Thesen der AGM-Jugend

Kommt es zu Protestbewegungen und Demonstrationen gegen das herrschende System, spielen junge Menschen fast immer eine zentrale Rolle. Das hängt nicht zuletzt damit zusammen, dass Jugendliche weniger bereit sind kapitalistische Schweinereien zu akzeptieren als ältere Menschen, die durch jahrzehntelange Ausbeutung oft schon resigniert haben. Diese spontanen Kämpfe gegen das System verpuffen jedoch oft, da sie zwar mit viel Energie aber ohne längerfristige Perspektive geführt werden. Die Protestbereitschaft nimmt aufgrund nicht eintretender Erfolge zunehmend ab und viele Jugendliche verlieren die Hoffnung auf einen Erfolg ihrer Kämpfe. Um das zu verhindern, muss den spontanen Protesten eine längerfristige Kampfperspektive in einer revolutionären Organisation gegeben werden. Eine theoretische Analyse des Kapitalismus ist notwendig um daraus die richtigen Schlussfolgerungen in der Praxis ziehen zu können. Schließlich gilt es „das System“ zu kennen, um es auch effektiv bekämpfen zu können.

 

I. Grundlegende Positionen
 

1) Klassengesellschaft

Anders als uns die bürgerliche Propaganda so gern weiß machen möchte, setzt sich unsere Gesellschaft nicht aus freien Individuen zusammen, die sich nach ihrem Willen und ihren Bedürfnissen entsprechend entfalten können. Vielmehr existieren im Kapitalismus zwei Klassen, die in einem gegensätzlichen Verhältnis zueinander stehen: Die ArbeiterInnenklasse und die KapitalistInnenklasse. Die KapitalistInnen als Besitzer der Produktionsmittel können nur deshalb bestehen, weil sie die ArbeiterInnen ausbeuten. Es gibt keine guten und bösen, sozialen und unsozialen UnternehmerInnen. Ausbeutung ist in diesem Sinne nichts Moralisches, sondern eine Lebensnotwendigkeit für die KapitalistInnen. KeinE KapitalistIn kann sich der Logik des kapitalistischen Systems entziehen. Nur durch die Ausbeutung der ArbeiterInnen können UnternehmerInnen Profite machen.

 

Das Ausbeutungsverhältnis zwischen KapitalistInnen und ArbeiterInnen ist freilich kein offenes Zwangsverhältnis wie Leibeigenschaft oder Sklaverei. Die ArbeiterInnen leisten scheinbar freiwillig Lohnarbeit, das Geschick des/der Einzelnen bestimmt angeblich über den sozialen Status – formal haben alle „Bürger“ gleiche Rechte und Möglichkeiten. Verdeckt bleibt dabei, dass der/die ArbeiterIn in Wirklichkeit keine Wahl hat und er/sie dieses Verhältnis eingehen muss, um überleben zu können.

 

Die ArbeiterInnen nehmen allerdings nicht nur die Rolle der Ausgebeuteten ein. Bedingt durch ihre Stellung im Produktionsprozess stellen sie die eigentlichen WertproduzentInnen in unserer Gesellschaft dar. Sie sitzen an den Schalthebeln der Produktion, ohne sie würde die gesamte kapitalistische Produktion und der Austausch der Waren nicht funktionieren –  das macht sie auch zu den möglichen TrägerInnen einer antikapitalistischen Revolution und einer sozialistischen Gesellschaft. Die ArbeiterInnenklasse muss sich dieser Möglichkeit bewusst werden (von der Klasse an sich zur Klasse für sich werden). Dafür braucht es nicht nur theoretische Einsichten, sondern auch konkrete Erfahrungen im Klassenkampf.

 

Die ideologische Propaganda der herrschenden Klasse ist dazu da, um diesen Bewusstwerdungsprozess zu verhindern. Bei vielen ArbeiterInnen fallen diese Bemühungen auf fruchtbaren Boden, sie fühlen sich nicht als ArbeiterInnen – sehen sich als Angestellte oder Selbständige – und  bestreiten oft sogar die Existenz der ArbeiterInnenklasse. Als HacklerInnen gelten in dieser Logik nur all jene, die sich bei der Arbeit „die Hände schmutzig machen“, wie IndustriearbeiterInnen, ArbeiterInnen am Bau etc. und diese Gruppe soll angeblich in der „neuen Dienstleistungsökonomie“ und „Wissensgesellschaft“ nur mehr eine Nebenrolle spielen. Dem ist entgegenzuhalten, dass auch „saubere“ Jobs, wie jene von VerkäuferInnen,  SekretärInnen, EDV-SpezialistInnen etc. nichts anderes als Lohnarbeit sind. Dass die ArbeiterInnenklasse uneinheitlich zusammengesetzt und einem ständigen Wandel unterliegt, ist auch nichts Neues. Eine solche ständige Veränderung findet seit der Herausbildung des kapitalistischen Produktionssystems statt.

 

2) Kapitalistischer Staat

 

Das kapitalistische System stellt nicht nur ein besonderes ökonomisches Produktionssystem dar, sondern gleichzeitig immer auch eine politische Herrschaftsform. Um die Aufrechterhaltung der kapitalistischen Ausbeutungsverhältnisse zu garantieren,  hat sich die herrschende Klasse einen eigenen Apparat geschaffen: den bürgerlichen Staat. Dieser hat die Voraussetzungen für ein reibungsloses Funktionieren der Ausbeutung zu schaffen, wie das Vorhandensein einer entsprechenden Infrastruktur, der nötigen rechtlichen Grundlagen und eines geeigneten Arbeitskräftereservoirs, das genügend qualifiziert und diszipliniert ist.

 

Hinter dem Deckmantel des scheinbar demokratisch handelnden, für das Allgemeinwohl  sorgenden Staates steckt eine besondere Formation bewaffneter Menschen. Im Kern besteht der Staat aus Polizei, Militär und Justiz, im weiteren Sinne aus einer ideologischen Maschinerie, die Medien und Ausbildung kontrolliert. Sobald sich in der Geschichte eine Klassengesellschaft herausgebildet hat, hat es auch eine Art Staatsapparat gegeben. In der modernen kapitalistischen Gesellschaft hat der Staat die Form des Nationalstaats angenommen, weil dieser die optimalen Ausbeutungsbedingungen für den Kapitalismus geboten hat. Welche konkrete Form der Staat nun aber annimmt, hängt von der konkreten Ausbeutungssituation und der Stärke der ArbeiterInnenklasse ab. Abhängig vom Ausmaß des ökonomischen und politischen Spielraums der herrschenden Klasse stützt sich diese auf die jeweils „passende“ Herrschaftsform, deren Spektrum vom bürgerlich „demokratischen“ Staat, wie wir ihn in Westeuropa heute kennen, bis hin zur faschistischen Diktatur reicht.

