Verrecken für den Profit: Die Pharmakonzerne und die –„Dritte Welt–”

Weltweit sind mehr als 40 Mio. Menschen HIV-positiv. Rund 25 Mio. davon leben im südlichen Afrika. Im Jahr 2001 haben sich 5 Mio. Menschen mit der Immunschwächekrankheit neu infiziert, davon 90 Prozent in den Entwicklungsländern. In Botswana sind rund 40% der erwachsenen Bevölkerung HIV-positiv, in Zimbabwe 25% und in Sambia und Südafrika rund 20%. In Österreich dagegen leben momentan 844 Menschen, die an AIDS erkrankt sind.

 Diese enormen Unterschiede liegen sowohl an der fehlenden Aufklärung über Prävention als auch am mangelhaften Gesundheitswesen in sogenannten Dritte-Welt-Ländern. Verschiedene Hilfsorganisationen versuchen die gesundheitliche Lage der Menschen dieser Länder zu verbessern, scheitern aber meist an einem Problem: den Preisen der Medikamente. Durch das Patentrecht, das auf Wirkstoffe ausgegeben wird, ist es nicht möglich, diese Medikamente günstig herzustellen.

Die Alternative wären Generi-ka. Sie sind Nachahmeprodukte von patentierten Medikamenten, die meist denselben Wirkstoff enthalten und in derselben Form produziert werden. Sie sind im Normalfall wesentlich billiger herzustellen, doch schützt das Patent auf den Wirkstoff die Pharmakonzerne davor, dass die billigeren Generika hergestellt werden.

Länder und Hilfsorganisationen sind nicht in der Lage, die teuren Patentprodukte zu kaufen, genausowenig wie sie in der Lage sind, Patentrechtsklagen auszufechten. Die Finanzkraft verschiedener Länder lenkt auch die Richtung der Forschung der Industrie. Wirkstoffen gegen „Armenkrank-heiten” sind nicht rentabel. Demzufolge widmen sich die Konzerne der Erforschung von Krankheiten die hauptsächlich in Industrieländern auftreten.

WTO und Trips

Bei der WTO-Konferenz im November 2001 wurde beschlossen, das Trips-Abkommen (WTO-Abkommen zum Schutz geistigen Eigentums) nicht zu ändern. Dieses Abkommen regelt die Patentrechte und damit auch die Ausgabe von Generika.

Vier Fünftel der WTO-Mitgliedstaaten fordern eine Lockerung des Patentrechtes für Entwicklungsländer. USA und EU stellen sich gegen diese Lockerung, da sie eine Aufweichung des Patentschutzes befürchten. Zwei Optionen standen bei der Konferenz zur Wahl: Die erste hätte Regierungen künftig erlaubt, jederzeit das Abkommen zu brechen, um die Gesundheit der Bevölkerung zu garantieren. Die zweite, von EU und USA getragen, zielt darauf ab, dass bestehende Möglichkeiten im Trips-Abkommen, den Patentschutz zu umgehen, ausdetailliert, aber nicht geändert werden. Artikel 31 des Trips-Abkommens sieht vor, dass die betroffenen Länder erst nach vergeblichen Verhandlungen mit dem Patentinhaber alternative Lizenzen vergeben dürfen. Der Patentinhaber muss dennoch entschädigt werden. Die Lizenz darf nicht exklusiv an andere Hersteller vergeben werden. Sie darf zudem nur für die Versorgung nationaler Märkte gelten.

In der EU votierten vor allem Deutschland und Großbritannien gegen Option eins. Trips las-se die Erteilung von Zwangslizenzen zur Herstellung wichtiger Medikamente bereits zu. Die Bedingungen müssten nur genauer definiert werden. „Es wäre ein Fortschritt, wenn akute Gesundheitskrisen als nationale Notlage interpretiert werden könnten”, sagte Staatssekretär Gerlach.

Erst dieses Jahr wurde eine Klage von 39 Pharmakonzernen gegen die südafrikanische Regierung bedingungslos zurückgezogen. Die Regierung verabschiedete vor 3 Jahren ein Gesetz, das den Gebrauch von Generika erlaubt. Seither prozessierten die Pharmaunternehmen gegen dieses Gesetz, doch mussten sie nun, aufgrund massiver internationaler Proteste, die Klage fallen lassen.

Selbstmedikation?

Helfen die billigen Mistelextrakte aus dem Supermarkt gegen Ischias, und die roten Pillen, die seit Jahren im Küchenschrank lagern, könnten sie nicht vielleicht auch den Bluthochdruck senken? Das könnte ein Auszug aus einem alltäglichen Gespräch zwischen SeniorInnen sein. Umfragen zufolge steigt der Trend zur Selbstmedikation seit der Erhöhung der Rezeptgebühren drastisch an. Immer mehr Menschen verweigern den Weg zum/zur Arzt/Ärztin und greifen lieber zu „altbewährten Hausmittelchen”. Viele Medikamente, die von ÄrztInnen verschrieben werden, lösen die PatientInnen niemals ein. Das bedeutet allerdings, dass keine Therapie stattgefunden hat.

In Österreich stieg der Umsatz an Medikamenten durch Selbstmedikation von 0,21 Mio. € 1994 auf 0,31 Mio. € 1998. Damit liegt Österreich im Vergleich zu anderen europäischen Ländern noch im unteren Bereich. Dieser Trend ist für die Pharmaindustrie höchst begrüssenswert, birgt für die VerbraucherInnen allerdings Risken. So lassen sich, nach Auskunft der deutschen Ärztekammer Nierenschäden bei 6.000 der 30.000 dialysepflichtigen PatientIn-nen auf den regelmäßigen Konsum von Kombinationsschmerzmitteln zurückführen.

 

 

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