Die “Neue Akropolis”

Seit einigen Jahren sind sie auch in Österreich zu bewundern – die Plakate der "Neuen Akropolis" (NA). Neben dem Logo, daß einen griechischen Tempel darstellt, wird für Veranstaltungen über keltische Kultur oder fernöstliche Mystik geworben. Doch was steckt dahinter?

 Musikinstitut Tristan, Kulturwerkstatt Athanor, Puppentheater Gemon. Nach außen tritt die Neue Akropolis mit wohlklingenden Namen auf. Angeboten werden unter anderem Meditationskurse, Tarotkartenlegen und Qi Gong. Allerdings steckt hinter dieser Fassade eine geballte Ladung rechtsextreme Ideologie, und im internem Schulungsmaterial findet sich neben wüstem Rassismus so manches Hakenkreuz.

Die Neue Akropolis wurde 1957 in Buenos Aires (Argentinien) von Jorge Angel Livraga Rizzi gegründet. Über das faschistische Spanien gelangte die Sekte Anfang der 70er nach Europa. Inzwischen gibt es nach Angaben der NA ca. 200 Niederlassungen in über 50 Ländern sowie 10.000 aktive Mitglieder. Seit Livargas Tod 1991 ist Delia Steinberg Guzman Oberhaupt der NA. 1978 entstand rund um Maria Paz de Benito die erste NA Gruppe in Österreich. Inzwischen gibt es Zentren in Wien, Graz, Bruck an der Mur, Linz und Innsbruck.

Livarga selbst rühmte sich, beim Putsch in Chile auf Seiten des Faschisten Pinochet gestanden zu haben. Das paßt auch zu den Publikationen der Spanischen NA, die verkündete, dass "die Möglichkeit zur politischen Wahl Spanien" zerstört habe und "seine Retter Primo de Riveira und Francisco Franco" gewesen seien. Folgerichtig griff der angeblich paramilitärisch organisierte Sicherheitsdienst der NA auch Spanische AntifaschistInnen an.

Gibt sich die NA nach außen hin tolerant und vielseitig, so erfährt mensch aus Ihren Schriften was sie z.B. über kritische KünstlerInnen und den Nationalsozialismus denken: "Der Ausgang des 2. Weltkrieges sowie die Entstellung und Verzerrung der Kriegsereignisse in den Jahren danach führten zu einem wuchernden Wachstum der in jedem Menschen psychologisch latenten Instinkte und Gedankenformen. Diese Gedankenformen vereinigten sich (…) zu Tumoren (…) wie Sartre (…) Kafka oder (…) Picasso (…) Dazu kam noch eine wachsende physische und geistige Verschmutzung der Umwelt, so daß die Generationen der Nachkriegszeit schließlich über das Gute, die Schönheit und die Gerechtigkeit nicht mehr hörten und wußten."

Die Gedanken, die Livarga in seinen zahlreichen Publikationen niedergeschrieben hat, basieren stark auf der sogenannten Theosophie, begründet von Helena Blavatsky. Blavatsky (auf deren Ideologie sich auch die Nazis stützten) vertrat eine rassistische Ideologie, welche die Menschheit in sechs "Wurzelrassen" aufteilt, wobei die "arische Rasse" die am Höchsten stehende ist. Ziel ist die Schaffung von "Übermenschen" die die Welt mittels einer totalitären "monarchisch-aristokratischen" Regierung führen. Die Kinder sollen ab dem vierten Lebensjahr den Eltern weggenommen werden und in den Lehren Livargas erzogen werden. Männer müssen von 19-26 in einer sogenannten Friedensarmee dienen. Verstoße gegen diese Regeln werden streng bestraft.

Die NA hat auf diese Vorwürfe reagiert und gibt sich nach außen vielfältig, bunt und antifaschistisch. So organisierte die NA unter anderem Gedenkreisen nach Dachau. Das ist auch eine der Problematiken bei der Beurteilung der NA: Viele ihrer SymphatisantInnen sind subjektiv AntifaschistInnen oder gar "Linke", die gerne über fernöstliche Kultur und Philosophie plaudern möchten. Allerdings sind diese aufgrund der straff hierarchischen Organisation von allen Entscheidungen ausgeschlossen. Nach und nach werden diese dann mit der Kernideologie vertraut gemacht und eingebunden. Deshalb ist gerade bei der Neuen Akropolis die Information und Aufklärung eines der wichtigsten Kampfmittel.

 

 

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