 

3) Imperialismus

 

Die kapitalistische Produktionsweise hat eine enorme Entwicklung der Produktivkräfte mit sich gebracht. Der technische Fortschritt, der eine massive Entlastung für die Mehrheit der Menschen bringen könnte, wendet sich unter marktwirtschaftlichen Bedingungen gegen uns. Millionen Menschen hungern und gleichzeitig werden tonnenweise Lebensmittel vernichtet – nur damit der Preis stabil bleibt. Neue Maschinen führen zu massenweisen Entlassungen und verschlechterten Arbeitsbedingungen anstatt  zu einer Verkürzung der Arbeitszeit und verbesserten Arbeitsverhältnissen. Die Produktion richtet sich nicht nach den Bedürfnissen der Menschen, sondern allein nach dem Streben nach möglichst großen Profiten. Es wird in einem mörderischen Konkurrenzsystem und ohne jede gesamtgesellschaftliche längerfristige Planung für einen freien Markt produziert – mit dem Ergebnis, dass ein Teil dieser Produkte von einer Minderheit angeeignet werden und ein anderer Teil davon einfach liegen bleibt und dann wieder beseitigt werden muss. Diese Ressourcenverschwendung geht nicht zuletzt auch zu Lasten des Ökosystems.   

 

Der Expansionsdrang des Kapitalismus führte zur Aneignung und Unterordnung vieler Länder und schließlich zur Aufteilung der Welt unter den fortgeschrittenen Industrienationen. Ein Kennzeichen des imperialistischen Stadiums des Kapitalismus war die Verschmelzung des Industrie- mit dem Bankkapital zum Finanzkapital. Kapitalexporte gewannen auf Kosten von Warenexporten an Bedeutung.  Dass diese Entwicklung alles andere als reibungslos vor sich gegangen ist, ist auf die dem Kapitalismus anhaftenden Widersprüche zurückzuführen. Die KapitalistInnen produzieren nicht nur mehr als sie verkaufen können, sie häufen auch soviel Kapital an, dass sie es nicht mehr profitabel anlegen können. Ein Ausweg, um sinkenden Profitraten und letztlich Wirtschaftskrisen und Kapitalvernichtung entgegen zu wirken, liegt für sie in der Ausbeutung industriell weniger fortgeschrittener Länder. Da der Planet Erde begrenzt ist, führte diese Strategie der Krisenbewältigung zu Konflikten zwischen den imperialistischen Großmächten. Zwei imperialistische Weltkriege im 20. Jahrhundert waren das Ergebnis dessen. Seitens der halbkolonialen Länder – die zwar formal unabhängig sind, de facto aber unter der Knute der imperialistischen Länder stehen – gab und gibt es Widerstand, zumeist in Form von nationalen Befreiungskämpfen. Dieser ökonomischen Abhängigkeit zu entgehen ist im Rahmen des Kapitalismus aufgrund des Drucks des internationalen Finanzkapitals bzw. dessen Vertreter IWF, WTO und Weltbank jedoch schwer möglich.

 

4) Soziale Unterdrückung – Nationalismus, Rassismus, Sexismus

 

Nationalismus und Rassismus spielen eine zentrale Rolle für die Absicherung der kapitalistischen Herrschaft.  Ihre „moderne“ systematische Form haben sie erst mit dem Kapitalismus bekommen. Sie spalten ArbeiterInnen in In- und AusländerInnen und bewirken, dass sich ArbeiterInnen mit „ihrer“ nationalen Bourgeoisie mehr identifizieren als mit ihren Klassenbrüdern und –schwestern aus anderen Ländern.  Für die Bourgeoisie ist diese Spaltung von enormer Bedeutung: Sie schwächt die Kampfkraft der zahlenmäßig so überlegenen ArbeiterInnenklasse. Für die ArbeiterInnen ist sie freilich Gift. Sie können so lange nicht frei werden, so lange sie mithelfen andere Menschen zu unterdrücken – und das tun sie, wenn sie das rassistische Spiel der Herrschenden mitspielen.

 

Frauen und Männer werden von klein auf darauf vorbereitet, welche Rolle sie zukünftig in der Gesellschaft zu spielen haben. Sie werden funktionsfähig für eine Gesellschaft gemacht, in der Sexismus und Frauenunterdrückung auf der Tagesordnung stehen. Frauen werden selbst durch Erziehung und sozialem Druck zur Akzeptanz ihrer eigenen Unterdrückung gebracht. Es entsteht der Eindruck, dass Frauen von Natur aus zurückhaltend, harmonisch, gefühlsbetont etc. sind und sich gern den Bedürfnissen der Männer unterordnen. Umgekehrt scheint es in der „männlichen Natur“ zu liegen aggressiver und bestimmender zu sein, rationaler zu denken etc.  

 

Die Spaltung der Bevölkerung in Männer und Frauen stellt ein Kernelement in der kapitalistischen Herrschaft dar. Durch die geschlechtliche Arbeitsteilung ist es möglich geworden, Frauen zu unbezahlten Haussklavinnen und überausgebeuteten Lohnarbeiterinnen zu machen. Indem die Mehrheit der Frauen die Hausarbeit außerhalb der kapitalistischen Lohnarbeitsverhältnisse unentgeltlich erledigen, ersparen sie den KapitalistInnen einen Haufen Geld. Am „freien Arbeitsmarkt“  dienen Frauen dem Kapital als „industrielle Reservearmee“, die bei Bedarf und als Mittel zum Lohndruck eingesetzt werden kann. Bedeutend ist auch die ideologische Funktion von Sexismus und Frauenunterdrückung: Die Spaltung der ausgebeuteten Klasse nach Geschlechtern schwächt ihre Kampfkraft enorm. Indem Arbeiter Sexismus und Frauenunterdrückung akzeptieren und für ihre eigenen Interessen einsetzen, machen sie sich selbst zu Unterdrückern und verunmöglichen damit auch ihre eigene Befreiung. Der Kampf gegen Rassismus, Nationalismus und Sexismus ist ein zentraler Bestandteil des internationalen Befreiungskampfes der ArbeiterInnenklasse.

 

6) Revolution

 

Das kapitalistische System wird uns weder den Gefallen machen, von selbst zusammenzubrechen, noch wird die herrschende Klasse freiwillig dazu bereit sein ihre Herrschaft und ihre Reichtümer an die große Mehrheit der Bevölkerung abzugeben. Die herrschende Klasse will nicht nur den Kreislauf des kapitalistischen Konkurrenzsystems und die Ausbeutung nicht durchbrechen – sie kann es auch nicht.

Reformen innerhalb des Systems können dessen zerstörerischen Auswirkungen teilweise mildern, die Grundlage für Ausbeutung und Unterdrückung wird dadurch aber nicht angetastet. Um die herrschende Ordnung umwälzen zu können, braucht es eine Revolution, die von der ArbeiterInnenklasse, unterstützt von anderen ausgebeuteten Schichten, getragen wird. Die ArbeiterInnenklasse hat nicht nur an sich das Interesse das kapitalistische Ausbeutungsverhältnis zu zerschlagen, sondern aufgrund ihrer Stellung im Produktionsprozess auch die Möglichkeit ein alternatives Gesellschaftssystem auf der Grundlage einer gesellschaftlich organisierten Produktion aufzubauen. Eine Revolution wird nicht gewaltfrei vor sich gehen, sie wird jedoch umso unblutiger sein, je besser die ArbeiterInnenklasse und vor allem die revolutionären Kräfte auf eine gewaltsame Auseinandersetzung mit den Unterdrückungsinstrumenten der herrschenden Klasse vorbereitet sind. Dazu braucht die ArbeiterInnenklasse ihre eigenen Organisationsstrukturen: (1) Eine revolutionäre Organisation, die in der Regel schon vor der Revolution bestanden haben wird, die die bewusstesten Teile der Klasse organisiert und die der Revolution eine politische Perspektive geben kann. (2) Räte oder ArbeiterInnenkomitees, die nicht eine willkürliche Erfindung von irgendwelchen Revolutionären sind, sondern die in jeder proletarischen Revolution „natürlich“ aus den unmittelbaren Erfordernissen des Klassenkampfs entstehen (wie historisch in der Pariser Commune 1871 und in der Russischen Revolution 1917), die die Mehrheit der ArbeiterInnenklasse umfassen, die den Kampf auf betrieblicher oder lokaler Ebene organisieren, in denen die ArbeiterInnen demokratisch über die weiteren Kampfmaßnahmen entscheiden und die regional und national (und wo immer möglich international) miteinander verbunden sind. (3) ArbeiterInnenmilizen, die den Räten untergeordnet sind und die sich aus der unmittelbaren Notwendigkeit zur Verteidigung der Demonstrationen und Streiks, der Fabriken und Stadtteile und schließlich der Revolution gegen reaktionäre Übergriffe ergeben.

