Wiederaufnahme eines Holocaust-Leugners in die katholische Kirche

Am 21. Jänner 2009 hob Papst Benedikt die Exkommunikation des Holocaust Leugners Richard Williamson auf. Wir beleuchten die Hintergründe…

Bischof Richard Williamson hatte in der Öffentlichkeit schon einige Male für Empörung gesorgt, unter anderem weil er sich dafür aussprach, dass Frauen nicht an Universitäten studieren dürfen sollten. Kurz vor der Wiederaufnahme in die katholische Kirche hatte er sich in einer schwedischen Fernsehsendung zum Thema Nationalsozialismus und Judenverfolgung geäußert. Er leugnete sowohl den Einsatz von Gaskammern als auch die Tatsache, dass Juden und Jüdinnen dadurch ums Leben gekommen wären. Wörtlich sprach er von 200.000 bis 300.000 Toten ermordeten JüdInnen.

Nach der starken öffentlichen Resonanz verkündete der Vatikan, dass der Papst von dem Fernsehauftritt nichts gewusst hätte, dass es darum ginge, die Kirche zu vereinen und die AnhängerInnen der rechten Bruderschaft zu integrieren, in der Williamson Mitglied ist . Ein Schritt, der uns aufs Neue verdeutlicht, welchen Charakter die katholische Kirche hat. Der Bischof selbst entschuldigte sich bis jetzt nur beim Papst für den Kummer, den er ihm bereitet hatte, distanzierte sich aber in keinster Weise von seinen Aussagen. Konsequenzen gab es keine.

Hintergrund: Erzkonservative rechte Priesterbruderschaft

Die Priesterbruderschaft Pius X, der Richard Williamson angehört, ist berüchtigt für ihre autoritäre, erzkonservative rechte Haltung. Erzbischof Marcel Lefebvre, Gründer der Bruderschaft war ein Unterstützer des faschistischen Front National in Frankreich und Freund von Diktatoren wie Franco (Spanien) und Pinochet (Chile). Er gründete die Priesterbruderschaft aus Protest gegen die Neuerungen der Kirche im zweiten vatikanischen Konzil und benannte sie nach Pius dem X., der antidemokratisch und stark antimodernistisch war und für einen strengen innerkirchlichen Zentralismus stand. Die Kritik richtete sich vor allem an den Dialog mit anderen Religionen, Religionsfreiheit und Veränderungen in der Abhaltung der Lithurgie. Dementsprechend finden Predigten nicht wie im zweiten Vatikanischen Konzil beschlossen, in der Landessprache, sondern auf Latein statt. Ihren Schäfchen kehren die Priester weiterhin den Rücken zu. Nachdem Lefebvre 1988 gegen den Willen des Vatikans vier seiner Schützlinge, unter ihnen Williamson, zu Bischöfen geweiht hatte, wurden sie exkommuniziert.

Verbindung zur Rechten:

Das Weltbild der AnhängerInnen der Priesterbruderschaft ist ein traditionalistisches und autoritäres. Andere Religionen und Kulturen werden verteufelt und müssen bekämpft werden. In einer Tonband-Kassette der Pius AnhängerInnen heißt es: „Die Ungleichheit des Menschengeschlechtes, Unter- und Überordnung, wie auch jegliche Autorität kommen von Gott, die Gleichmacherei macht der Teufel.“ Die Konsequenz ist Intoleranz gegenüber anderen Meinungen, anderen Kulturen und Lebensweisen. Gleichberechtigungsbestrebungen sind sowieso eine Gefährdung der Tradition, da nur die alte Ordnung die Gott gegebene ist.

Besonders viel Propaganda gibt es gegen Judentum und Islam. Auf keinen Fall darf geduldet werden, dass diese Religionen sich in ein katholisch geprägtes Europa einschleichen. Ein Nebeneinander ist völlig ausgeschlossen und würde eine Verunreinigung und in Folge den Tod des katholisch geprägten Volkes bedeuten. 

Und hier ist offenbar ihre Aufgabe, rechtsextreme Weltanschauungen um eine religiöse Komponente zu erweitern. So ist es nicht verwunderlich, wenn es enge Kontakte zu diversen rechtsextremen Organisationen und Parteien wie dem Kärntner Heimatdienst und dem Schweizer KFU (Komitee für Freiheit und Unabhängigkeit) gibt. Ein prominenter Unterstützer in Österreich ist auch Ewald Stadler, einst Haiders Dobermann und ultrarechter Verschwörungstheoretiker, dann von Haider getrennt und schlussendlich wieder Mitglied bei den Bienenzüchtern Österreichs (BZÖ, Copyright: Stadler selbst in seiner FPÖ-Zeit). Lefebvre selbst lobte in einer seiner Predigten die rechtsextreme Diktatur Chiles unter Augusto Pinochet und wurde 1991 rechtskräftig wegen Rassismus und Anstiftung zum Rassismus verurteilt, da er meinte, dass MuslimInnen keine richtigen FranzösInnen seien könnten.

Und die Kirche…

Die Piusbrüder sind die I–Tüpfelchenreiter des Katholizismus, sie haben ihre Hausaufgaben ganz besonders gut gemacht. Sie sind nur in heutigen Zeiten weniger gesellschaftsfähig als andere rechte bzw. rechtsextreme Strömungen der Kirche, die sich eher bedeckt halten. Opus Dei etwa kämpft den Kampf des Katholizismus und der ist gnadenlos. Auch die mit Pius X geistesverwandte Priesterbruderschaft St. Petrus, die allerdings nach der Exkommunikation von Lefebvre dem Vatikan treu blieb, die Neokatechuminalen und andere erzkonservative, rechtsextreme und faschistische Gruppen sind von der Kirche wohlgelitten. Kein Wunder, ist doch Josef Ratzinger selbst vor seiner Weihe zum Boss des Gesamt-Vereins Chef der römischen Glaubenskongegration gewesen – wie die Inquistion seit 1908 heißt. Wieso also sollte eine Wiederaufnahme von Williamson und Co kirchlich nicht legitim sein? Mit Intoleranz, Rassismus, Homophobie und Sexismus ist die Kirche durch die Geschichte vertraut.

Die Kirche lebt von einer Meinungsverwirrung. Die Rechten schätzen, dass es geordnet und traditionstreu zugeht, Gott autoritär ist und SünderInnen bestraft. Fortschrittlichere Menschen sind dabei, weil sie sich an Werte wie Nächstenliebe und Vergebung halten können und Gott Ihnen ein Gefühl des Geborgen-Seins gibt. Sehr viel ist Tradition und Gewohnheit. Keine andere Organisation schafft es derartig konträre Positionen zu vereinen. Doch hinter der netten Fassade von Caritas und Co haben die ultrarechten das Sagen in der Kirche. So wurde die Heiligsprechung von Josemaría Escrivá, Gründer der rechtsaußen-Truppe Opus Dei, von einem Drittel des Weltepiskopats, also der Bischöfe, Erzbischöfe und Kardinäle, unterstützt.

Die Rehabilitierung von Williamson zeigt nur, was die Kirche tatsächlich ist: eine ultraautoritäre und hochkonservative Organisation mit starken Verbindungen ins rechtsextreme Lager. Was bleibt? Endlich austreten!

 

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