Genf: Streiken lohnt sich!

Mit einem erfolgreichen Streik läuteten die KollegInnen von Swissport und Dnata am Flughafen Genf das neue Jahr ein.

Am Flughafen Genf geht es in der Konkurrenz um das Dienstleistungsgeschäft hart zur Sache. Die ehemalige Swissair-Tochter Swissport, nun im Besitz des spanischen Bau- und Dienstleistungsunternehmen Ferrovial, konkurriert mit Dnata, einer ehemaligen Tochter von Jet Aviation, die heute zur Emirates Gruppe gehört. Es geht dabei um Dienstleistungen im Groundhandling (Einchecken von Passagieren und Gepäck, Transport von Gepäckstücken, Dienste auf der Piste etc.). Die beiden Unternehmen buhlen um einen Markt, der einen geringen Liberalisierungsgrad aufweist und daher wenig Spielraum für Expansion bietet. Alle paar Jahre müssen sie sich neu für die Lizenzen bewerben.

Die Flughafengesellschaft Aéroport International de Genève (AIG) versucht seit Jahren, die Kosten der Dienstleistungen im Groundhandling zu senken und offeriert den Fluggesellschaften immer tiefere Preise. Wie im Dienstleistungsbereich üblich, machen die Saläre rund 65% der Kosten aus. Für den Konkurrenzkampf der beiden Firmen "bezahlten" folglich die Angestellten: 3.546 Franken Monatslohn für einen Vollzeitjob mit Nacht- und Wochenendschichten im teuren Genf (ein Lohn, der noch unter dem Durchschnittslohn im ohnehin am schlechtesten bezahlten Dienstleistungssektor liegt), Einbehaltung von 20% des Lohns ab dem ersten Krankheitstag und immer mehr Arbeit verteilt auf immer weniger Leute… Überdies lief per Ende 2009 der Gesamtarbeitsvertrag der Swissport-Angestellten ersatzlos aus – alle Verhandlungen über einen neuen waren gescheitert. Der GAV der Dnata-Angestellten hingegen konnte nicht auslaufen – wo nichts ist, kann auch nichts auslaufen…

Es reicht- für erträgliche Arbeitsbedingungen!

Diese Entwicklung wollten 150 Angestellte von Dnata und Swissport nicht länger hinnehmen und entschieden sich, gemeinsam die Arbeit niederzulegen, um für bessere Arbeitsbedingungen zu kämpfen. Dabei forderten die Streikenden einen starken GAV, eine Lohnerhöhung für 2010, eine Aufwertung der irregulären Arbeit und die Abschaffung der Lohneinbussen im Krankheitsfall.

Schon am zweiten Streiktag konnten die Streikenden einen Teilerfolg erzielen: Die Firma Dnata offerierte ihren Angestellten nicht nur eine Lohnerhöhung und eine bessere Entschädigung der Nachtarbeit, sondern versprach auch, Verhandlungen über einen GAV aufzunehmen. Dieses Angebot überzeugte die Dnata-Angestellten und sie nahmen die Arbeit wieder auf. Ihre KollegInnen von Swissport hingegen setzten den Streik fort – Swissport war den Angestellten bislang keinen Schritt entgegen gekommen…

Angriffe vs. Solidarität

Mit verschiedenen Mitteln versuchten AIG und Swissport die Streikenden an die Arbeit zurück zu bringen: Feuerwehrleute und MitarbeiterInnen von Swissport des Flughafens Zürich wurden in Genf zur Arbeit eingesetzt. Die AIG verbreitete die Falschinformation, dass sich überhaupt nur sieben Angestellte am Streik beteiligen würden (rund 70 Angestellte von Swissport blieben im Streik) und die Polizei schreckte selbst vor physischen Angriffen gegen Streikposten und Gewerkschaftsvertreter nicht zurück. Die Swissport-Angestellten liessen sich aber nicht einschüchtern, sondern hielten an ihren Forderungen und der Arbeitsniederlegung fest. Angebote von Swissport, die nur minimale Verbesserungen beinhalteten, wurden ausgeschlagen. Kleinere Verspätungen im Flugverkehr und Verzögerungen in der Gepäckabfertigung konnten AIG und Swissport nicht verhindern…

Breite Solidarität erfuhren die Streikenden bei einer Demonstration durch Genf und in Internetforen; auch unterschrieben Hunderte innert weniger Stunden eine online gestellte Solidaritätserklärung. Indem sie ihre Arbeit selbst für über eine Stunde niederlegten, solidarisierten sich 40 PistenarbeiterInnen mit den Streikenden, um mit den Streikenden die aktuelle Situation und mögliche Lösungsansätze zu diskutieren.

Der Kampf hat sich gelohnt!

Nach elf Tagen unterbreitete Swissport schliesslich ein für die Streikenden akzeptables Angebot: Aufhebung der "Bestrafung" von Krankheit, eine Lohnerhöhung von 40 Franken und einer Extraprämie von 100 Franken sowie eine bessere Entlöhnung von Nacht- und Sonntagsarbeit.

In erster Linie positiv hervorzuheben ist, dass sich die Angestellten der beiden Firmen nicht länger gegeneinander ausspielen liessen, sondern gemeinsam für eine Verbesserung ihrer Arbeitsbedingungen eintraten. Auch Solidarität – wie sie die PistenarbeiterInnen zeigten – ist zentral für einen erfolgreichen Arbeitskampf. Eine Ausweitung auf weitere Standorte darf nach Möglichkeit nicht versäumt werden – zuerst aber dürfen sich die Swissport-Angestellten des Flughafen Zürichs nicht gegen ihre KollegInnen ausspielen lassen. Seit einem Jahr arbeiten auch sie unter einem neuen, verschlechterten GAV, der bei Inkraftsetzung massiv kritisiert wurde…

Obwohl der Streik in erster Linie ein Defensivkampf war, so war er doch sehr erfolgreich! Dies zeigt, dass Angriffe, wie sie im Zuge der Wirtschaftskrise erfolgen und noch häufiger erfolgen werden, nicht als Naturgegebenheiten hingenommen werden müssen, sondern  mit Erfolg gegen sie gekämpft werden kann.

 

 

 

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