Zu unbekannten Zeiten, an unbekannten Orten

Der Film "Operation Spring" offenbart den Zustand rassistischer Klassenjustiz in Österreich. Ein Filmtipp.

"Operation Spring", so heißt ein seit einigen Wochen in verschiedenen österreichischen Kinos laufender Film. "Operation Spring", so hieß auch eine großangelegte Drogenrazzia der Wiener Polizei im Jahr 1999. Und genau darum, und vor allem um die folgenden Verfahren gegen über 120 mutmaßliche angebliche Drogendealer eines "nigerianischen Drogenrings" geht es auch in dem Film.

Wien, 1999. Nachdem österreichische Polizisten den Schubhäftling Marcus Omofuma umgebracht hatten, indem sie ihm während seiner Abschiebung im Flugzeug den Mund mit zugeklebt hatten (ja, so geht die österreichische Polizei mit AfrikanerInnen um …) gab es einige Demos gegen das Vorgehen der Exekutive in Wien. Wenige Woche später startete die Polizei eine riesige Droggenrazzia bei der über 120 Menschen festgenommen wurden. Darunter auch zahlreiche Personen, welche die Demonstrationen (mit-)organisiert hatten.

Soviel zur Vorgeschichte. Der Film behandelt nun die Verfahren gegen die mutmaßlichen Drogendealer, bei denen es – gelinde ausgedrückt – nicht mit rechten Dingen zugegangen ist. Da ist der Richter, der meint auf einem von der Polizei mittels Lauschangriff festgehaltenen Video könnten die Personen nicht so genau zugeordnet werden, da Schwarzafrikaner schließlich im Dunklen so schwer auseinander zu halten wären. Da ist der Dolmetscher, der meint, dass in einer Videoszene ein Drogenverkauf geschildert worden wäre, während ein anderer unabhängiger Dolmetscher richtig stellt, dass die Angeklagten sich über Jesus unterhalten hätten (andere anklagerelevante Übersetzungen des Gerichtsdolmetschers kann sein unabhängiger Kollege auf dem Videomaterial nicht einmal finden).

Da bricht ein Zeuge sein Schweigen und erklärt, dass er ihm unbekannte Personen belastet hat, um selbst mit einem geringeren Strafmaß davonzukommen. Da wird gezeigt, dass 2 ½ Kilo Heroin auf einmal aus dem Nichts auftauchen und einen Angeklagten schwer belasten. Da gibt es Anklageschriften, in denen Schwarzafrikanern vorgeworfen wird, sie hätten zu unbekannter Zeiten an unbekannten Orten an unbekannte Personen nicht mehr feststellbare Mengen an Rauschgift verkauft. Da wird aufgezeigt, dass jene Personen, die von der Polizei als führend bei den Marcus-Omofuma-Demos durchnumeriert wurden, in genau der gleichen Reihenfolge als Bosse der Drogenmafia identifiziert wurden. Unglaublich, aber wahr. So sieht rassistische Klassenjustiz im Jahr 2005 in einer bürgerlichen Demokratie aus.

Die Selbstherrlichkeit der Richter, die rassistische Praktik der Polizei, die Verzweiflung der Angeklagten, die Hetze von Kronenzeitung und Co. – all das bringt der Film in packender Art und Weise auf den Punkt. "Denen muss man jedes Gramm einzeln nachweisen" meint ein Richter. Operation Spring, das ist Tragödie und Farce zu gleich. Denn wäre das Ganze nicht so schrecklich für die Verurteilten – es wäre nur mehr lächerlich. So aber folgt dem Zuseher bzw. der Zuseherin auf einen spontanen Lacher zumeist ein heftigen Schlucken.

Wir immer bei solchen Filmen hängt die Empörung davon ab, wie es um den eigenen Glauben an die Gerechtigkeit in diesem politischen System bestellt ist. Zitieren wir dazu das bürgerliche "Profil": "Operation Spring erschüttert das Vertrauen in den Rechtsstaat Österreich nachhaltig" Richtig. Und das ist auch gut so.

Operation Spring. Anschauen. Aufregen. Aktiv werden.

 

 

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