 

Die bürokratische Beschaffenheit und der Klassencharakter des kapitalistischen Staatsapparats verunmöglicht dessen Einsatz in einer nachkapitalistischen Gesellschaft. Im Zuge einer sozialistischen Revolution muss dieser daher zerschlagen und durch einen proletarischen Halbstaat ersetzt werden, welcher der ständigen Kontrolle der ArbeiterInnenklasse unterliegt. Diese Diktatur des Proletariats stellt nur ein Übergangsphänomen dar, das, sobald die Revolution international ausgeweitet und stabilisiert und damit nicht mehr durch die Angriffe der Konterrevolution bedroht ist, seine Existenzberechtigung verliert. In dem Maß, wie die meisten Güter ihren Warencharakter verlieren, der Mangel zurückgedrängt und entsprechend den menschlichen Bedürfnissen produziert werden kann, ist auch keine Diktatur des Proletariats mehr notwendig.

 

7) Stalinismus

 

Der Sozialismus, den wir anstreben, hat nichts mit dem realen Sozialismus zu tun, wie er in den stalinistischen Ländern bis 1989 („Ostblockstaaten“) bzw. 1991 (ehemalige Sowjetunion) existiert hat. Die (wie wir sagen) degenerierten ArbeiterInnenstaaten  waren eine total bürokratisierte Herrschaftsform. Auf der ökonomischen Ebene sind zwar in Kernbereichen die Marktgesetze ausgeschaltet und damit nachkapitalistische Produktionsverhältnisse eingesetzt worden, was einen Fortschritt gegenüber dem Kapitalismus darstellte. Aber diese funktionierten nicht auf Basis einer demokratischen Kontrolle der ArbeiterInnen, sondern auf der Grundlage der Interessen der Bürokratie. Generell gab es einen abgehobenen bürokratischen Staatsapparat, dessen Organe gegenüber der Bevölkerung nicht rechenschaftspflichtig und auch nicht abwählbar waren.

 

Dass der nach der Oktoberrevolution 1917 noch junge ArbeiterInnenstaat Sowjetunion diesen Degenerationsprozess durchmachen musste, hat nichts damit zu tun, dass die Menschen nicht reif und fähig für die Errichtung einer sozialistischen Gesellschaft gewesen wären oder überhaupt nicht sein können. Vielmehr muss man/frau die historischen Umstände begreifen, denen die frühe Sowjetunion ausgesetzt war. Nach der erfolgreichen Revolution zwang die einst herrschende Klasse in Russland die Sowjetunion in einen dreijährigen blutigen Bürgerkrieg. Gemeinsam mit der internationalen KapitalistInnenklasse versuchte sie die Sowjetunion militärisch und ökonomisch in die Knie zu zwingen. Trotz des übermächtigen Gegeners gelang es den Bolschewiki und der von Trotzki geführten Roten Armee aufgrund der Unterstützung durch die ArbeiterInnen und Bauern/Bäurinnen und nicht zuletzt auch auf grund einer Solidaritätsbewegung in der internationalen ArbeiterInnenbewegung die Konterrevolution zu besiegen. 

 

Der militärische Sieg der Bolschewiki war jedoch auf der politischen Ebene von fatalen Entwicklungen begleitet. (1) Der durch den Bürgerkrieg bedingte ökonomische Notstand und die Kriegswirren erforderten eine zentralisierte autoritäre Leitung, um die Grundversorgung in der Bevölkerung nur irgendwie aufrecht erhalten zu können. Der Kriegskommunismus war für die Schaffung und Stabilisierung einer umfassenden Rätedemokratie natürlich nicht gerade förderlich.  (2) Gemeinsam mit der Tatsache, dass die politisch aktivsten ArbeiterInnen in die Rote Armee gingen bzw. im Kampf ihr Leben lassen mussten, begünstigte er die später einsetzende Bürokratisierung der jungen ArbeiterInnenrepublik. Das in der Notsituation ursprünglich als vorübergehende Maßnahme eingesetzte politische Fraktionsverbot trug dazu ebenfalls bei. (3) Die internationale Isolierung durch das Scheitern der Weltrevolution (die ja von Beginn an als Voraussetzung für eine positive Entwicklung der Sowjetunion betrachtet worden war) kombiniert mit der Rückständigkeit der eigenen Produktivkräfte führte dazu, dass sich die Bürokratie Mitte der 20er Jahre endgültig durchsetzen konnte.

 

8) Sozialismus

 

 Unter Sozialismus verstehen wir eine Gesellschaft, in der es keine Klassen gibt, in der sich nicht eine Minderheit der Menschen auf Kosten der Mehrheit bereichern kann. Das bedeutet auch, dass die Produktion auf die Bedürfnisse der Menschen ausgerichtet ist und nicht wie im Kapitalismus auf Profite. Dass alle Produkte und das, was man/frau jetzt unter „Dienstleistung“ versteht, ihren Warencharakter verlieren werden, dass das kapitalistische Prinzip der Konkurrenz durch das der Solidarität ersetzt wird, wird natürlich massive Auswirkungen auf das Zusammenleben von Menschen haben. Indem keine Notwendigkeit mehr besteht, unter Konkurrenzdruck zu handeln, werden soziale Beziehungen weniger aus egoistischen Gründen – weil sie einem/r nutzen – eingegangen. Entgegen der bürgerlichen Propaganda, der Sozialismus würde alle Menschen gleich machen wollen und jede Individualität verbieten, kann erst der Sozialismus die Basis für eine wirklich freie Entfaltung der Individualität (die nichts mit Egoismus zu tun hat) schaffen.

 

Kann ein derartiger Sozialismus überhaupt existieren? Ist das nicht utopisch? Tatsächlich hat der Kapitalismus heute ein derartig hohes Produktivitätsniveau erreicht, dass locker die existientiellen Bedürfnisse der Menschen, und zwar aller Menschen, befriedigt werden könnten. Dass ein großer Teil der Menschen hungert, in Armut lebt etc., liegt nicht daran, dass es zu wenig Lebensmittel und allgemeinen Reichtum gibt, sondern daran, dass das kapitalistische Produktionssystem schlichtweg nicht darauf ausgerichtet ist diese Bedürfnisse zu befriedigen. Dass die ArbeiterInnen enormen Druck, Überbelastung und oft elenden Arbeitsbedingungen ausgesetzt sind, wäre angesichts des hohen Produktivitätsniveaus (dass in kurzer Zeit, sehr viel, und sehr komplexe Dinge produziert werden können) nicht notwendig. Ebenso kann dem Phänomen der Arbeitslosigkeit durch die Aufteilung der Arbeit auf alle Hände die Grundlage entzogen werden. Natürlich wird der Sozialismus nach einer erfolgreichen Revolution nicht von heute auf morgen entstehen. Dafür wird schon eine längere Übergangsphase der Umstellung und des aktiven politischen Kampfes notwendig sein. 

