MKV – Kaderschmiede der ߖVP

Anlässlich des in Baden bei Wien stattfindenden Bundeskongresses der im Mittelschülerkartellverband (MKV) organisierten Verbindungen vom 28. bis 31.05.2004, werfen wir einen Blick auf die Geschichte und aktuelle Positionen der ÖVP-Kaderschmiede. Besonderes Augenmerk verdient dabei der neue Verfassungsentwurf des Cartellverbands, der Mutterorganisation des MKV.

Der MKV wurde als Verband der katholischen Mittelschülerverbin-dungen gegründet und basiert laut Eigendefinition auf den Grundwerten "Religio, Patria, Scientia und Amicitia" (Religion, Vaterland, Wissenschaft, Kameradschaft) Er bildet jene Kader aus, die in der konservativen Reichshälfte bestimmend sind. Zu den 17.000 Mitgliedern in ganz Österreich gehören viele hochrangige ÖVP-Politiker, die in dieser Kaderschmiede geformt wurden. Erwartungsgemäß zählt auch die JVP (Junge Volkspartei) zu den engen Freunden des MKV, in der konservativen "Schülerunion" hat er bestimmenden Einfluss.

Der MKV ist die Jugendorganisation des CV (Cartellver-band). Gemeinsam zählen sie zu den führenden Vereinigungen der konservativ-katholischen Kräfte in Österreich, deren Ziel es ist, junge heranwachsende Männer darauf vorzubereiten, sich später im Berufsleben gegenseitig zu "helfen". Als Beispiel für den Einfluss des CV seien dessen Mitglieder Alt-Bundespräsident Klestil, Natio-nalratspräsident Khol oder die Landeshauptmänner Pröll und Pühringer (alle ÖVP) genannt.1

Besonders hervorgetan hat sich in jüngster Zeit der CV mit einem neuen Verfassungsentwurf anläßlich des Verfas-sungskonvents.2 In diesem Entwurf fordert er unter anderem die Verankerung eines Abtreibungsverbots, die Einführung von Arbeitspflicht sowie eine erhebliche Beschneidung des Streikrechts (Verbot von politischen Generalstreiks). Beunruhigend dabei: sowohl der Vorsitzende des Verfassungskonvents, Fiedler, wie der Verfassungsgerichts-hofspräsident Ko-rinek gehören dem CV an. Es steht zu vermuten, dass es hier Vorabspra-chen gegeben hat.

Der für 28. bis 31. Mai 2004 angesetzte Pennälertag in Baden bei Wien ist ein weiterer Schritt der rechtskonservativen Elite Österreichs, bestehende Kontakte zwischen Politik und Wirtschaft zu intensivieren und ihr reaktionäres Treiben fortzusetzen. Aus diesem Grund rufen wir zum Widerstand. Wir kämpfen für eine Gesellschaft, die anstatt auf Religio, Patria, Scientia und Amicitia, auf Grundwerten wie Freiheit, Gleichheit, Solidarität und Sozialismus aufbaut!

Der MKV und Frauen

Ein besonderes Merkmal des MKV ist das Frauenverbot in den Verbindungen. Man(n) versteht sich traditionellerweise als Männerverbin-dung. Frauen haben nach ihren sexistischen Wertvorstellungen in Politik und Wirtschaft nichts verloren und entsprechend frauenfeind-lich sind auch ihre Positionen zu Frauenthemen. Als eine Verbindung vor einigen Jahren wagte, sich diesem Verbot zu widersetzen und erstmals in der Geschichte des MKV, Schülerinnen aufnahm, wurde sie sofort aus dem Männerbund ausgeschlossen. Gnädigerweise, besteht heute ein "Freundschaftsvertrag" zu dieser vom Weg abgekommenen Verbindung.

Der MKV und der Faschismus

Die Geschichte des MKV begann im Jahre 1900. 1934 traten die Verbindungen erstmals als MKV auf. In dieser Zeit wurde auch der Bergriff "Pennälertag" geprägt, der den jährlich stattfindenden Bundeskongress der MKV-Verbindungen bezeichnet.

Heute wirbt der MKV gerne mit seinem Kampf gegen das NS-Regime. Doch tatsächlich war er eng mit der österreichischen Variante des Faschismus, dem Austrofaschismus verbunden. MKV-Mitglieder nahmen führende Rollen in austrofaschistischen Organisationen ein, sogar der Arbei-terInnenmörder des BürgerIn-nenkriegs im Februar ´34, Engelbert Dollfuß, war MKV-Mitglied. Dollfuß wird in der ÖVP immer noch hochverehrt, sein Bild hängt sogar im ÖVP-Parla-mentsklub. Das Verhältnis des MKV zum Nazi-Faschismus war also keines zwischen "Demokraten" und "Faschisten", sondern eines der Konkurrenz zwischen Vertretern zweier faschistischer Strömungen.

Die Zeit von 1938 bis 1945 wird seitens des MKV gern übersprungen. Auf den Home-pages der MKV-Verbindungen wird höchstens auf die "eigenen" NS-Opfer verwiesen. Auch die Tatsache, vom NS-Regime verboten worden zu sein, ist ihnen Beweis genug für ihre Opferrolle. Nicht zu leugnen ist dennoch, dass viele spätere NSDAP-Mitglieder aus den Reihen des MKV hervorgingen

 

 

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