Solidarität mit den griechischen ArbeiterInnen!

Die deutschsprachigen Medien überschlagen sich vor Hetze gegen "die Griechen", die "über ihre Verhältnisse leben" etc. Im Leitartikel der Aprilausgabe der Betriebsflugblätter der RSO Wien sind wir dem entgegengetreten.

In ganz Europa haben die Regierungen den Banken und Konzernen hunderte Milliarden Euro in den Rachen geworfen. Jetzt müssen sie das Geld wieder hereinbekommen. Zahlen sollen die Lohnabhängigen. Das ist in Österreich so, wo sich die Regierung gerade Kürzungen ausdenkt. Und das ist in Griechenland so, wo die Angriffe besonders stark und der Widerstand besonders groß ist

Die deutschsprachigen Medien erzählen uns, dass „die faulen Griechen“ über ihre Verhältnisse gelebt hätten. Die EU-PolitikerInnen verlangen „harte Einschnitte“ in Griechenland, damit „wir“ nicht dafür zahlen müssen. Diese Propaganda ist lächerlich.

Faule GriechInnen?

Die Realarbeitszeit der griechischen Lohnabhängigen ist die längste in der ganzen EU. Trotzdem liegt der Mindestlohn bei 700 Euro. Ein griechischer Industriearbeiter verdient etwa die Hälfte eines österreichischen. Die große Mehrheit der PensionistInnen hat weniger als 600 Euro zur Verfügung (bei kaum niedrigeren Preisen).

Die große Staatsverschuldung Griechenlands hat also andere Gründe: 1) das Bankenrettungspaket, 2) die tolerierte Steuerflucht des Großkapitals, 3) die Senkung der Besteuerung der Konzerne, 4) die internationale Spekulation gegen griechische Staatsanleihen. Außerdem ist Griechenland als ärmeres und schwächeres Land von der Krise stärker betroffen. Für all diese Dinge können die griechischen ArbeiterInnen gar nichts!

Außerdem ist die griechische Verschuldung nicht höher als die von Italien oder Großbritannien. Dass von PolitikerInnen und Medien in der EU trotzdem vor allem gegen Griechenland Stimmung gemacht wird, hat verschiedene Hintergründe: Erstens eignet sich ein kleines Land besser für eine „Strafaktion“. Zweitens ist der Druck der EU auch eine Hilfe für die griechischen KapitalistInnen, um die Verschlechterungen gegen die aufmüpfigen griechischen Lohnabhängigen als „unausweichlich“ durchzuboxen.

Angriffe und Widerstand

Die EU und die Regierung in Athen haben sich dabei einiges ausgedacht: Es gibt einen Lohnstopp, also Reallohnverluste, im öffentlichen Sektor. Weihnachts- und Urlaubsgeld sollen um insgesamt die Hälfte reduziert werden. Die Pensionen werden für alle Lohnabhängigen eingefroren. Das Pensionsalter wird um zwei Jahre angehoben. Außerdem werden Massensteuern wie etwa die Mehrwertsteuer erhöht – ähnliches plant ja auch „unsere“ Regierung.

Ob die griechische Regierung mit all diesen Angriffen durchkommt, wird sich erst zeigen. Schon einmal haben die griechischen Lohnabhängigen die geplante Anhebung des Pensionsalters abgewehrt – mit heftigen Generalstreiks! Auch diesmal gab es bereits eintägige Generalstreiks.

Wie bei uns versucht die Gewerkschaftsbürokratie auch in Griechenland, die Kämpfe im Sand verlaufen zu lassen. Es gibt in Griechenland aber auch starke antikapitalistische Organisationen. Die Hälfte der Bevölkerung findet mittlerweile, dass Sozialismus besser ist als Kapitalismus. Die Lohnabhängigen sind kampferprobt. Das letzte Wort ist an der Ägäis noch nicht gesprochen.

Griechisch lernen!

Viele von uns kennen Griechenland als Urlaubsland – Sonne, Strand, Souflaki und Retsina. Von den Kämpfen unserer griechischen KollegInnen bekommt man da nicht viel mit. Dabei wäre es für uns äußerst hilfreich, von den Erfahrungen und Erfolgen der griechischen ArbeiterInnenklasse zu lernen.

Auch in Österreich stehen Angriffe der KapitalistInnen und ihrer Regierung bevor. Sie wollen, dass wir für ihre Krise und die Milliarden-Geschenke an die Banken bezahlen. Konkret plant die Regierung eine Erhöhung der Massensteuern und massive Kürzungen bei der sozialen Absicherung der Bevölkerung. Allein im Gesundheitswesen sollen 1,8 Milliarden Euro eingespart werden. Das wird nicht nur die im Gesundheitssektor Beschäftigten treffen, sondern die Versorgung von allen Lohnabhängigen.

Wenn wir das nicht tatenlos hinnehmen wollen, müssen wir uns wehren. Wir müssen – so wie die KollegInnen in Griechenland – raus auf die Straße und ernsthafte Streiks durchführen. Wenn in der Industrie nicht mehr produziert wird, der öffentliche Verkehr nicht fährt, der Strom abgeschaltet wird… – dann geht das an den Profit. Nur diese Sprache verstehen die KapitalistInnen. Nur so können wir etwas erreichen. Auf die Gewerkschaftsführung brauchen wir uns da nicht zu verlassen. Stattdessen sollten wir uns am Arbeitsplatz selbst zusammenschließen und klassenkämpferische Organisationen stärken.

 

Zum Weiterlesen:

Laboratorium Griechenland



Geschrieben von Eric Wegner (RSO Wien Betrieb 2)   
Freitag, 12 März 2010

Wirtschaftliche Krise an der europäischen Peripherie. Druck von EU und Finanzmärkten. Kämpferische ArbeiterInnenklasse. Wir analysieren die zugespitzte Lage in Griechenland.

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Revolution und Konterrevolution in Griechenland

Revolution und Konterrevolution in Griechenland
Entwicklung von Klassengesellschaft und Arbeiter/innen/bewegung in den letzten 100 Jahren. Griechische Linke zwischen Repression, Revolte und europäischer „Normalisierung“, Marxismus Nr. 25, Juli 2005, 2. Auflage März 2010, 590 Seiten
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