 

 

II. Jugend im Kapitalismus

 

Jugendliche (bzw. junge Menschen) unterliegen im Kapitalismus einer besonderen Unterdrückung. Dieser Unterdrückung kommt in verschiedenen Formen und „Institutionen“ zum Ausdruck. Auch wenn diese für Jugendliche verschiedener Altersgruppen anders aussehen, gibt es doch ein paar grundlegende Elemente, die wirklich alle Jugendlichen betreffen: Ökonomische Abhängigkeit von den Eltern, Familie, Erziehung, Ausbildung etc. Gleichzeitig sind Jugendliche als interessante Zielgruppe einer massiven Marketingstrategie der KapitalistInnen ausgesetzt und leiden besonders unter den Mechanismen von Gruppendruck und Konsumzwang.

 

1) Jugend und ArbeiterInnenklasse

 

Es gibt weder „die Jugend“ noch „den/die Jugendliche/n“. Vielmehr gehören die Jugendlichen, wie alle anderen (unter kapitalistischer Herrschaft lebenden) Menschen auch, verschiedenen Klassen, Geschlechtern und Nationalitäten an. Die materiellen Bedingungen klaffen je nach Klassen- und Geschlechtszugehörigkeit, ethnischer Herkunft etc. weit auseinander. Aber trotzdem gibt es etwas, das (so gut wie) alle Jugendlichen verbindet:  Durch die Bevormundung durch Eltern, Lehrer und Staat werden Jugendliche entrechtet und stärker der sozialen Unterdrückung ausgesetzt. Sie sind noch nicht völlig ins kapitalistische Ausbeutungssystem eingepasst. Daher ist bei ihnen ein größeres Potenzial vorhanden gegen die herrschenden Strukturen, von denen sie sozial unterdrückt werden, zu kämpfen. Es ist schließlich kein Zufall, dass Jugendliche bei Massenbewegungen und Demonstrationen in der Geschichte fast immer eine wichtige, vorantreibende Rolle gespielt haben. Und es ist auch kein Zufall, dass Jugendliche eher dazu bereit sind, sich revolutionär zu organisieren. Ihr revolutionäres Potential  wird allerdings nur dann systemverändernde Wirkung haben, wenn ihre Kämpfe mit jenen der ArbeiterInnenklasse verbunden werden. Für die Umwälzung der kapitalistischen Gesellschaft braucht es daher eine gemeinsame Front der ArbeiterInnen und der Jugend.

 

2) Familie

 

Die kapitalistischen Familienverhältnisse haben einen widersprüchlichen Charakter. Sie stellen einen Hort der Unterdrückung und einen Garant für die Produktion der bürgerlichen Werte dar. Sie fördern egoistisches Denken und Handeln und zementieren Sexismus und Frauenunterdrückung durch die „klassische Rollenteilung“ zwischen Frau (=Mutter) und Mann (=Haushaltsvorstand): Hausarbeit, Kindererziehung und –betreuung werden zu großen Teilen von der Frau erledigt – unabhängig davon, ob sie einer Erwerbsarbeit nachgeht oder nicht. Der Mann nimmt in der Familienhierarchie zumeist die Rolle des Chefs ein. Frust und Wut über den Lohnarbeits- und Hausarbeitsalltag werden von den Eltern oft auf die Kinder übertragen, die in der Hierarchie ganz unten stehen. Es kommt nicht von ungefähr, dass die meisten Gewalttaten in der Gesellschaft in der Familie passieren. Neben offener Gewalt (Schlägen, Missbrauch etc.) stellen Bevormundung, mangelhafte Zuwendung etc. ebenfalls Formen von Gewalt dar. Dass die Familie in dieser Form nicht von einer Mehrheit in Frage gestellt wird, hängt damit zusammen, dass keine andere Struktur zur Befriedigung des Bedürfnisses nach Geborgenheit in einer Gesellschaft der Vereinzelung existiert.

 

Man/frau wird die Familie nicht von heute auf morgen abschaffen können, dazu hat sie als gesellschaftliche Einheit eine viel zu starke Verankerung. Was man/frau sehr wohl machen kann, ist beispielsweise die Sozialisierung der Hausarbeit und der Erziehung – in Form von öffentlichen Kantinen, Waschküchen, Ganztagsschulen etc. Dadurch können sexistische, individualistische und andere bürgerliche Verhaltensmuster teilweise unterlaufen werden. Ein weiterer Schritt um die Familienverhältnisse aufzubrechen besteht darin, die dort vorhandenen Hierarchien aufzubrechen. Die Sozialisierung der Hausarbeit könnte schon einiges zur Auflösung der Geschlechterverhältnisse beitragen. Um Kinder und Jugendliche aus diesen Hierarchien zu befreien, brauchen sie soziale Alternativen zur Abhängigkeit von diesen Hierarchien, die ihre Existenz absichern. Auch wenn man/frau nicht mehr zuhause wohnt, aber den eigenen Lebensunterhalt noch nicht selber verdient, bleibt eine ökonomische Abhängigkeit von den Eltern bestehen. Diese ist oft mit moralischem Druck verknüpft (Geld/Unterstützung gibt es nur, wenn man/frau brav den für eine/n geschmiedeten Karriere- und Familiengründungsplänen der Eltern folgt). Mit einem kleinen Taschengeld wird es nicht möglich sein, die Familie verlassen zu können, dazu bräuchte es schon eine existenzielle Grundsicherung.

Um die etablierten familiären Strukturen aufzuheben, muss freilich ein weiter gehender politischer Kampf geführt und letztlich ihre ökonomische Grundlage im kapitalistischen System entzogen werden.

 

3) Bürgerliches Schulsystem

 

3.1) Disziplinierung

 

Neben Mathematik, Deutsch, Physik und anderen Fächern wird in der bürgerlichen Schule vor allem die Unterordnung unter die kapitalistischen Herrschaftsverhältnisse gelehrt. Schon von klein auf sollen Kinder und Jugendliche für das kapitalistische System funktionstauglich gemacht werden. Sie müssen lernen zu kuschen, bürgerliche Autoritäten und Normen ungefragt zu akzeptieren. Außerdem wird ihnen ein Konkurrenz- und Leistungsdenken eingetrichtert, damit sie sich später als Arbeitskräfte am „freien Arbeitsmarkt“ nicht gegen ihre Chefs, sondern gegen ihre KollegInnen behaupten. Autoritäre Unterrichtsformen wie der Frontalunterricht werden zwar teilweise durch fortschrittlichere Lehrformen (z.B. Teamwork) abgelöst, und zweifellos gibt es auch viele progressive Lehrer, die ehrlich engagiert sind –  tatsächlich können diese fortschrittlichen Elemente am grundsätzlich autoritären Charakter des bürgerlichen Schulsystems nicht ändern. Demokratie und Mitbestimmung werden von der herrschenden Klasse nur soweit geduldet, soweit ihre Herrschaftsverhältnisse dadurch nicht bedroht werden. Kritische „mündige“ BürgerInnen stellen an sich noch kein Problem für die Herrschenden dar, solange sie kritische Fragen stellen und Kommentare abgeben. Problematischer wird es schon, wenn die KritikerInnen beginnen sich selbst zu organisieren um gegen die bestehenden Verhältnisse zu kämpfen. Deutlich wird dies beispielsweise schon bei kleinen Dingen, wie dem organisierten Schummeln und Abschreiben in der Schule. Diese selbst initiierte Teamarbeit passt – entgegen der von oben aufgezwungenen Teamarbeit – so gar nicht ins Konzept des bürgerlichen Schulsystems.

