Das waren die Sozialismus-Tage 2010

Spannende Debatten, interessante Vorträge und ein solidarisches Miteinander prägten die Sozialismus-Tage 2010. Und über 150 TeilnehmerInnen machten die Wochenend-Veranstaltung der RSO Wien zu einem vollen Erfolg.

Insgesamt sieben verschiedene Veranstaltungen sorgten bei den Sozialismus-Tagen 2010 für eine breite Palette von Themen. Auch wenn der thematische Schwerpunkt des Wochenendes bei der Einschätzung der Krise und dem Kampf gegen die Abwälzung ihrer Folgen auf die ArbeiterInnenklasse lag, reichte der Bogen noch weiter: Von Fragen der Sexualmoral bis zum Verhältnis zwischen der Linken und der Grünen Partei.

Neben den BesucherInnen aus Wien waren auch in diesem Jahr wieder zahlreiche internationale Gäste anwesend, diesmal aus Griechenland, Frankreich, Deutschland und der Schweiz.

Veranstaltungsort: Das Amerlinghaus in Wien-Neubau

 

Sozialismus-Tage im Wiener Gemeinderat

Die Sozialismus-Tage waren in diesem Jahr sogar Thema im Wiener Gemeinderat. Als David Ellensohn von den Grünen, der auch bei den Sozialismus-Tagen sprach, bei der Sitzung am 26.03. ans RednerInnenpult trat, wurde ihm von Seiten der FPÖ „Sozialismus-Tage!“ und „Ficken im Kapitalismus!“ entgegen geschrieen. Das zeigt zumindest, dass in der Wiener FPÖ das Lesen ein wenig besser funktioniert als das Gehör von Bundesparteiobmann Strache, der ja in letzter Zeit scheinbar von unsichtbaren Stimmen umgeben ist…

Zusätzlich zu den Veranstaltungen war während der gesamten Sozialismus-Tage die Rote Cafeteria geöffnet. In der Cafeteria wurden permanent Kaffee, Tee, Kuchen, Obst, Snacks und Toasts angeboten, in den großen Pausen sorgte das Küchenteam der Klassenküche („wir sind nicht Volk, wir sind Klasse!“) zusätzlich für ausgezeichnete warme Mahlzeiten. Doch nicht nur die kulinarischen Genüsse, auch der etliche Meter lange Büchertisch sorgten für viel Interesse.

Ficken im Kapitalismus

Den Auftakt machte in diesem Jahr die Veranstaltung "Ficken im Kapitalismus. Sexualmoral und die Linke". Sabine Saloschin und Eric Wegner von der RSO Wien gaben einerseits einen Überblick über die Geschichte der Sexualmoral und sprachen andererseits auch über ganz konkrete Fragen von Beziehungen, Sexualität und sexuellen Tabus. Über 90 BesucherInnen folgten dem Vortrag und beteiligten sich rege an der anschließenden – und leider viel zu kurzen – Debatte.

Im zweiten Veranstaltungsblock konnten die BesucherInnen zwischen den Veranstaltungen "Deutscher Imperialismus im Vormarsch" und "Freie Bildung – was soll das sein?" wählen.

Reges Interesse an den Vorträgen und Debatten

 

Deutscher Imperialismus

Yanik Bergmann von der RSO Berlin sprach in der ersten Veranstaltung über die Rolle Deutschlands im weltweiten Machtgefüge, wobei er sowohl die militärische wie die ökonomische Ebene beleuchtete.

In der Debatte ging es dann vor allem um die Frage der Relevanz des deutschen Imperialismus– einerseits innerhalb der EU, andererseits auch hinsichtlich seines ökonomischen Einfluss in Mittel- und Osteuropa bzw. in den Westbalkanstaaten.

Freie Bildung

In der zweiten Veranstaltung sprachen die Audimaxistin Agnes Blum, Johannes Wolf von der Unigruppe der RSO Wien sowie Mica Jovanovic von der RSO Wien, der für den erkrankten AHS-Lehrer Markus Grass eingesprungen war.

