Farbenspiele im ORF

So schön hatte es sich die FPÖ-Spitze vorgestellt, als gemäss der geltenden politischen Farblehre nun auch der ORF umgefärbt wurde. Rot-Schwarz war er, Schwarz-Blau sollte er werden. Geworden ist es – zumindest was die Spitzenpositionen betrifft – ein erzschwarzer ORF, der blaue Einfluß bleibt dennoch nicht zu unterschätzen.

Von den vierzehn Spitzenpositionen, die – die Landesstudios eingeschlossen – im ORF zu vergeben sind, hält die ÖVP nunmehr neun, zwei sind der SPÖ zugeordnet, zwei der FPÖ, eine, die neue Wiener Landesinten-dantin Wolf, gilt politisch als unbeschriebenes Blatt (war allerdings Mitarbeiterin des ehemaligen konservativen Generalintendanten Gerd Bacher). Damit hat die ÖVP einen klaren Sieg eingefahren, die FPÖ hat sich durch interne Querelen selbst ins Aus manövriert. FP-Klubchef Westenthaler setzte auf die neue Generalintendan-tin Lindner, Haider wollte es doch noch mal mit Ex-Chef Weis versuchen, der sich in den letzten Monaten den FP-Interventionen nur mehr zögerlich entgegensetzte, hoffte er doch insgeheim auf eine Wiederwahl.

ÖVP gewinnt

Nach der Wahl ist nun die VP ihrem Ziel, den ORF zu kontrollieren, sehr nahe gekommen. Gebraucht wird er vor allem als Gegenmacht zur Krone. Ihr Herausgeber Dichand hatte die FPÖ zwar immer als den Hund gesehen hatte, der bellen sollte, wollte ihn aber nicht zum Beissen in die Regierung lassen. Stattdessen wollte er 2000 eine weitere rot-schwarze Regierungsperiode durchboxen. Seine Verweigerung dieser Option bezahlt Schüssel nun mit permanenter negativer Berichterstattung in der Krone, die jeden Tag immerhin von mehr als zwei Millionen Menschen gelesen wird. Da kommt ein ORF, der willfährig berichtet, gerade recht. In Oberösterreich etwa wird es weltanschaulich leicht werden. Der Landes-ORF wird von einem Religionslehrer geführt, der als enger Vertrauter von Landeshauptmann Pührin-ger gilt. Dem Landeschef Ober-mayr steht als Chefredakteur ein hoher Funktionär der Katholischen Männerbewegung zur Seite, im ORF-Stiftungsrat wird das Land durch die Vorsitzende der katholischen Frauenbewegung vertreten. Ein Schelm, wer katholisch dabei denkt.

Einfluss der FPÖ

Weniger gut haben es die Blauen erwischt. Gerade einmal zwei Spitzenpositionen können sie für sich verbuchen. Einer davon, Gerhard Draxler, ehemaliger Kärntner Landesintendant und nunmehriger Informa-tionsdirektor, ist zudem eine recht seltsame Gestalt. Aus der SPÖ kommend zählt er mittlerweile Jörg Haider zu seinen Freunden und war als Intendant für das Abspielen von Haider-Propagandavideos zuständig, die von der FPÖ produziert wurden.

Es heißt allerdings, dass gerade frisch Konvertierte ihren neuen Herren besonders gut dienen. Das lässt angesichts der zentralen Position Draxlers und der Wünsche der FPÖ Schlimmes vermuten. Besonders ins Visier der FPÖ sind in den letzten Monaten die Betrifft-Redaktion und die ZIB 3 geraten, wobei sich vor allem zweitere durch eine – im Vergleich zum Rest des Programms – durchaus kritische Berichterstattung auszeichnet. Im profil-Interview kündigte Draxler dementsprechend bereits die Überprüfung der „Kostenstruktur und Zuschauerquoten“ an.

Um den FP-Einfluß sicherzustellen, wurde Draxler mit Walter Seledec ein verläßlicher Haider-Mann als zentraler Chefredakteur zur Seite gestellt. Voraussichtlich werden auch noch einige weitere FP-Leute in Positionen der zweiten und dritten Führungsebene aufsteigen, mit denen die FPÖ ihre Tränen über die wenigen Spitzenpositionen trocknen kann.

Immerhin werden in Zukunft die permanenten Beschwerden der FPÖ über die Berichterstattung der ORF-Information wahrscheinlich zurückgehen, für den Mangel an Notwendigkeit werden Draxler und Seledec schon sorgen. Bisher waren Interventionen von FP-Klubchef Westenthaler (mehr dazu am Ende der Seite), ja fast schon fixer Bestandteil jeder ORF-Informationssendung.

Jüngst fand sich dabei allerdings auch eine Stilblüte, die Hilmar Kabas vor Freude einen Sicherheitscheck in einem Bordell machen lassen würde. Westenthaler drohte jüngst einem ORF-Redakteur bei einer Intervention laut dessen Aussage mit den Worten: „dann gibt es Stunk“. Auf Nachfrage erklärte er allerdings, „dann kommt die Trunk“ gesagt zu haben. Warum allerdings Wes-tenthaler im Zuge einer Intervention mit der Kärntner SP-Frau Melitta Trunk droht, konnte er nicht näher erklären. Alles hump?

 

 

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