 

3.2) Soziale Auslese

 

Das bürgerliche Schulsystem „zeichnet“ sich dadurch aus, dass sie die Kinder und Jugendlichen entsprechend ihrer sozialen Herkunft spaltet – und sichert damit ein Stück weit die Erhaltung der Klassengesellschaft. Es ist kein Zufall, dass Kinder aus niederen sozialen Schichten kaum einen höheren Bildungsweg einschlagen, sich in der Schule oft schwerer tun etc. Das hat freilich nichts damit zu tun, dass diese Kinder dümmer wären; vielmehr wird ihnen viel weniger Förderung und Zuwendung zu teil, als das bei ihren Altersgenossen aus höheren sozialen Schichten der Fall ist. Die Eltern von ArbeiterInnenkindern haben zumeist schlichtweg nicht die Zeit (aufgrund ihrer eigenen Lebensgeschichte auch gar nicht das Verständnis dafür) sich am Nachmittag mit schulischen Problemen ihrer Kinder herumzuschlagen, auf ihre intellektuellen oder kulturellen Interessen einzugehen oder diese gar zu fördern. Die frühe Differenzierung des Schulsystems (in AHS und Hauptschule, Berufsschule, BHS, HTL etc.) tut ihr übriges um die soziale Spaltung zu verstärken. Ein erster Schritt um gegen die soziale Auslese durch das bürgerliche Schulsystem vorzugehen, besteht in der Schaffung einer Gesamtschule, in der alle SchülerInnen bis zur/zum Matura/Abitur gemeinsam lernen. Diese Einheitsschule soll außerdem eine Ganztagsschule sein, die auf die Bedürfnisse der SchülerInnen ausgerichtet ist. Neben Freizeitangeboten soll dabei auch die Möglichkeit für gratis Nachhilfe am Nachmittag bestehen. Für Menschen mit besonderen Bedürfnissen („Lernschwache“, Menschen mit körperlichen oder geistigen Behinderungen…) müssen Strukturen bereitgestellt werden, die die Möglichkeit sozialer Integration bieten.

 

3.3) Reaktionärer Stoff

 

Das bürgerliche Schulsystem ist neben seiner Form natürlich auch vom Inhalt her den Erfordernissen des kapitalistischen Systems angepasst. Am deutlichsten wird das in Fächern wie Geographie und Wirtschaftskunde, wo die segensreiche Marktwirtschaft der undemokratischen und ineffizienten Planwirtschaft gegenübergestellt wird; oder auch in Geschichte, wo es nicht darum geht soziale und wirtschaftliche Zusammenhänge zu erkennen, sondern oft nur um das reine Auswendiglernen von einzelnen Fakten und Jahreszahlen. Man/frau hört wenig über die ökonomische Basis gesellschaftlicher Entwicklungen, man/frau lernt kaum, dass die politischen Herrschaftsstrukturen in engem Zusammenhang mit dieser Basis stehen, man hört nichts über Kämpfe zwischen den Klassen, die der „Motor“ der Geschichte sind. Dafür lernt man/frau von KaiserInnen, KönigInnen und anderen Herrscherfiguren und deren guten und schlechten Taten. Scheinbar kritische Inhalte werden innerhalb des Systemrahmens besprochen. Zunehmend werden Lehrinhalte von privaten Unternehmen entsprechend deren Interessen vorgegeben (Kooperationen, Sponsoring…).

 

3.4) Trennung von Kopf und Handarbeit

 

Das bürgerliche Schulsystem hat eine weitere wichtige Aufgabe innerhalb des Kapitalismus: Es sorgt für die Trennung von Kopf- und Handarbeit. Die Gesellschaft wird in jene Menschen gespalten, die „höherwertige“ geistige Arbeit, und in jene, die „minderwertige“ körperliche Arbeit verrichten. Nur wer den entsprechenden sozialen Background  und – was damit zusammenhängt – intellektuell das Zeug dazu hat, kann ins Gymnasium, an die Universität etc. gehen und „Kopfarbeiter“ werden. Für alle anderen gibt es die „Möglichkeit“, nach einer qualitativ schlechten Kurzausbildung an der Schule (das Polytechnikum) eine Lehre zu absolvieren. Neben dem Aspekt der sozialen Auslese, der hinter der Trennung in Hand- und KopfarbeiterInnen steht, gibt es auch jenen der Begrenztheit der geistigen Wissenschaft durch ihre Abtrennung von der Praxis. Praktisches („minderwertiges“) Wissen existiert isoliert vom wissenschaftlichen Wissen,  dabei geht natürlich ein enormes Wissenspotential verloren.

 

Um gegen diese Trennung zu kämpfen, bedarf es Schulen und Universitäten, die gleichermaßen theoretische und praktische Lerninhalte vermitteln und die Jugendlichen allseitig, also sowohl theoretisch als auch handwerklich ausbilden. Das hat jetzt nichts mit berufsbildenden Schulen oder Fachhochschulen zu tun, die zumeist verschulter sind und für die Wirtschaft einen Fortschritt in Sachen Effizienz und Verwaltbarkeit darstellen. Besonders in den Schulen ist eine möglichst breite Ausbildung in Theorie und Praxis erforderlich. Das Ziel dabei ist nicht bestimmte Techniken zu perfektionieren, sondern einen Einblick in das System von industrieller und landwirtschaftlicher Produktion, Infrastruktur und Dienstleistungsbetrieben zu gewinnen. Das beinhaltet natürlich auch bestimmte Arbeitserfahrungen in Betrieben machen zu können, wobei die Leistung für den Betrieb kein Kriterium sein darf.

 

Nach der Schule wird die ideologische Formung durch die Ausbildung zwar indirekter, sie bleibt aber auch auf der Uni, Fachhochschule etc. bestehen. Gewisse Elemente, wie z.B. die soziale Auslese oder die Trennung der Hand- und Kopfarbeit werden hier sogar noch weiter verstärkt. Es geht vor allem um eine an den Interessen der UnternehmerInnen ausgerichteten Ausbildung von „Experten“. Die angebliche Freiheit der Bildung und der Meinung verkommen in der Realität (Studiengebühren, Zugangsbeschränkungen, generelles Funktionieren des Wissenschaftsapparates…) zu einer Lächerlichkeit. Es geht hier auch gar nicht darum neues Wissen per se zu schaffen, sondern für die Herrschenden notwendiges Wissen. Das gilt sowohl auf theoretischer (etwa naturwissenschaftliche Forschung), praktischer (etwa Medizin oder Wirtschaftswissenschaften) als auch auf ideologischer (etwa Sozialwissenschaften) Ebene.

