Mein wunderbarer –– roter –– Waschsalon!

Seit 2010 gibt es in Wien eine Dauerausstellung zur Geschichte des „Roten Wien“. AktivistInnen der RSO besuchten im Rahmen einer gemeinsamen Freizeitveranstaltung das Museum „Das Rote Wien im Waschsalon“. Stilgerecht untergebracht ist das Museum im Waschsaloon 2 des Karl Marx Hof in Wien-Döbling. Dort, wo im Erdgeschoss – wie schon seit der Eröffnung des Gemeindebaus 1930 – noch immer Wäsche gewaschen wird, wird nun im ersten Stock auf 300m² Zeitgeschichte neu aufbereitet.

Erfolge des Roten Wien

Erwartungsgemäß ist die Ausstellung eine Huldigung der Errungenschaften des sozialdemokratisch regierten „Roten Wien“ zwischen 1919 und 1934, also dem Zeitraum zwischen der Machtübernahme der sozialdemokratischen SDAP in der Bundeshauptstadt nach der Revolution bis zur endgültigen Zerschlagung der ArbeiterInnenbewegung im BürgerInnenkrieg. Viele wichtige Errungenschaften wurden im Wien der Zwischenkriegszeit erreicht..

Schulreformen, Sozialreformen, Aufbrüche im kulturellen Bereich und allen voran das Herzstück der Erneuerungspolitik im Roten Wien – das ambitionierte Wohnbauprogramm. Und tatsächlich, die Ausstellung zeigt, wie selbst die absolut innerhalb der Grenzen des kapitalistischen Systems operierende Sozialdemokratie, gestützt auf eine starke organisierte (und militärisch bewaffnete) ArbeiterInnenklasse, in Zeiten der wirtschaftlichen Not progressive Reformen umsetzen konnte.

Noch 1917 hatten 92% der Wiener Wohnungen keine eigene Toilette und 95% verfügten über keine Wasserleitung. Doch in einem Zeitraum von knapp 10 Jahren (zwischen 1923 und 1934) lies die Gemeinde Wohnungen für ein Achtel der Wiener Bevölkerung bauen, alle mit WC, fließendem Wasser, elektrischem Licht, Gasherd und Tageslicht in sämtlichen Wohnräumen.

Die Ausstellung

Eine typische damals errichtete Wohnung findet sich übrigens als Grundriss am Boden des Museums eingezeichnet. Das ist aber auch schon eine der wenigen innovativeren Methoden, mit denen die Ausstellung versucht, Wissen zu vermitteln. Neben einigen Filmaufnahmen aus den 1920er und 30er Jahren (ohne Ton und Sitzgelegenheiten), einigen Ausstellungsstücken wie Büsten, Abzeichen und Broschüren und ein paar Modellen besteht das Museum hauptsächlich aus Bild und Text. Viel Text.

Es gibt also viel zu Lesen und das zu Lesende ist ohne Frage interessant. Doch auch wer sich die Zeit nimmt und alles durchließt, wird kaum Kritik an der Politik der Sozialdemokratie finden. In Betrachtung der Ereignisse rund um den Justizpalastbrand 1927 (zehntausende ArbeiterInnen protestierten militant, weil die österreichische Klassenjustiz drei ArbeiterInnenmörder freigesprochen hatte) heißt es, die Parteiführung wäre „überrascht“ gewesen und hätte deshalb nicht für einen „geordneten Ablauf der Kundgebungen“ sorgen können.

Vieles bleibt ungesagt

Davon, dass die sozialdemokratische Parteiarmee, der Republikanische Schutzbund, die aufgebrachten ArbeiterInnen nicht geschützt, sondern zurückgedrängt hatte, ist nichts zu lesen. Rund 90 Tote waren der Blutzoll der ArbeiterInnenbewegung an diesem Tag, obwohl der gut bewaffnete Schutzbund die Polizei mit Leichtigkeit zurückschlagen hätte können.

Auch der Aufstand der ArbeiterInnen im Februar 1934 wird sehr verzerrt dargestellt. Es wird der Eindruck erweckt, als wäre die kampfbereite Wiener Parteispitze einfach verhaftet worden. Von der Kapitulation und dem offenen Verrat vieler ranghoher SozialdemokratInnen steht nichts in den Schautafeln des Museums. Und natürlich wird auch nicht erwähnt, dass der Februar-Aufstand kein Aufstand der Partei war, sondern ein Aufstand der links-oppositionellen Strömungen innerhalb der Partei gegen den Willen der Führung.

Trotz dieser kritischen Anmerkungen hat uns „das Rote Wien im Waschsalon“ gut gefallen und wir würden die Ausstellung jederzeit weiter empfehlen. Hier werden zwar nur Ausschnitte aus der Geschichte gezeigt, doch es lohnt absolut, diese – mit kritischem Blick – zu betrachten. Denn, wie heißt es so schön: Wer die Geschichte nicht kennt, ist verdammt, sie zu wiederholen.

Das Rote Wien im Waschsalon

 

Waschsalon Nr. 2
Karl-Marx-Hof
Halteraugasse 7
1190 Wien

Öffnungszeiten:
Donnerstag 13 bis 18 Uhr
Sonntag 12 bis 16 Uhr

Eintritt:
Erwachsene 3€, PensionistInnen 2€, StudentInnen 1€, kostenlos für alle unter 19

http://dasrotewien-waschsalon.at/in/

 

 

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