Es gibt sie noch… Der Handel mit SklavInnen blüht

27 Millionen Menschen sollen es laut einer vorsichtigen und strengen Schätzung von Kevin Bales, einem der führenden SklavInnenexperten, sein, die weltweit momentan versklavt sind. Trotz der Tatsache, dass Sklaverei weltweit verboten ist, gibt es heute mehr SklavInnen als im 19. Jahrhundert, zur Zeit des transatlantischen SklavInnenhandels. Diese Masse übersteigt die EinwohnerInnenzahl von Kanada bzw. bedeutet sechsmal die Bevölkerung von Israel.

Es ist zwar heute nicht mehr möglich „legal” SklavInnen zu besitzen und es wird auch beim Kauf einer Person – anders als vor 200 Jahren – keine Quittung oder Eigentumsurkunde verlangt, denn die Sklaverei hat sich in einigen sehr grundlegenden Punkten verändert. Doch der Handel mit den SklavInnen ist weiter ein florierenden Geschäft.

Alte und neue Sklaverei

In den Ländern, in denen seit 1945 ein rasanter Anstieg der Bevölkerung zu verzeichnen war, und Armut sich ausbreitete, ist heute Sklaverei am Häufigsten anzutreffen.

Durch den Überschuß an potentiellen SklavInnen sind sie jederzeit auswechselbar und somit auch nicht viel wert, wie wir schon vom Prinzip von Angebot und Nachfrage wissen. Der Wert der SklavInnen ist auch einer der großen Unterschiede zum transatlantischen SklavInnenhandel.

Dadurch, dass SklavInnen um 1850 den drei- bis sechsfachen Wert hatten, als der Jahreslohn einer/s amerikanischen Arbeiterin/s betrug, war auch das Interesse der SklavInnenhalter vorhanden, diese „Investition” rechtlich zu schützen. Dieser Wert machte es rentabel, eine/n Sklaven/in zu stehlen oder ihn/sie wieder einzufangen wenn diese/r floh.

Die Tatsache, dass diese Personen heute illegal besessen werden, hat auch Vorteile für die SklavInnenhalter. Sie bestimmen über die SklavInnen, ohne Verantwortung übernehmen zu müssen. Sobald die Personen nicht mehr arbeiten können, werden sie „weggeworfen”, in nicht wenigen Fällen auch umgebracht.

Durch dieses Überangebot an potentiellen SklavInnen verkürzt sich auch die Dauer ihrer Versklavung. Einer/m Sklavin/en Medikamente zu kaufen, kann schon mehr kosten als sich einfach eine/n neuen zu kaufen. War es früher billiger, von eigenen SklavInnen Kinder großzuziehen, anstatt erwachsene SklavInnen zu kaufen, so schmälern die Kinder heute nur den Gewinn und werden oft verkauft. Was sich rasant verändert hat, ist die Gewinnspanne, welche SklavIn-nen einbringen. Von 5% um 1800 auf heute 50% ist der Gewinn gestiegen, den die am Feld arbeitenden SklavInnen einbringen. Die zur Prostitution gezwungenen Frauen bringen dem Bordellbesitzer 800% ihres „Kaufwertes” an Gewinn pro Jahr ein und müssen oft zwischen fünf bis zehn Jahre in Gefangenschaft bleiben (Berechnung aus Thailand). Sind sie dann zu alt oder haben sich mit HIV infiziert, werden sie in eine Welt geworfen, die ihnen oft fremd ist.

Rassismus und Sklaverei

Damals wurden ethnische bzw. rassistische Vorurteile verwendet, um Sklaverei zu rechtfertigen. Sie mussten erklären, warum das Ideal der freien Welt nur für Weiße gelte. Dabei ging es nicht um den „Unterschied“, sondern darum, sich abzugrenzen.

Heute wird die Versklavung der Menschen nicht mehr mit Religion, Sprache, verschiedenen Bräuchen oder mit Hautfarbe ar-gumentiert. Das, was alle Sklav-Innen verbindet, ist Armut und das, was alle SklavInnenhalter verbindet, ist Reichtum. Der Grund dafür ist wirtschaftliche Ausbeutung im großen Stil. Sklaverei ist nicht zu vergleichen mit schlechten Arbeitsbedingungen. Lohnarbeit kann nie mit SklavInnenarbeit konkurrieren.