 

Lehrlinge stellen innerhalb der ArbeiterInnenklasse eine der unterdrücktesten Schichten dar: Sie bekommen einen Hungerlohn, der alles andere als Existenz sichernd ist, ihre „Ausbildung“ besteht oft in der Verrichtung von Hilfsarbeiten oder im Erlernen von einseitigen, sehr firmenspezifischen Tätigkeiten. Die Berufsschulzeit ist sehr kurz vorgesehen um UnternehmerInnen längere Ausfälle ihrer jungen HilfsarbeiterInnen zu ersparen. Außerdem: Welche/r ChefIn hat schon Interesse an einem Lehrling, der über allgemeine politische und gesellschafts- und naturwissenschaftliche Kenntnisse verfügt und der über nationale und internationale Wirtschafts- und Arbeitsprozesse Bescheid weiß? Die Ausbildung von Lehrlingen soll neben dieser allgemeinen Ausbildung auch im handwerklich/technischen Bereich viel breiter angelegt sein, Lehrlinge verschiedene Tätigkeiten ausführen können und gegebenenfalls später auch leichter den Beruf wechseln können.

 

3.5) Aufhebung der Schule im Sozialismus

 

So sehr wir das bürgerliche Schulsystem bekämpfen müssen, so sehr müssen wir für das Recht und die Möglichkeit eines jeden Menschen eintreten, eine umfassende Schulausbildung zu erhalten. Schulgeld und Studiengebühren, Zugangsbeschränkungen, Privatschulen und Privatuniversitäten lehnen wir daher vehement ab – genauso wie alle Einsparungen der KapitalistInnen bei der Bildung, die sich in Kürzungen von LehrerInnen, in einer Hebung der Klassenschülerhöchstzahlen, in der Streichung von IntegrationslehrerInnen ausdrücken.

 

Anstatt kuschen zu lernen sollte das oberste Ziel der Schule darin bestehen, Kinder und Jugendliche zu Selbstorganisierung, Engagement, Eigeninitiativen und solidarischem Handeln zu erziehen. Und das freilich nicht nur innerhalb eines bestimmten von oben vorgegebenen Rahmen, wo sie sich quasi „austoben“ können. SchülerInnen sollen nicht nur die Möglichkeit haben kreative Gedankenexperimente innerhalb des Klassenzimmers zu machen, sondern das Recht die Gesellschaft, konkret ihr Schulsystem, real mitzuorganisieren.

 

Das alles sind sinnvolle und notwendige Übergangsmaßnahmen, mit denen das reaktionäre Ausbildungssystem zurückgedrängt und durch demokratischere Formen der Schule ersetzt werden soll. An eine voll entwickelte klassenlose Gesellschaft stellen wir allerdings weiter gehende Ansprüche. Denn entsprechend dem Grundsatz, dass niemand ausschließlich lernen, niemand ausschließlich arbeiten solle, muss auch der Ort des Lernens in einer kommunistischen Gesellschaft einen grundsätzlich anderen Charakter tragen als den einer noch so demokratischen Schule.

 

Schule setzt die Trennung des Lernens und dessen Abspaltung von der Gesellschaft voraus. Die Perspektive, die sich nicht von selbst naturwüchsig ergeben wird, sondern auf die mit gezielten Maßnahmen bewusst hingearbeitet werden muss, kann daher nur in der letztendlichen Auflösung der Institution Schule in Orte lebenslangen Lernens liegen. Ebenso wenig wie Schulen wird die klassenlose Gesellschaft auch Berufe, die wir einmal erlernen und dann ein Leben lang ausüben, mehr kennen. An die Stelle von LehrerInnen und ErzieherInnen werden Personen treten, die – neben völlig anderen Tätigkeiten – ihr Wissen und ihre Erfahrungen an die Lernwilligen, ob jung oder alt, weitergeben. Über die notwendigen pädagogischen Fähigkeiten wird dann ein immer größerer Teil der Gesellschaft verfügen. Und so, wie eine sozialistische Gesellschaft ein Interesse daran hat, dass möglichst alle Erwachsenen neben der gesellschaftlich notwendigen Arbeit die Möglichkeiten von Bildung und Weiterbildung auch wahrnehmen, werden auch Kinder und Jugendliche nicht ausschließlich zum Lernen angehalten, sondern ebenso möglichst frühzeitig und ihrem Alter und ihrer Entwicklung entsprechend in die gesamtgesellschaftliche Produktion integriert werden. Das Lernen wird nicht nur nicht mehr nach fixen Stundenplänen und Schuljahren gestaltet werden, sondern sich mehr und mehr in die Gesellschaft zurück verlagern, eins werden mit einem Grundelement der klassenlosen Gesellschaft: Sich als Gesellschaft weiter zu entwickeln, Antworten zu finden auf bisher ungelöste Menschheitsfragen und möglichst alle dazu zu befähigen, aktiv an der weiteren kollektiven Ausgestaltung der Gesellschaft teilzunehmen.

 

4) Drogen

 

Drogen werden einerseits dazu benutzt Menschen zu manipulieren und die Wirklichkeit zu verschleiern. Konkret dienen sie den Ausbeutern dazu ihre Opfer gefügig zu machen und die Ausbeutungsmechanismen zu verdecken. Beispiele für den manipulativen Einsatz von Drogen liefern die Verteilung von Crack in den Schwarzenvierteln der USA über den US-Staat und die Ausgabe von Heroin im Baskenland über die spanische Polizei.

 

Andererseits dienen Drogen auch den Ausgebeuteten, sie helfen ihnen die Zwänge der kapitalistischen Gesellschaft besser zu ertragen. Die Ausgebeuteten müssen das Recht haben Drogen zu konsumieren, um ihr Leben erträglicher zu machen. Daher müssen wir vehement gegen die herrschende Praxis des Staats auftreten, einige Drogen zu tolerieren (z.B. Alkohol, Tabak etc.), andere aber zu verbieten (z.B. Marihuana, Kokain, Heroin etc.) und all jene, die diese „illegalen“ Drogen konsumieren, zu kriminalisieren. Sowohl alle „harten“ als auch alle „weichen“ Drogen müssen legal erwerblich sein oder abgegeben werden – um die Repression der Herrschenden einzudämmen und nicht weil wir den Konsum dieser Drogen an sich cool finden. Ganz im Gegenteil, die Einnahme von „harten“ Drogen bzw. die exzessive Einnahme von „weichen“ Drogen ist dem revolutionären Kampf alles andere als dienlich, da der Geist vernebelt wird und man/frau sich abhängig macht. Wir müssen daher einen Kampf gegen den Drogenmissbrauch führen. Aber nicht die einzelnen DrogenkonsumentInnen sind schuld daran, dass sie Drogen brauchen, die Wurzel alles Übels liegt in den unerträglichen Gesellschaftsverhältnissen. Erst wenn diese umgewälzt worden sind, wird die Abhängigkeit von Drogen massiv zurückgehen.