Agnes Blum sprach über die Uni-Bewegung und auch über die Forderungen der AudiMax-Bewegung und ihre Limits, Johannes Wolf analysierte die Frage von Bildung im Kapitalismus und die sogenannte "kritische Wissenschaft", Mica Jovanovic sprach als Elternteil über Erfahrungen mit dem Bildungssystem, über das System Schule, aber auch über die Rolle der Schulpflicht im Kapitalismus. In der Diskussion wurde dann vor allem über die Frage der Forderungen der AudiMax-Bewegung, aber auch über die Frage der Schulpflicht und überalternative Schulmodelle debattiert.

Die Krise ist da

Die Schlussveranstaltung am Samstag behandelte das Thema "Die Krise ist da – wie steht’s mit den Kämpfen?" Dazu hatten wir ein internationales Podium eingeladen: Stavros Skevos von der Organisation der Kommunisten-Internationalisten Griechenlands (OKDE), Valentin Preis, Unterstützer von Lutte Ouvrière (LO) aus Paris und den in Wien lebenden türkischen Marxisten Adnan Ergil.

Zu Beginn gab Maria Pachinger von der RSO Wien eine allgemeine Einschätzung der Krise und der Kampfsituation und Kampfbedingungen in Zeiten der Weltwirtschaftskrise. Stavros, Valentin und Adnan berichteten jeweils über Kämpfe in ihren Ländern, gaben aber auch selbst politische Einschätzungen ab. Stavros berichtete über die griechischen Generalstreiks, Valentin über Kämpfe in Frankreich, etwa bei Total, Continental und in der Automobilindustrie und Adnan über den Streik der Tekel-ArbeiterInnen .

Büchertisch und "Klakü" in der Roten Cafeteria

 

Red Lounge

Der Samstag Abend war dem gemütlichen Ausklang des Tages gewidmet. Die Red Lounge war wieder in einem der Säle aufgebaut, aber auch ein Teil des Hofes im Amerlinghaus wurde umfunktioniert. Und als gegen 2h die letzten BesucherInnen die Lounge verließen, hatten noch zahlreiche Gespräche, Diskussionen und Plaudereien stattgefunden …

Am Sonntag ging es um 14h weiter. Zu Beginn konnten die BesucherInnen zwischen einem Vortrag zu China und einer Debatte über linke Betriebsarbeit wählen.

China zwischen Weltmacht und sozialer Explosion

In der Veranstaltung zu China sprachen der Sinologe und Redakteur der Zeitschrift Perspektiven, Daniel Schnee sowie Stefan Horvath von der RSO Wien, Autor der Broschüre China auf dem Weg zur Weltmacht .  Daniel Schnee sprach über die Neuzusammensetzung der chinesischen ArbeiterInnenklasse und über die Klassenkampf-Situation im Land. Stefan Horvath gab eine allgemeine Einschätzung der Lage in China und sprach über die ökonomische und militärische Bedeutung des Landes.

In der Debatte wurde dann vor allem die Frage aufgeworfen, wie stark China mittlerweile einzuschätzen sei, sowohl als Regionalmacht, aber auch im Verhältnis zu den Blöcken USA, EU und Japan.

Erfahrungen linker Betriebsarbeit

In der zweiten Veranstaltung sprachen Sofia Theodoropoulou von der OKDE aus Athen, Valentin Preis, LO-Unterstützer aus Paris und Max Hofmann von der Betriebsgruppe der RSO Wien über ihre jeweilige betriebliche Praxis.

Sofia Theodoropoulou berichte über die Arbeit der OKDE, insbesondere im Gesundheitssektor, bei den LehrerInnen und in der Telekommunikationsbranche, wo die OKDE auch jeweils erfolgreiche Betriebsgewerkschaften gegründet hat. Valentin Preis versuchte eine allgemeine Einschätzung der Bedingungen für erfolgreiche Betriebsarbeit und berichtete darüber hinaus über die Arbeit von LO in verschiedenen Industriebetrieben (die LO hat in rund 400 großen Industriebetrieben eigene Betriebszeitungen). Max Hofmann gab einerseits einen Überblick über die Positionen der RSO auf Basis der „Thesen zu revolutionärer Betriebs- und Gewerkschaftsarbeit “ der RSO. Andererseits stellte er auch die Betriebsarbeit der RSO Wien vor und bezog sich dabei vor allem auf die Arbeit der RSO bei Wienstrom .