Ein weiterer Aspekt muß hier berücksichtigt werden. Wenn in einem Land viel Arbeit von SklavInnen getan wird, drückt dies natürlich auch auf das Gehalt der „normalen” Lohnarbei-terInnen. Oft müssen die Ar-beiterInnen in Krisenzeiten (Krankheit, Ausfall von Ernte) einen Kredit aufnehmen, können diesen dann nicht zurückzahlen und kommen selbst in Schuldknechtschaft. Weitaus billiger, und auch nicht mit so vielen Gefahrenquellen verbunden, ist es, Personen aus dem eigenen Land zu versklaven (Transportwege) und so gibt es oft keine (oder nur noch religiöse) Unterschiede zwischen SklavInnenhaltern und SklavInnen. Wo sind die SklavInnen?

Von den 27 Millionen SklavIn-nen leben ca. 15-20 Millionen in Indien, Pakistan, Bangladesch oder Nepal in Schuldknechtschaft (siehe Kasten unten). Sonst konzentriert sich die Sklaverei auf Südostasien, Nord– und Westafrika und Teile von Südamerika. Grundsätzlich kann gesagt werden, dass es in allen Ländern Sklaverei gibt also auch in Europa und anderen Industrieländern.

Geschätzt wird, dass ca. 3000 HaussklavInnen und Dienst-botInnen in Paris und weitere 1000 in London festgehalten werden. Kürzlich wurde bekannt, dass in Birmingham und Manchester versklavte Frauen zur Prostitution gezwungen wurden und sich in den USA LandarbeiterInnen als Feld-sklavInnen herausstellten.

Einfluß am Weltmarkt

Etwa bei 13 Milliarden Dollar (ca. 312 Milliarden Schilling) liegt der weltweit jährliche Gewinn den SklavInnen erwirtschaften. Auch viele Firmen, die auf dem österreichischen Markt ihre Produkte anbieten, profitieren direkt und/oder indirekt von der SklavInnen-arbeit.

Bei der Erzeugung von Einzelteilen für elektronische Geräte, Textilwaren, vor allem in der Sportartikelindustrie, sowie im Lebensmittelbereich, etwa beim Zuckerrohr wird SklavIn-nenarbeit vermutet.

Diese Billigstarbeit wirkt sich einerseits auf niedrige Preise der Endwaren auf „unseren” Märkten aus, andererseits vergrößert sie den Profit der UnternehmerInnen. Der Kampf gegen die Sklaverei ist also nicht nur ein Kampf für Menschenrechte, sondern vor allem der Kampf gegen den Kapitalismus.

Drei verschiedene Formen der Sklaverei

-) Leibeigenschaft: Diese Form kommt der “alten” Sklaverei am Nächsten. Sie kommt am Seltensten vor und die Menschen werden in diese spezielle Form der Ausbeutung hineingeboren, verkauft (oft auch von Angehörigen) oder eingefangen. Die Menschen, welche unter dieser Form der Sklaverei einzuordnen sind, bleiben oft ihr Leben lang SklavInnen. Werden Kinder geboren, werden sie meistens verkauft.

-) Vertragssklaverei: Es werden den Angehörigen oder auch den zukünftigen SklavInnen (so sie nicht mehr Kinder sind) Verträge vorgelegt, in denen ihnen ein Arbeitsplatz in einem Restaurant oder in einem Geschäft versprochen wird. Dieser Vertrag ist hauptsächlich als Köder zu sehen, denn sobald sie von ihrem Dorf weggebracht sind, erkennen sie, dass sie nicht, wie versprochen, eine geregelte Arbeit bekommen, sondern versklavt sind und mit Gewalt dazu gezwungen werden, für ihre SklavInnenhalter zu arbeiten.

In Thailand werden Mädchen, die sich in Vertragssklaverei befinden, in der Regel an Bordelle weiterverkauft – wobei die Gewinnspanne für den Vermittler/die Vermittlerin 100% des Kaufwertes beträgt. Der Vertrag gibt dem SklavInnenhandel einen Hauch von Legalität und es ist auch ein Druckmittel: Sollten die SklavInnen unangenehme Fragen stellen, wird ihnen der Vertrag gezeigt. Bei dieser Form ist die Bewegungsfreiheit fast zur Gänze eingeschränkt und Gewalt spielt eine noch wichtigere Rolle als bei den anderen Formen der Sklaverei. Oft wird den SklavInnen erzählt, sie müssen jetzt ihren Kaufwert plus Zinsen abarbeiten, bis sie wieder gehen dürfen – wann das Geld abgearbeitet ist, liegt allerdings in der Hand des SklavInnenhalters.

-) Schuldknechtschaft: Das ist die am öftesten vorkommende Art der Sklaverei. Personen verpfänden sich gegen einen Kredit oder erben die Schulden von Verwandten. Die Art und Dauer der Versklavung ist nicht festgelegt und wieder nur vom SklavInnenhalter abhängig.

 

 

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