–„ … der Jude in der Burschenschaft keinen Platz–”

Die Ernennung von Gerald Waitz zum Pressesprecher des österreichischen Justizministers hat wieder einmal gezeigt, welchen Einfluss Burschenschaften in der Politik haben. Waitz ist Mitglied der Burschenschaft Brixia, einer rechtsextremen, schlagenden Verbindung. Und diese Liste derer, die in ihren „wilden Zeiten” Mensuren fochten und nationalsozialistisches Gedankengut verbreiteten und heute hohe Ämter bekleiden, lässt sich endlos lang fortsetzen.

Einige Burschenschaften distanzieren sich heute (wenn auch nur halbherzig) vom Nationalsozialismus und begründen dies mit der Auflösung aller Burschenschaften unter den Nazis. Dies entspricht allerdings nicht ganz der Wahrheit. Viele Verbindungen wurden in nationalsozialistische Organisationen eingegliedert, Widerstand gab es kaum. Viele Burschenschafter übernahmen sogar Führungsrollen innerhalb der SA und SS. So zum Beispiel das Mitglied der Grazer Burschenschaft Arminia, Ernst Kaltenbrunner, vor welchem sich die Bur-schenschafter noch heute in Ehrfurcht verneigen. Kalten-brunner trat 1921 der Arminia bei. 1937 übernahm er das Oberkommando über die österreichische SS und war maßgeblich an der Verfolgung und Ermordung tausender österreichischer Juden und Jüdinnen beteiligt.

Viele “Bundesbrüder” machen auch kein Hehl daraus, wo ihre Wurzeln liegen und welcher politischen Gesinnung sie angehören. So meinte etwa der FPÖ-Nationalratsabgeordnete Wolfgang Jung: „Ich glaube nicht an die österreichische Nation. Von der Abstammung her bin ich ganz eindeutig Deutscher.” Für eine “Moralkeule” hält der ebenfalls blaue NR-Abgeordnete und „Alter Herr“ der rechtsextremen Olympia, Martin Graf, das NS-Ver-botsgesetz.

Burschenschaften und FPÖ

Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus sind heute selbstverständliche Bestandteile der meisten Burschenschaften. So lud die Burschenschaft Olympia vor einigen Jahren mit den Worten „es gibt Spaß mit rassistischen Witzen” zu einem Erstsemestrigenfest. Aber auch andere Verbindungen wie die Innsbrucker Suevia, der unter anderem der Ehemann von Susanne Riess-Passer, Michael Passer, angehört, tun sich hier hervor. Die Suevia lehnte es noch 1960 offiziell ab, „Nichtdeutsche“ aufzunehmen. Somit, so heißt es in einem Brief der Suevia, hat „auch der Jude in der Burschenschaft keinen Platz”. Noch heute befällt die Mannen der B! Suevia auf ihrer Homepage „besonderer Schwermut”, wenn sie an Südtirol denken. Der Verlust des „deutschesten aller deutschen Grenzländer” ist für sie noch immer eine „blutende Wunde in der Seele unseres Volkes”.

Auch in Jörg Haiders Verbindungen soll zu seiner aktiven Zeit ähnliches Gedankengut geherrscht haben. Auf der Bude seiner Mittelschulverbindung, der Bad Ischler Albia, soll laut Angaben eines Schulkameraden Haiders lange eine Strohpuppe mit der Aufschrift “Simon Wiesenthal” für Fecht-übungen aufgestellt gewesen sein. Haider kann sich an Derartiges nicht erinnern, Kurt Waldheim lässt grüßen. Ob er sich nun daran erinnern kann oder nicht, Haider ist (laut Homepage der Olympen) auch heute noch ein beliebter Redner auf Veranstaltungen der rechtsextremen Olympia. Ob diese Puppenspiele bei der Al-bia nun an der Tagesordnung waren oder nicht, einigen missfiel die Stimmung in der Albia und später in der akademischen Burschenschaft Silvania, der Haider später angehörte. Hai-ders Ex-Bundesbruder Helmut Peter meinte etwa: „Deutschnationalismus und Antisemitismus waren in diesen Verbindungen untrennbar miteinander verknüpft. Als die Sache rechtsextrem wurde, bin ich ausgetreten.”

Einem Bericht des Innenministeriums war einmal zu entnehmen, dass „die Agitation der Verbindungen den Versuch erkennen lässt, Akzeptanz für nationalsozialistisches Gedankengut zu schaffen.” Kein Wunder also, dass aus dem national-freiheitlichen Lager seit Regierungsantritt immer wieder zumindest implizite Forderungen an die Regierung herangetragen werden, den Burschenschaften doch den einen oder anderen Gefallen zu tun. Das Wochenblatt von Haiders Kulturberater Andreas Mölzer (seines Zeichens Mitglied des Akademischen Corps Vandalia Graz), „Zur Zeit”, rief die Burschenschafter in der Regierung unverhohlen dazu auf, die „Gesinnungsschnüffelei” im Innenministerium abzustellen.

Doch auch innerhalb der SPÖ gibt es Politiker die ihre Wurzeln in rechtslastigen Verbindungen haben. Der Wiener Bürgermeister Michael Häupl etwa gehörte in seinen Jugendjahren der freischlagenden Pennälerverbindung Rugia in Krems an. Warum der ehemalige katholische Internatsschüler ins blaue Lager gewechselt war und sogar zum Sprecher der Rugia aufstieg, beantwortete Häupl gegenüber dem „Falter” so: „Das waren einfach die wilderen Hund.” Nach und nach entfremdete sich Häupl aber von seiner Burschenschaft und stieg schließlich aus, weil er sich immer mehr an Liedtexten wie „Franzosenschädel spalten” und „Schmeißt sie raus – die Juden” stiess.