 

5) Religion

 

Religion und Kirche waren den Herrschenden schon immer ein willkommenes Mittel um ihre Macht zu behalten. Sie knüpfen dabei an reale Bedürfnisse (Geborgenheit, Erfüllung, Friede…) an und benutzen sie um die Ausgebeuteten weiter unter ihrer Kontrolle zu halten. Dabei werden die wahren gesellschaftlichen Verhältnisse (Klassengesellschaft) gezielt verschleiert und Menschen dazu gebracht sich mit ihrer miserablen Lage abzufinden bzw. die Frustration nicht gegen die wahren Verantwortlichen zu richten. Nicht umsonst spricht Karl Marx von der Religion als das „Opium des Volkes“. Auch in der Erziehung (sprich Unterordnung und Ruhigstellung) spielt Religion, oft sogar über staatliche Institutionen (Religionsunterricht) eine wichtige Rolle. Auch bei der Aufrechterhaltung von konservativen Familien- und Sexualitätsvorstellungen spielt die Kirche eine Hauptrolle. Diese Kontrolle soll schon so früh wie möglich hergestellt werden: es beginnt mit der Taufe und wird dann kontinuierlich weitergeführt (Religionsunterricht, Jungschar, Firmung, kirchliche Ehe…). Dem nicht genug verfügen organisierte Kirchen über große Reichtümer (z.B. Grundbesitz) und können ihre hohen Geistlichen und hohen Beamten ein wahrlich „himmlisches“ Leben ermöglichen – auf Kosten der unterdrückten Mehrheit der Bevölkerung.

 

6) Sexualität

 

Die Normierung der Sexualität von Jugendlichen durch den kapitalistischen Staat (durch „Schutzgesetze“ und die herrschenden Moralvorstellungen) ist für die herrschende Klasse ein brauchbares Mittel, um die Entwicklung der Jugendlichen zu kontrollieren. Das Propagieren von Monogamie und die Ablehnung von Homosexualität haben ein Ziel: Die Jugendlichen sollen zu einem geordneten Familienleben erzogen werden.  Dass dabei eine selbstbewusste Entfaltung der Persönlichkeit oft auf der Strecke bleibt, stört nicht, sondern nützt den Herrschenden in gewisser Hinsicht sogar. Wer braucht schon selbstbewusste Bedienstete und Untergebene, die sich nicht alles von ihren Chefs gefallen lassen? Klar ist natürlich, dass das gelebte „geordnete Familienleben“ nur oberflächlich den propagierten bürgerlichen Normen entspricht, Abhängigkeiten, Gewalt und Betrug sind die Regel. Eine besondere Rolle spielt die Beschränkung der Sexualität auch für die Aufrechterhaltung der Geschlechterverhältnisse. Die bürgerliche Vorstellung von Sexualität korrespondiert mit den klassischen Rollenmustern von Frau (Mutter und Hausfrau) und Mann (Familienoberhaupt und Erwerbsträger). Entgegen noch immer verbreiteter reaktionärer Moralvorstellungen, die Abtreibung mit  „Mord“ gleichsetzen, treten wir auch für das Selbstbestimmungsrecht der Frau über ihren Körper ein.

 

Reaktionären bürgerlichen Moralvorstellungen zufolge dient der Sexualakt einzig und allein zur „Arterhaltung“, d.h. er wird mit dem Zeugungsakt gleichgesetzt. Diese Vorstellungen sind in der industrialisierten Welt heute natürlich nicht mehr vorherrschend. Dass heute über Sexualität offener gesprochen wird, Sex werbetechnisch eingesetzt wird um irgendwelche Waren besser verkaufen zu können und der Verkauf von Sex (Prostitution, Pornographie) ein eigener Wirtschaftszweig ist, hat nichts mit freier Liebe zu tun, wie wir sie verstehen. Am Beispiel der Prostitution wird der Warencharakter sexueller Beziehungen am augenscheinlichsten deutlich.

 

Pornographie ist im kapitalistischen System ein Wirtschaftszweig, der von der Reproduktion sexistischer Klischees lebt und besonders weibliche DarstellerInnen in Filmen oder Magazinen massiv ausbeutet. Diese Form der frauenfeindlichen Vermarktung von Sexualität lehnen wir ab. Diese Ablehnung hat nichts mit sexuellen Darstellungen an sich zu tun (die nicht sexistisch sein müssen!) sondern bezieht sich auf die dominante Form der Produktion und Vermarktung sexistischer Klischees. Wir fordern aber keineswegs ein Verbot durch den bürgerlichen Staat, denn das würde – angesichts der kapitalistischen gesellschaftlichen Verhältnisse – sexistische Pornographie und Prostitution nicht beenden, sondern stärker in die Illegalität treiben (und die Ausbeutung der v.a. Frauen noch verstärken). Die diesbezüglichen Entscheidungsbefugnisse dem reaktionären Staat der herrschenden Klasse zu überantworten kann außerdem nur zu leicht in eine konservativ-sexualfeindliche Richtung gehen. Stattdessen treten wir für soziale Rechte, die Legalisierung und Organisierung der SexarbeiterInnen sowie für gesicherte Aufenthaltsverhältnisse von SexarbeiterInnen aus ärmeren Ländern ein.

 

7) Zivildienst – Militär

 

Mit 18 Jahren trifft´s den männlichen Teil der Bevölkerung: die nächsten sechs Monate stehen dann im Zeichen der „Vaterlandsverteidigung“ und der Vermittlung von „Werten“. Imperialistische Kriege sind in Wirklichkeit Raubkriege der herrschenden Klasse um Bodenschätze, Handelsstützpunkte und ähnliches. Die unteren Klassen haben aber kaum etwas davon, sie dürfen nur den „Blutzoll“ für den Profit der KapitalistInnen zahlen. In vielen Ländern wie Österreich spielt das Bundesheer auch eine wichtige Rolle bei der Umsetzung der rassistischen Einwanderungspolitik (z.B. „Grenzschutz“). Damit niemand auf andere Gedanken kommt, wird die „Notwendigkeit“, jeden Befehl von oben blindlings zu befolgen, vermittelt. Das ist erforderlich, um die Soldaten (und mittlerweile auch Soldatinnen) beim imperialistischen Wetteifern um die Ausbeutung der „3. Welt“, die unter dem Banner von „Hilfsaktionen“ und der „Friedenssicherung“ läuft, effektiv einsetzen zu können.

Autoritäre Strukturen und Befehlsketten sind für bürgerliche Armeen auch wichtig, weil sie immer gegen den „inneren Feind“ (=die eigene Bevölkerung) eingesetzt werden, wenn diese „gefährlich“ wird. Wenn sich die Unterdrückten und Ausgebeuteten nämlich wehren, dann wird bei einer Verschärfung der Situation zunächst die Polizei gegen sie eingesetzt und, wenn diese scheitert, die Armee. Dieses Schema finden wir bei jedem Aufstands- oder Revolutionsversuch bestätigt, es zeigt sich aber schon bei militanteren Demonstrationen. Die herrschende Klasse hatte nie ein Problem damit, Gewalt gegen die eigene Bevölkerung einzusetzen, wenn sie ihre Position gefährdet sah. Das ist die Funktion der Armee als eines Apparats zur Unterdrückung (=Repression). Eine Armee, die auf Wehrdienst beruht, birgt aber das Risiko, dass die Soldaten die  Gewehre gegen ihre Offiziere richten, statt auf die eigene oder eine andere Bevölkerung. Da sie auch ein ziviles Leben führen und dem Zwang der Armee nur für einige Monate ausgesetzt sind, ist es schwerer, sie für besonders brutale Aktionen oder Maßnahmen gegen die eigene Bevölkerung einzusetzen, mit der sie über viele Kanäle (Familie, FreundInnen) verbunden sind. Bei der Diskussion um ein Berufsheer geht es also um die Schaffung einer Truppe, die, gereinigt von kritischen Elementen und spezialisiert auf besondere „Erfordernisse“, effektiv und gezielt für ihre Interessen einsetzbar ist. Die Schaffung eines Berufsheeres würde somit den Staat als Repressionsapparat weiter stärken. Eine Verkürzung der Wehrdienstzeit ist auf alle Fälle zu befürworten. Je kürzer die Grundwehrdiener dem ideologischen Einfluss der reaktionären Generäle ausgeliefert sind und je weniger Zeit sie damit verschwenden, desto besser.

