Teil des Klassenkampfes.

Kommerz

Fußball war lange Zeit vor allem ein Sport der (vor allem männlichen) ArbeiterInnen. In den letzten Jahrzehnten ist dieser Sport aber sehr stark kommerzialisiert worden. Große Vereine funktionieren heute oft wie Konzerne, die sich nach den Wünschen der Sponsoren richten. Bei Welt- oder Europameisterschaften ist das besonders krass.

Die WM kostet die südafrikanischen SteuerzahlerInnen 4,1 Milliarden US-$. Die Bevölkerung dort hat davon reichlich wenig, sondern wird noch jahrelang dafür zahlen (so wie Griechenland noch immer Schulden von den Olympischen Spielen 2004 hat). Stattdessen profitieren einige große Konzerne wie Coca Cola, Budweiser, McDonald´s, die als FIFA-Sponsoren auftreten und ein Monopol in den Stadien haben. Die FIFA selbst verdient mit der WM viele Milliarden (der europäische Fußballverband UEFA kassierte mit der EM 2008 in Österreich/Schweiz 1,3 Milliarden Euro). Kurz gesagt: Die Öffentlichkeit zahlt, einige KapitalistInnen cashen ab.

Nationalismus

Sport-Großveranstaltungen wie die Männer-Fußball-WM haben auch eine starke politische Funktion für die herrschende Klasse. Das offizielle Propagandabild, das die WM als große völkerverbindende Party darstellt, hat mit der Realität nichts zu tun. Tatsächlich dominiert bei dieser Veranstaltung der Nationalismus – und das passt für die KapitalistInnen und PolitikerInnen angesichts der Krise ganz wunderbar:

Die griechischen Lohnabhängigen, denen gerade der ohnehin niedrige Lebensstandard zusammengeschossen wird, sollen gemeinsam mit der dortigen Regierung um den Aufstieg des Nationalteams zittern. Die deutschen Arbeitslosen und Familien, denen gerade die Bezüge gekürzt werden, sollen gemeinsam mit den deutschen KapitalistInnen für die Nationalmannschaft jubeln. Sogar die südafrikanischen SlumbewohnerInnen sollen lustig mitfeiern solange sie keine Probleme machen.

Südafrika

Die Hälfte der Bevölkerung von Südafrika lebt unter der Armutsgrenze, etwa 30% sind arbeitslos. Die WM bedeutet nicht nur ein Verpulvern staatlicher Gelder für FIFA und Sponsoren. Es wurden Armenviertel, die in Sichtweite der internationalen BesucherInnen liegen, zerstört und die BewohnerInnen vertrieben. Und der Staat macht für die FIFA-Interessen alles: Beispielsweise wurde ein Mann, der illegal Eintrittskarten verkaufte, zu 3 Jahren Haft (!) verurteilt.

Neue Arbeitsplätze wurden durch die WM nur sehr kurzzeitig geschaffen. Meist sind auch noch die Arbeitsbedingungen und die Bezahlung miserabel. Doch die südafrikanischen ArbeiterInnen lassen sich nicht alles bieten: Im Vorfeld der WM und auch währenddessen gab es immer wieder Streiks, etwa bei den Stadionbauten oder im Transport; die Streikenden konnten teilweise auch Lohnerhöhungen durchsetzen.

Schlussfolgerungen

Wir von der RSO sind nicht gegen Fußball an sich. Nicht wenige unserer Mitglieder spielen selbst Fußball, sind Fußballfans und leidenschaftliche StadiongeherInnen; andere wiederum interessieren sich nicht für Fußball. Wichtig sind in jedem Fall die politischen und sozialen Begleiterscheinungen, die uns alle angehen.

Dem Widerstand von Fußballfans gegen Kommerzialisierung und Repression stehen wir positiv gegenüber. Die oftmals grölend-frauenfeindliche Stimmung auf Fußballplätzen finden wir kotzig. In Bezug auf die WM sagen wir: Wenn man/frau sich Spiele ansieht, sollte man/frau sich eine Kritik an solchen Kommerz-Ereignissen bewahren.

Und vor allem sollten wir uns nicht durch „patriotische Begeisterung“ das Hirn vernebeln lassen. Wir müssen ja schließlich einen klaren Blick dafür haben, dass die Lohnabhängigen aller Länder sich angesichts der aktuellen Angriffe nur gemeinsam erfolgreich zur Wehr setzen können. Wichtig ist nicht, wer Fußballweltmeister ist. Wichtig ist, dass es den KapitalistInnen nicht gelingt, die Kosten ihrer Weltwirtschaftskrise auf uns abzuladen.

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