Klotzen, nicht kleckern: BA-CA hat teuerste Führungsetage – Kürzungen für Angestellte

Angesichts der aktuellen Verschlechterungen für die Angestellten der Bank Austria-Creditanstalt (BA-CA), klingt es wie der reinste Hohn. Denn von allen börsennotierten Gesellschaften Österreichs leistet sich gerade jene BA-CA den mit Abstand teuersten Vorstand …

Insgesamt 7,8 Mio. Euro hat die Führungsriege der größten österreichischen Bank im letzen Jahr kassiert, das ist mehr als die Hälfte des Gehalts der Erste Bank-Vorstände. Doch auch dieses Unternehmen ist recht spendabel, wenn es um die Gagen von SpitzenmanagerInnen geht, schließlich lässt sich die "Erste" ihren Aufsichtrat rund 467000 Euro kosten. Ein Sprecher der BA-CA beschwichtigte und wies darauf hin, dass immerhin 60% der 7,8 Mio. Euro erfolgsabhängig gewesen wären. Na und? Wo bleiben die erfolgsabhängigen Lohnerhöhungen für die einfachen Beschäftigten? Schließlich sind sie es, die tag aus tag ein die Profite der ManagerInnen und AktionärInnen erwirtschaften.

Für sie soll es künftig "keine Zuckerl mehr" geben. Nach dem am letzten Mittwoch verkündeten Wechsel der Bank Austria vom Sparkassen- in den Banken-Verband gilt für die Beschäftigten nun auch ein neuer Kollektivvertrag. Statt bisher 37 Stunden wird die Wochenarbeitszeit nun auf 38,5 Stunden verlängert – ohne Lohnausgleich. Gleichzeitig wird es Einschränkungen bei den jährlichen Gehaltssteigerungen geben. Von BA-CA-Seite wird verlautbart, dass "heute die Weichen für die Einbremsung der Kostendynamik der Personalaufwendungen gestellt werden" müssten. Herzig! Bei der eilends eingerichteten Hotline zum Verbandswechsel heißt es zwar recht freundlich, "die MitarbeiterInnen würden selbstverständlich nicht weniger verdienen als bisher", doch eine unbezahlte Arbeitszeitverlängerung ist eben nichts anderes als eine Gehaltskürzung, da helfen auch die schönsten Formulierungen nichts.

Interessant ist die kürzlich vom "Interessensverband für Anleger" (IVA) publizierte Erhebung v.a. deshalb, weil anscheinend gerade jene Unternehmen, bei denen es aktuell zu Verschlechterungen für die Beschäftigten kommt (oder diese zur Diskussion stehen), ganz vorne stehen, wenn es um die Entschädigung fürs Management geht. So ist z.B. die Voestalpine (7,1 Mio. Euro) ebenfalls im Spitzenfeld zu finden. Bei der Fluglinie AUA, bei der es in letzter Zeit mehrmals zu Arbeitskämpfen gekommen war, durfte sich die Chefetage über eine Gehaltserhöhung von 117% freuen, die Chefs der VA-Tech bekamen immerhin noch 91% zusätzlich.

Der Betriebsrat der BA-CA will nun das "einseitige Vorgehen des Vorstandes nicht widerstandslos hinnehmen". Betriebsrats-Chefin Hedwig Fuhrmann will (neben einer rechtlichen Prüfung, die wohl wenig bringen wird) so schnell wie möglich Betriebsversammlungen einberufen. Vorerst noch außerhalb der Dienstzeit. Doch das könnte sich laut Betriebsrat rasch ändern. Letztendlich werden weitergehende Kampfmaßnahmen auch nötig sein, um die Interessen der Bankangestellten zu wahren, denn so leicht wird sich der Vorstand nicht in die Knie zwingen lassen.

Warum gerade die Bankangestellten?

Bekanntlich sind oftmals nicht die am meisten vom Kapitalismus Geschundenen gleichzeitig auch die Kämpferischsten. Im Gegenteil, in vielen Fällen zeigen tendenziell eher besser situierte Lohnabhängige in Auseinandersetzungen mit dem Kapital den größeren Kampfgeist. Dies hat verschiedene Gründe: Zum einen sind diese Schichten meistens sehr selbstbewusst und schätzen sich selbst sehr wichtig für den kapitalistischen Produktionsprozess ein (was Bankangestellte ja zweifelsohne auch sind). Zum anderen wehren sich Menschen meistens gerade dann, wenn sie schon gewissen Sozialstandards und andere Errungenschaften erreicht haben, und ihnen diese wieder weggenommen werden sollen.

Und genau das geschieht momentan. Und zwar nicht nur bei der Bank Austria-Creditanstalt, sondern auch beim Postbus, bei der ÖBB oder ganz allgemein beim Pensions- und Gesundheitssystem. Hier wäre fatal, wenn sich die verschiedenen Lohnabhängigen gegeneinander ausspielen lassen würden.

"Zuckerl" wie eine 37 Stunden-Woche sind kein ungerechtfertigter Luxus, sondern das gute Recht der BA-CA-Angestellten. Regelungen, die eigentlich in jeder Branche üblich sein sollten. Gemeinsam kämpfen heißt die Devise! Denn was haben schlechter gestellte ArbeiterInnen davon, wenn die Bankangestellten nun länger arbeiten müssen? Allerdings hätten sie einiges davon, wenn sich ihre KollegInnen bei der BA-CA in einem möglichen Arbeitskampf durchsetzen würden. Ein wichtiger positiver Effekt wäre z.B. die Erkenntnis, dass es sich lohnt sich gegen die Angriffe des Kapitals zu Wehr zu setzen.

Weiters würden vielleicht einige erkennen, dass die wahre Ungerechtigkeit nicht zwischen Beschäftigten verschiedener Branchen und Einkommensstufen, sondern zwischen Lohnabhängigen, und denjenigen, die den Mehrwert abschöpfen, der durch unser aller Arbeitsleistung tagtäglich erwirtschaftet wird, besteht. Dazu gehört natürlich auch der Bank Austria-Vorstand. Aber dafür gäbe es bei der BA-CA keine Aktienoptionen, die TopmanagerInnen ein Vielfaches an Zusatzgehalt brächten, so eine Sprecher des Unternehmens. Na dann …

Quellen:
Standard vom 16./17.10., Seite 25
Kurier vom 21.10., Seite 19

 

 

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