Die Rechtsextreme Szene in Österreich

Die Aufmärsche am 13.4. und am 8.5. zeigen, dass sich unter der schwarz-blauen Regierung die extreme Rechte offensichtlich recht wohl fühlt und sich im Aufwind befindet. Kein Wunder, wurde der Aufmarsch am 13.4. noch von Neonazi-Burschenschaftern und Naziskins organisiert, marschiert am 8.5. – unterstützt von den offenen Neonazis – gleich der regierungsnahe Rechtsextremismus mit dem Ring Freiheitlicher Studenten an der Spitze. Von Nazis im Anzug und Nazis mit Glatze…

Seit der polizeilichen Zerschlagung der von Gottfried Küssel geführten "Volkstreue Außerparlamentarische Opposition" (VAPO) und den Prozessen rund um den Briefbombenterror Anfang/Mitte der 90er war es in Österreich, und da besonders in Wien, recht ruhig in dem Teil der Neonaziszene, der zuvor sehr stark auf öffentliche Arbeit gesetzt hatte.

VAPO Kader

Küssel selbst hatte einmal zu oft vor laufender Kamera erklärt, ein Nationalsozialist zu sein. Irgendwann sah sich der österreichische Staat bemüßigt einzugreifen. Ein anderer VAPO-Kader, Hans Jörg Schimanek jr., wurde verurteilt, weil er bei Wehrsportübungen vor laufender Kamera gezeigt hatte, wie Menschen mit dem Messer zu töten wären. Gelernt hatte er das als Ausbildner beim österreichischen Bundesheer. Sein Vater, H.J. Schimanek sen., ein Spitzenfunktionär der FPÖ, hatte übrigens kaum Probleme mit den Ansichten seines Sohnes.

Viele Kader aus diesem Teil der Szene gingen auf Tauchstation, manche wurden Söldner, andere saßen ihre Haftstrafen ab, viele nützten aber auch rechtsextreme Burschenschaften oder den Ring freiheitlicher Studenten als Betätigungsfeld.

Gleichzeitig ließ sich dieses burschenschaftliche Spektrum von der staatstragenden antifaschistischen Mobilmachung (die sich meist primär gegen Naziskins als sichtbaren Ausdruck faschistischer Organisierung richtete) kaum beeindrucken. Kein Wunder, gab es doch mit der FPÖ eine starke parlamentarische Partnerin, die ihre schützende Hand über dieses Spektrum hielt und hält.

Etablierte Nazis

Dieses Spektrum ist aber keineswegs zu unterschätzen. Es bestehen engste Verbindungen in die militante Naziszene, auch der Wehrsportrecke Küssel ist ein sogenannter "Korporierter". Am Offenkundigsten wurden diese Verbindungen während des ersten Briefbombenprozesses. Angeklagt waren Peter Binder (VAPO) und Franz Radl, ehemals Vorsitzender des WKR (Wiener Korporationsring), des Dachverbands der deutschnationalen Burschenschaften in Wien. Ebenjener WKR ist es, der am 8. Mai gemeinsam mit dem Ring Freiheitlicher Studenten (der als "Filiale" der diversen deutschnationalen Verbindungen gilt) und dem Ring Volkstreuer Verbände sein Heldengedenken abhält.

Vorsitzende Burschenschaft ist die einschlägig bekannte Akademische Burschenschaft Olympia, deren Wahl zur vorsitzenden Burschenschaft der DB (Deutsche Burschenschaft, dem Dachverband aller deutschsprachigen, deutschnationalen Burschenschaften), vor einigen Jahren sogar innerhalb dieses Spektrums zu Protesten und Austritten geführt hat.

Publizistische Unterstützung erhält dieses Spektrum etwa durch die Aula, die Zeitung der Freiheitlichen Akademikerverbände, deren AbonnentInnenkartei rund 40.000 Namen enthält. Im Aula-Buchdienst wird v. a. historische Literatur angeboten, darunter Bücher von prominenten RechtsextremistInnen wie z.B. von Peter Dehoust ("Heuchler, Henker, Halunken. Der Nürnberger Prozess vor 50 Jahren").