Wahnfried richtets’ schon

Welchen Einfluss Burschenschaften in der Politik haben, lässt sich beispielsweise an der Tatsache ablesen, dass der ehemalige Burschenschafter Harald Eisenmenger, in Burschen-schafterkreisen „Wahnfried” genannt, seines Zeichens Oberstaatsanwalt, in der Spitzelaffäre ermittelte. Eisenmengers bisherige politische Aktivitäten ließen nicht gerade auf kritische Distanz zum rechten Spektrum schließen. In seiner Jugendzeit unterstützte er die wegen NS-Wiederbetätigung verbotene ANR (Aktion Neue Rechte). Dies bezeichnet er heute als Jugendsünde. Im Arminen-Circular stellte Wahn-fried 1994 fest: “Wir lassen es uns von den roten Faschisten und ihren bürgerlichen Komplizen im CV nicht nehmen, normal zu sein.”

1997 schickte er seinen Corpsbrüdern eine Liste mit Arminia Mitgliedern, denen “stets ein ehrendes Angedenken bewahrt werden sollte”. Unter den von Eisenmenger geehrten Mitgliedern befanden sich der Gestapo-Chef von Rom, Herbert Kappler, der für die Deportation von tausenden Juden verantwortlich war, der NS-Luftwaffenkommandant Ulrich Rudel und der Kriegsverbrecher Walter Reder. Nach Bekanntwerden dieser Liste 1999 trat Eisenmenger aus der Arminia aus. Danach wurde er zum Oberstaatsanwalt befördert.

Ein Jahr später saß Eisenmenger mit seinen Freunden von der Arminia allerdings wieder in trauter Runde beisammen. Im Esterhazykeller wurde getrunken und diskutiert. Als er plötzlich einen Mann in der Nebenloge entdeckte, der aufgrund der ominösen „Ehrenlis-te” die Arminia verlassen hatte, verlor er die Beherrschung: „Zur Hölle mit den Feinden der Arminia.”

Burschenschafter in der FPÖ

Jörg Haider, Landeshauptmann,
Albia Bad Ischl, Silvania Wien

Herbert Haupt, Frauenminister,
LM Kärnten zu Wien

Dieter Böhmdorfer, Justizminister,
Silvania Wien

Reinhart Waneck, Gesundheitsstaatssekretär,
Wartburg zu Wien

Ewald Stadler, FP-Landesrat NÖ,
US Skalden Innsbruck

Andreas Mölzer, Kulturbeautragter Haiders in Kärnten,
Vandalia Graz

Martin Graf, Nationalrat,
Olympia Wien

Hans Achatz, FP-Parteiobmann OÖ,
Libertas Wien

Helmut Kowarik, Gemeinderat Wien,
Aldania Wien

Was sind Burschenschaften?

Einigen Verbindungen kann man einen liberalen Ursprung nicht absprechen. So waren zum Beispiel Karl Marx oder der ArbeiterInnenführer Ferdinand Lassalle Burschen-schafter. Doch mit der gescheiterten Revolution von 1848 verblasste der reformerische Elan. An die Stelle der Liberalität traten Nationalismus und Antisemitismus. Die wenigen jüdischen Burschenschafter gerieten durch das Prinzip der Rassenreinheit zusehends ins Abseits. So waren Victor Adler und Theodor Herzl gezwungen, ihre Verbindungen zu verlassen.

Heute sind die Verbindungen in zwei Lager gespalten. Einerseits gibt es die katholischen Verbindungen des CV (Cartell-verbands) mit ihrer Jugendorganisation, dem MKV (Mittel-schülerkartellverband), der in der VP-nahen Schülerunion bestimmende Positionen hält. Der CV galt lange Jahre als stramm-rechte Kaderschmiede der ÖVP, und stellte zahlreiche Obmänner, unter anderem Alois Mock. In den letzten Jahren ist sein Einfluss allerdings zurückgegangen. Eine Ausnahme von der Regel CV = ÖVP, Deutschnationale = FPÖ bildet Wirtschaftsminister Bartenstein, er verbrachte seine Jugend in der deutschnationalen Verbindung „Akademischer Turnverein Graz”.

Demgegenüber stehen die deutschnationalen schlagenden Verbindungen, wobei es hier Burschenschaften (B!), Sängerschaften, Turnvereine, Corps und für die Jugendlichen Pennälerverbindungen gibt. „Schlagend” bedeutet, dass bei diesen Verbindungen Mensuren ausgetragen werden, bei denen die Kontrahenten miteinander fechten und sich „Schmisse“ zufügen. Neben den ideologischen Unterschieden ist dies einer der Gründe, warum die deutschnationalen Verbindungen oft auf die katholischen herabsehen. „Die fuchteln doch bloß mit dem Schläger herum, das ist wie onanieren”, meint Leopold Schöggl, langjähriger hochrangiger FP-Funktionär in der Steiermark.

Die Deutschnationalen sind in einigen Dachverbänden organisiert. Der wichtigste sind die „DB”, die „Deutschen Burschenschaften”, dem auch die meisten österreichischen Verbindungen angehören. Die Verbindungen, denen die DB noch zu wenig rechts sind, haben sich innerhalb der DB als Fraktion zur „BG” (Burschenschaft-liche Gemeinschaft) zusammengeschlossen, hier spielt die Wiener Olympia eine bestimmende Rolle.

Innerhalb der FPÖ spielen die verschiedene Verbindungen eine relevante Rolle, rund 20% der FP-Nationalratsabgeordneten sind so genannte „Korporierte”.

 

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.