Es brennt im Kindergarten!

Bis zu 2000 KollegInnen nahmen heute in Wien an der Demonstration für bessere Arbeitsbedingungen in den Kindergärten teil. Die Stimmung war laut und kämpferisch …

„Ich bin mit der Gesamtsituation unzufrieden“, „Es reicht“, „Mehr Geld, mehr Personal“ und andere Slogans waren am 17.10. auf der Demonstration der Wiener KindergärnterInnen zu lesen. Viele selbst gemachte Transparente und Schilder prägten die Demonstration, es wurde gepfiffen und getrötet – vor allem die Reden, die radikale Veränderungen forderten, bekamen viel Applaus. Und auch die Flugblätter der RSO unter dem Titel „Es brennt im Kindergarten“ fanden breite Zustimmung.

So kann es nicht weiter gehen!

Worum geht es im aktuellen Konflikt? Die Arbeitsbedingungen in Wiens Kindergärten sind bereits jetzt indiskutabel. 25 Kinder sind pro Gruppe zu betreuen, oft von nur einer Kindergartenpädagogin. Es gibt viel zu wenig Vorbereitungszeiten und die Arbeit, die rund um die Gruppenbetreuung zu tun ist (Dokumentation, Entwicklungsgespräche, Information über Angebote im Kindergarten, …) steigt immer mehr. Nun kommen noch zusätzlich der Gratiskindergarten und das verpflichtende Kindergartenjahr. Das sind sinnvolle Maßnahmen, doch sind sie offensichtlich unzureichend vorbereitet, weil die Wiener SPÖ noch vor dem Wahljahr 2010 Erfolge zeigen möchte – nachdem zuvor jahrelang wichtige Entwicklungen verzögert wurden.

Für die KollegInnen bedeutet das also jetzt, dass mit einer unzureichenden Personaldecke und bei nicht ausreichenden Raumressourcen die Vorgaben der Gemeinde Wien umgesetzt werden müssen. Alle neuen Maßnahmen werden also schlicht auf dem Rücken der betroffenen KollegInnen ausgetragen.

Bereits im Juni 2009 war es zu ersten Protestaktionen gekommen. Die Plattform „Kollektiv Kindergartenaufstand“ hatte dazu aufgerufen, mit einem Flashmob im Wiener Museumsquartier den eigenen Unmut zu zeigen. Rund 200 anwesende KollegInnen übertrafen die Erwartungen der OrganisatorInnen deutlich. Und bereits damals wurde für eine große Demonstration im Herbst geplant, die Tina Botka vom Kollektiv im RSO-Interview auch bereits ankündigte.

Rolle der Gewerkschaft

Die Führung der sozialdemokratisch dominierten Gewerkschaft der Gemeindebediensteten (GdG), die in Wien real die Politik der Stadtregierung umsetzt und verteidigt, verschließt sich den Anliegen der KollegInnen. GdG-Boss Meidlinger hat sogar öffentlich erklärt, dass er die Anliegen der KollegInnen nicht unterstützt. Teile der ebenfalls SP-dominierten Privatangestellten-Gewerkschaft GPA hingegen sind jetzt bereits auf den Zug aufgesprungen.

Viel wichtiger ist aber ein anderer Umstand: Diese Demonstration ist nicht nur ein wichtiger Schritt, um gegen die Missstände zu demonstrieren. Sie zeigte auch, wie effektiv eine Organisierung von KollegInnen der Basis sein kann.

Wichtig ist nun natürlich, dass die Energie nicht verpufft. Die nächste Demonstration sollte nicht am Samstag Nachmittag stattfinden – wie auch die KollegInnen eines Wiener Kindergartens auf ihrem Transparent forderten – sondern unter der Woche und somit so, dass der Betrieb gestört wird. Gerade im Sozial- und Bildungswesen sind Streiks zwar verpönt. Die Argumentation: das wird auf dem Rücken der Kinder ausgetragen. Doch so kann es nicht weitergehen. Die KollegInnen sind nicht für diese Misere verantwortlich, sondern ein Staat, der nicht ausreichend Mittel zur Verfügung stellt.

Und dass es möglich ist, zu streiken, zeigten zehntausenden KollegInnen der deutschen Kindertagesstätten, die sich im Frühjahr an Streiks beteiligten. Wichtig ist ebenfalls, dass die KollegInnen sich weiter unabhängig von der Gewerkschaftsführung vernetzten und organisieren. Nicht nur als KindergartenpädagogInnen, sondern auch gemeinsam mit kritischen KollegInnen aus anderen Betrieben und Branchen.

Wir als RSO bieten dabei unsere Hilfe und Unterstützung an. Wenn Du mehr darüber wissen willst, melde Dich bei uns! 

Kontakt: rso@sozialismus.net oder über das Kontaktformular

 

Zum Weiterlesen:

Flugblatt der RSO beim Flashmob des Kollektivs Kindergartenaufstand (Juni 2009) 

„Wir brauchen Druck von der Straße!“ Interview mit Tina Botka vom Kollektiv Kindergartenaufstand (Juni 2009)

Leserinnenbrief einer Kindergärtnerin (August 2009)


 

 

 

 

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