Für viele Jugendliche stellt der Zivildienst eine scheinbare Alternative zum Bundesheer dar. Diese Alternative löst das Problem aber nicht, da der Zivildienst in die „Landesverteidigung“ integriert ist und viele Aufgaben übernimmt, die früher vom Heer mit erledigt wurden. Hoffnungen auf die Abschaffung des Bundesheeres werden nur ein frommer Wunsch bleiben, da für die Herrschenden ein Repressionsapparat in ihren Händen, der eine wichtige Stütze für die Aufrechterhaltung der kapitalistischen Klassengesellschaft ist, unerlässlich bleibt. Das Ziel kann nur die Zerstörung des Repressionsapparates der herrschenden Klasse sein.

 

 

III. Für eine revolutionäre Jugendarbeit – Selbstverständnis der AGM-Jugend

 

Für den Kampf gegen die kapitalistische Gesellschaft und all die Zwänge, die sie der Jugend auferlegt braucht es Jugendliche, die aktiv in einer revolutionären Organisation arbeiten. Wir müssen uns klar sein, dass eine wirkliche Befreiung der Mehrheit der Menschen nur mit der Zerstörung des kapitalistischen Systems erreicht werden kann. Da die herrschende Klasse ihre Macht nicht freiwillig aus der Hand geben wird, wird ein gewaltsamer Umsturz der Verhältnisse notwendig sein. Jedoch wird umso weniger Gewalt notwendig sein, je besser wir auf diesen Umsturz vorbereitet sind. Das gilt auch für uns Jugendliche. Die politische Organisierung ist die einzige Möglichkeit gegen dieses kapitalistische System, das sich unseres ganzen Lebens zu bemächtigen versucht, anzukommen. Revolutionär zu sein bedeutet nicht nur die bestehenden Verhältnisse umstürzen zu wollen, Revolutionär zu sein, bedeutet auch zu verstehen, warum die bestehenden Verhältnisse umgestürzt werden müssen. Die Ausbildung und Kaderisierung junger Revolutionäre muss daher die oberste Priorität sein. Eine fundamentale Schulung ist die Grundlage dafür gesellschaftliche Phänomene und Entwicklungen richtig einschätzen zu können und daraus die korrekten Strategien und Taktiken ableiten zu können.

Auch für das Funktionieren der Organisationsdemokratie ist diese Ausbildung notwendig. Schließlich wollen wir kein „Stimmvieh“, das Entscheidungen der Führung absegnet, sondern eine Basis, die fähig ist, ihre gewählte Leitung zu kontrollieren und selbst diese Funktion ausüben zu können. Wenn wir einen demokratischen Zentralismus in unserer Organisation verwirklichen wollen –  d.h. ein Organisationsprinzip, das innerhalb der Organisation die breitest mögliche Demokratie, nach außen hin aber Geschlossenheit vorsieht, bei dem alle gewählten Organe und Personen der Basis rechenschaftspflichtig und jederzeit abwählbar sind – ist die Kritikfähigkeit aller GenossInnen entscheidend.

 

Revolutionäre Praxis bedeutet für uns nicht bloß auf Demonstrationen zu gehen. Für uns sind die Produktion und das Verteilen von Propagandamaterialien (Zeitungen, Flugschriften, Broschüren etc.), Kontaktgespräche etc. genauso ein Teil revolutionärer Arbeit. Was wir heute an revolutionärer Arbeit leisten können, hängt sowohl von objektiven als auch von subjektiven Faktoren ab. Was alles nötig ist, sagt noch nicht unbedingt etwas darüber aus, was heute konkret für uns möglich ist. Wir müssen mit unseren Ressourcen überlegt umgehen, realistisch bleiben und nicht fahrlässig GenossInnen auspowern und diese so von einer langfristigen politischen Arbeit abschrecken. Unser Schwerpunkt ist also die Ausbildung unserer GenossInnen auf theoretischer und praktischer Ebene. Dass wir von „unserem revolutionären Subjekt“, der ArbeiterInnenklasse, in unserem Fall, den proletarischen Jugendlichen, in gewisser Weise isoliert sind, hängt besonders mit dem in Österreich vorherrschenden niedrigen Klassenkampfniveau zusammen. Das ist eine Tatsache, die wir nicht einfach übergehen können.

 

Auch wenn wir natürlich unsere eigene Organisationspraxis den objektiven Bedingungen in Österreich und unseren subjektiven Kräften am besten entsprechend halten, glauben wir weder, dass wir die einzigen „richtigen“ Revolutionäre sind, noch denken wir, dass wir den Kern einer zukünftigen internationalen revolutionären Partei darstellen. Vielmehr gehen wir erstens davon aus, dass in kommenden revolutionären Auseinandersetzungen viele andere subjektive Revolutionäre aus anderen Parteien auf derselben Seite der Barrikaden stehen werden wie wir, und zweitens, dass massive Klassenkämpfe und revolutionäre Entwicklungen auf der Parteien-Ebene einen massiven Umgruppierungsprozess bewirken werden.

 

Wenn eine revolutionäre Organisation zu schwach ist, um eine eigene Jugendorganisation aufzubauen, kann die Formierung einer Jugendstruktur eine Alternative sein. Es ist einerseits wichtig jungen Kadern einen Raum zu schaffen, in dem sie selbst Erfahrungen im Aufbau einer Organisation machen können und ihnen damit auch Verantwortung übertragen wird. Eine Jugendstruktur ist zudem auch ein geeigneterer Ort um neue junge Genossinnen zu gewinnen und an die Organisation heranzuführen. Das Ziel dieser Struktur kann nicht darin liegen eine jugendspezifische Servicepolitik zu machen, wie dies etwa die Aktion kritischer Schüler (AKS) betreibt. Da wir aber auch die Revolution nicht schon vor der Haustür stehen sehen und Demonstrationen nicht gleich als Vorboten eines Umsturzes interpretieren, lehnen wir es ab, unsere Mitglieder in Aktivismus mit übergroßen Erwartungen aufzureiben oder es etwa auf Konfrontationen mit Polizei oder Nazis anzulegen. Vielmehr muss es darum gehen, an gesellschaftlichen Fragen interessierte Jugendliche anzusprechen, die offen für Kontakt mit der revolutionären Linken sind und sie von der Notwendigkeit einer längerfristigen politischen revolutionären Organisierung zu überzeugen. Der Schwerpunkt dieser Struktur muss daher in der Aneignung und Verbreitung von revolutionärer Propaganda liegen. Freilich bleibt der Aufbau einer revolutionären Jugendorganisation (als Teil einer revolutionären Organisation) das Ziel.

 

Beschlossen auf der AGM-Konferenz im März 2006, nach einem Entwurf von Maria Pachinger / AGM-Jugend.

 

 

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