Neben der Aula, und wesentlich einflussreicher als sie, ist Andreas Mölzers Wochenblatt "Zur Zeit". Mölzer selbst ist ehemaliger FPÖ-Bundesrat und gerngesehener Autor in Kronenzeitung und Presse. Abgerundet wird dieses Spektrum des im öffentlichen Bild etablierteren und akzeptierten Rechtsextremismus unter anderem durch Kameradschaftsverbände, Kärntner Heimatdienst, Landsmannschaften und den Österreichischen Turnerbund (ÖTB).

AFP

Eine Sonderstellung nimmt allerdings die AFP, die "Arbeitsgemeinschaft für demokratische Politik", ein. Sie stellt eine Scharnierorganisation zwischen FPÖ, Burschenschaften und den "Jungs fürs Grobe" dar. In ihrem Lokal in der Koppstraße 72 im 16. Bezirk flog 1992 eine schwerbewaffnete Wehrsportgruppe auf.

Gleichzeitig tauschen sich auf den "Politischen Akademien" der AFP führende FPÖ-FunktionärInnen mit der theoretischen und organisatorischen Führungs-Elite des europäischen Rechtsextremismus und Faschismus aus. Um die Verbindungen abzurunden flog Anfang November 2000 im Zuge eines polizeilichen Routineeinsatzes ein Treffen von rund 50 Neonazis im Lokal der AFP auf. Die von AnrainerInnen wegen einer Rauferei gerufene Polizei traf dort Gottfried Küssel samt seinem vormaligen Stellvertreter in der VAPO, Gerd Endres, an und beschlagnahmte einschlägiges Material. Hintergrund dieses Treffens dürften die Versuche der AFP gewesen sein, verstärkt Jugendarbeit zu machen (im AFP-Keller gibt es regelmäßige Jugendtreffs), da sucht mensch schon mal den Erfahrungsaustausch mit dem Rapid-Platz erfahrenen VAPO-Recken.

In den letzten Jahren kam es auch zu einer (Re-) Organisierung der Naziskinszene. Seit Ende der neunziger Jahre ist Blood & Honour (Blut und Ehre) auch in Österreich aktiv. An der Gründung von Blood & Honour (B&H) war Ian Stuart Donaldson (Skrewdriver) maßgeblich beteiligt. Schon 1984 gründete er den White-Noise-Club (WNC), ein Netzwerk von Bands, KonzertveranstalterInnen und Polit-funktionärInnen, die für neonazistische Musikgruppen professionelle Platten produzierten.

B&H wurde 1987 gegründet und ist sozusagen eine Abspaltung des WNC. Vorerst gab sich B&H als ein Hochglanz-Neonazi-Skinhead-Magazin aus, doch dahinter steckte von Beginn an eine politische Organisation. B&H wurde zu einem bedeutenden Umschlagplatz neonazistischer Ideologie. Ziel von B&H war es von Anfang an international tätig zu sein.

Die österreichische "Division" von B&H hat AktivistInnen in Wien, Tirol und Vorarlberg. Sie gibt eine Zeitung heraus, in der Interviews mit bekannten rechtsextremen Bands und Artikel mit Titeln wie "Judenfahne über Europa" erscheinen.

B&H organisiert regelmäßig Nazi-Skin-Konzerte, vor allem im Westen Österreichs. Immer öfter kommt es auch zu gewaltsamen Übergriffen auf MigrantInnen und Linke, etwa im Dezember 2000 in Vorarlberg. 20 Skinheads stürmten ein linkes Lokal und fügten den Be-sucherInnen teilweise schwere Verletzungen zu.

Beide Spektren des Rechtsextremismus/Faschismus, die akademisch-etablierten und die StrassenschlägerInnen, befinden sich in einem Reorganisierungsprozess. Die Übergänge sind fließend, beide Spektren decken gewisse Zielgruppen ab. Und über allem steht als Beschützerin die FPÖ.

 

 

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