Generalstreik auf Guadeloupe: Warum sich kämpfen doch lohnt

Auf der französischen Karibikinsel Guadeloupe hat ein sechswöchiger Generalstreik massive Verbesserungen für die Bevölkerung erkämpft. Trotz internationaler Wirtschaftskrise und Repression der Regierung hat der radikale Kampf der ArbeiterInnen die Regierung zur Zustimmung zu ihren Forderungen gezwungen.

Die Insel Guadeloupe gehört zu den französischen Antillen. Auf ihr leben 450.000 Menschen, ein großer Teil davon ist arbeitslos und lebt in Armut. Die Preise für lebenswichtige Produkte sind wesentlich höher als am französischen Festland, die Löhne allerdings deutlich niedriger. In den letzten Monaten kamen massive Preissteigerungen dazu, die sich die ArbeiterInnen auf Guadeloupe nicht mehr gefallen lassen wollten.

Es wurden Forderungen nach Preissenkungen für Grundnahrungsmittel, Benzin, Transporte, Mieten und Dienstleistungen sowie einer Lohnerhöhung von 200 Euro für niedrige Löhne aufgestellt. Um den Forderungen Nachdruck zu verleihen wurde ein Generalstreik ausgerufen, an dem sich circa 40 000 ArbeiterInnen beteiligten und der die volle Solidarität der verarmten Bevölkerung erhielt.

Viele Betriebe wurden bestreikt und von Streikposten blockiert, Tankstellen, Schulen und Geschäfte geschlossen, der Müll blieb liegen. Hafen und Flughafen wurden nur für Notversorgungsgüter geöffnet. Die streikenden ArbeiterInnen übernahmen die Kontrolle über die Wasser- und Stromversorgung. Die Versorgung der Bevölkerung wurde teilweise vom Streikkomitee organisiert.

Der Streik ging natürlich nicht ohne Widerstand von statten. UnternehmerInnen haben versucht unter Schutz der Polizei mit LeiharbeiterInnen ihre Geschäfte und Betriebe wieder zu öffnen, die Streikposten konnten das aber verhindern. Auch die französische Regierung versuchte aus Angst, der Streik könnte sich auf das Festland ausweiten, den Streik zu unterdrücken. So wurden etwa Polizeieinheiten vom Festland nach Guadeloupe verlegt. Trotzdem hat sich der Streik auf die französische Nachbarinsel Martinique ausgeweitet.

Ein Element der Breite des Streiks war auch, dass die herrschende Klasse, die Regierung und die UnternehmerInnen, auf Guadeloupe besonders verhasst ist, da sie stark aus Nachkommen der früheren SklavInnenhalter bzw. französischer EinwandererInnen besteht, während die schwarze Mehrheit der Bevölkerung die ArbeiterInnenklasse und die ärmsten Schichten darstellt.

Die Organisation des Streiks wurde von der Dachorganisation „Kollektiv gegen die Ausbeutung“ (LKP) durchgeführt, die rund 50 Gewerkschaften, politische und kulturelle Organisationen vereinte. Zu den einflussreichsten Gruppierungen in der LKP gehörte die Gewerkschaft CGTG, deren Vorsitzender ein trotzkistischer Aktivist von Combat Ouvriere (Schwesterorganisation der französischen Lutte Ouvriere) ist. Die Bevölkerung unterstützte die LKP und zeigte durch die Teilnahme an Demonstrationen ihre Solidarität. Bis zu 65.000 Menschen sammelten sich zu einer Großdemonstration in der Inselhauptstadt.

Der Streik konnte dadurch gewonnen werden, dass sich die LKP nicht von der Regierung einschüchtern ließ und nicht auf die Heuchelei der UnternehmerInnen hereinfiel, die versuchten die Wirtschaftskrise auf dem Rücken der Beschäftigten auszutragen. Stattdessen wurde die Bewegung vorangetrieben, zu stärkeren Protesten aufgerufen und der Druck erhöht.

Letztendlich wurde die Regierung zum Nachgeben gezwungen. Erkämpft wurden 200 Euro mehr Lohn,  Preissenkungen für viele Artikel des täglichen Bedarfs, eine Rücknahme der Mieterhöhungen und die Einstellung neuer LehrerInnen.

Der Generalstreik hat aber nicht nur zu konkreten Verbesserungen für große Teile der Bevölkerung geführt, er diente auch als Beispiel für die ArbeiterInnen am französischen Festland, deren Antwort einer der breitesten Generalstreiks der vergangenen Jahre war. Die ArbeiterInnen von Guadeloupe gehen aber auch als Beispiel für die ArbeiterInnen aller anderen Länder voran. Sie haben gezeigt, dass es auch während der Wirtschaftskrise, oder gerade jetzt, möglich ist, durch konsequenten Kampf Verbesserungen zu erkämpfen.

Lasst uns daran anknüpfen und am internationalen Aktionstag am 28. März ein Zeichen setzen – durch eine breite Beteiligung an der Demonstration wenn es heißt: „Wir zahlen nicht für Eure Krise!“

 

 

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