Kapitalistische Entwicklung und Krisen (M 14)

Eine marxistische Kritik der "Regulationstheorie", die britischen Marxisten Robert Brenner (Mitherausgeber von New Left Review) und Mark Glick versus die französischen Begründer der "Regulationsschule" Michel Aglietta, Robert Boyer und Alain Lipietz. Eine Auseinandersetzung mit den Modellen (Akkumulationsregime, Regulationsweise, Fordismus, Hegemonie etc.), wie sie von dern Regulationisten (im deutschen Sprachraum Elmar Altvater und Joachim Hirsch) zur Erklärung der kapitalistischen Entwicklung verwendet werden. Vorangestellt eine Einführung in die "Regulationstheorie". Außerdem: Rezensionen und Diskussion.

Spätestens seit dem Ausbruch der Asienkrise ist auch den Ökonom/inn/en der herrschenden Klasse klar, daß die Weltwirtschaft vor ernsten Problemen steht. Um aber über die hilflose Beschreibung von wirtschaftlichen Abläufen hinauszukom-men und die weiteren Entwicklungsperspektiven des kapitalistischen Weltsystems verstehen zu können, ist es unumgänglich, sich über die Bewegungsgesetze des Kapitalismus in diesem Jahrhundert klar zu werden. Eine Möglichkeit dafür bietet die Regulationsschule. Diese Strömung ist in den 70er Jahren in Frankreich in der akademischen Linken rund um Michel Aglietta, Robert Boyer und Alain Lipietz entstanden. Sie hat mit ihrem Erklärungsansatz für die kapitalistischen Entwicklung (insbesondere nach 1945), der sich auf Begriffe wie Akkumulationsregime, Regulationsweise, Hegemonie und (Post-) Fordismus stützt, in den letzten Jahren besonders auf den Universitäten explizit und implizit weite Verbreitung gefunden. Ihre Vorstellungen wirken bis hinein in die links-intellektuellen Teile von Sozialdemokratie, Gewerkschaften und insbesondere den Grünen. Nicht zufällig ist Lipietz ein wesentlicher Berater der französischen Grünen, die sich dort an der kapitalistischen Regierung beteiligen. Im deutsch-sprachigen Raum haben sich Elmar Altvater und Joachim Hirsch zu den bekann-testen Vertreter/inne/n der Regulationsschule entwickelt und üben auf die Meinungs-bildung von Teilen der Linken eine nicht unwesentliche Wirkung aus. 

Da nicht wenige systemkritische, potentiell antikapitalistische Linke bewußt oder unbewußt von der Regulationsschule beeinflußt sind und die "Regulationisten" ja auch tatsächlich ein ernsthaftes Erklärungsmodell für die Entwicklung des Kapita-lismus anbieten, ist es auch für Marxist/inn/en sinnvoll und notwendig, diese Konzeptionen auf ihre Brauchbarkeit zu überprüfen. In dieser Nummer von Marxismus wollen wir dabei nicht die Kritik an den reformistischen politischen Vorschlägen eines Alain Lipietz, Elmar Altvater oder Joachim Hirsch in der Vordergrund stellen – diesbezüglich verweisen wir auf Marxismus Nr. 12: Die Globalisierungsdebatte, Ein marxistischer Leitfaden durch eine widersprüchliche Diskussion, insbesondere auf die Beiträge zu Altvater, Hirsch und Robert Misik (die Nr. 12 ist zwar mittlerweile vergriffen, aber die Beiträge sind über unsere homepage greifbar Æ www.geocities.com/CapitolHill/Lobby/2047/). Hier soll vor allem die Analyse der Regulationsschule einer Kritik unterzogen werden.

Den Anfang macht eine von Martin Jakob verfaßte Einführung in die Regulationstheorie, die auch den mit ökonomischen Debatten weniger vertrauten Leser/inne/n einen Einstieg in die Thematik ermöglichen soll. Der darauf folgende Haupttext stammt von den britischen Marxisten Robert Brenner (Mitherausgeber von New Left Review) und Mark Glick und ist ursprünglich in New Left Review erschienen, bei dessen Herausgebern wir uns herzlich für die freundliche Erlaubnis zur Übersetzung bedanken. Der Artikel Der Regulationsansatz: Theorie und Geschichte bietet eine grundlegende Kritik der theoretischen Konzeptionen und der empirischen Annahmen vor allem von Aglietta, aber auch von Boyer und Lipietz. Übersetzt wurde der Text von Martin Jakob.

Es folgen dann einige Rezensionen zu wissenschaftlichen und historischen Themen und unser schon üblicher Abschnitt Leserbriefe & Diskussion, in dem es teilweise erneut um die Einschätzung der Entwicklung und der Perspektiven des Kapitalismus und des Klassenkampfes geht.

 

Editorial (Eric Wegner)
Einführung in die Regulationstheorie (Martin Jakob)
  1. Michel Agliettas Régulation et crises du capitalisme
2. Der kapitalistische Staat und institutionelle Formen
3. Wertgesetz und Gesellschaft
4. Strukturelle Krisen
5. Verschiedene Strömungen der Regulationstheorie
Der Regulationsansatz: Theorie und Geschichte (Robert Brenner / Mark Glick; Übersetzung: Martin Jakob)
  I. Grundkonzepte und grundlegende Ergebnisse
II. Erste Entwicklungsweise: Kompetitive Regulation und extensive Akkumulation
III. Zweite Entwicklungsweise: Intensive Akkumulation bei immer noch kompetitiver Regulation
IV. Entwicklungsweise Nummer 3: Intensive Akkumulation und monopolistische Regulation
V. Vor einer neuen (vierten) Entwicklungsweise?
VI. Schlußfolgerung
Rezensionen
  Alan Woods / Ted Grant: Reason in Revolt (Karl Hämmerle)
  Stéphane Courtois (Hrsg.): Schwarzbuch des Kommunismus (Paul Mazurka)
  Wadim S. Rogowin: 1937 – Jahr des Terrors (Paul Mazurka)
  Leo Trotzki: Linke Opposition und IV. Internationale, Schriften 3.1 und 3.2 (Manfred Scharinger)
  Zygmunt Zaremba: The Warsaw Commune – Betrayed by Stalin, massacred by Hitler (Per-Olof Mattsson; Übersetzung: Markus Kadlec)
  Tariq Ali: Street Fighting Years (Julia Masetovic)
Terrorismus – als Methode des Klassenkampfs? (Katja Weinmann)
Leserbriefe
  C. L. (Berlin) zu Trotzkismus u.a.
  Antwort von Miodrag Jovanovic (AGM)
  C. L. (Berlin) zur kapitalistischen Herrschaftsform nach 1945 und zum Charakter der stalinistischen Staaten
  Antwort von Eric Wegner (AGM)
  F. S. (Wien) zu "Revolutionen nach 1945"
  H. H. (Tübingen) zu "Trotzkismus in Österreich"
  I. N. (Hamburg): Zum Reformismusbegriff der AGM
  Antwort von Julia Masetovic (AGM)
  Manfred Scharinger (AGM): Nachtrag zur Roten Gewerkschaftsinternationale
  Gernot Trausmuth (Wien) zu "Revolutionen nach 1945"
  Antwort von Eric Wegner (AGM)

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