Die Linke und die Grünen

Die Schlussveranstaltung am Sonntag versprach für die über 80 BesucherInnen spannende Diskussionen. David Ellensohn, der Stadtrat der Wiener Grünen, der Kabarettist und Mitbegründer der steirischen Grünen Leo Lukas sowie Anke Hoorn von der RSO Wien versuchten jeweils, ihre Einschätzung der Grünen abzugeben.

"Die Linke und die Grünen" mit Leo Lukas und David Ellensohn

 

Anke Hoorn sprach über die Rolle der Grünen und ihre Integration in das kapitalistische System und diskutierte auch die Erfahrungen grüner Regierungsbeteiligungen. Leo Lukas, der sich zu Beginn als sowohl mit den Grünen wie mit der RSO sympathisierend vorstellen ließ, sprach zuerst über seine biographischen Erfahrungen um dann als Schlussfolgerung daraus zu erklären, dass er mit dem Alter immer linker würde und seine Programme auch auf marxistischen Analysen basierten.

David Ellensohn, seit 2004 der Stadtrat der Wiener Grünen und Vertreter des linken Parteiflügels, meinte zu Beginn dass es langweilig würde, wenn er jetzt nur die positiven Seite der Grünen aufzählte, er wolle daher ebenfalls den Finger auf wunde Punkte legen. Er sprach dann ebenfalls über grüne Regierungsbeteiligungen, über unterschiedliche Positionierungen innerhalb der Grünen und über seine Motivation, sich bei den Grünen zu engagieren.

In der Debatte wurde dann vor allem über die Frage diskutiert, ob das bekannte „kleinere Übel“ eher die Betonung „kleiner“ oder eher das Hervorstreichen des„Übels“ verdient. Viele BesucherInnen sprachen dann in ihren Wortmeldungen auch von ihrer früheren Sympathie für die Grünen und ihrer heutige eher desillusionierte Sicht auf ihre „grüne Phase“.

Aber in der breit gefächerten Diskussion wurden auch andere Fragen angeschnitten: etwa die Medienabhängigkeit der Grünen durch ihre geringe AktivistInnenbasis, die soziale Zusammensetzung der Partei und ihre Orientierung auf hauptsächlich bildungsbürgerliche Schichten sowie ganz grundsätzlich sowohl die Frage der Perspektiven linksreformistischer Projekte (und ihre Probleme, wenn die WählerInnen dann sehen, dass diese auch bald in bekannte politische Muster verfallen) wie auch die Frage der so genannten Sachzwänge als Folge einer Politik, die die Systemgrenzen nicht sprengen möchte.

Und nun?

Für viele BesucherInnen waren die Sozialismus-Tage ihr erster persönlicher Kontakt mit der RSO. Andere, die wir in den letzten Monaten vor allem über unsere Arbeit in der Bildungsbewegung kennen gelernt hatten, spielten bereits eine wichtige Rolle dabei, die Sozialismus-Tage erfolgreich durchzuführen.

Die im Verhältnis zum Vorjahr um 50% gestiegene Teilnahme an den Sozialismus-Tagen zeigt aber auch ein wachsendes Interesse für sozialistische Ideen. Viele suchen heute nach Alternativen und fragen sich, ob der Kapitalismus wirklich der Weisheit letzter Schluss sei. Eine Besucherin etwa erzählte, dass sie in den letzten Monaten begonnen hatte, sozialistische Literatur zu lesen und da die Sozialismus-Tage gerade rechtzeitig gekommen wären. 

Doch viele, die kommen wollten, haben es aus dem einen oder anderen Grund dieses Jahr nicht geschafft, an den Sozialismus-Tagen teilzunehmen. Aber warum ein Jahr warten, um die RSO kennen zu lernen? Wir freuen uns immer über ein persönliches Gespräch – reden wir darüber, wie wir die Welt verändern können!

 

Kontakt aufnehmen!!

 

Zum Weiterlesen:

Bericht von den Sozialismus-Tagen ´09 in Wien

 

 

 

 

 

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