Superreiche werden immer reicher

Der Klub der reichsten Menschen der Welt hat sich in den vergangenen drei Jahren fast verdoppelt. Mittlerweile zählt das US-Wirtschaftsmagazin Forbes weltweit 793 Menschen auf, die mehr als eine Milliarde US-Dollar besitzen. Dies sind 102 mehr als noch vor einem Jahr.

Das Gesamtvermögen der Superreichen ist im Vergleich zum Vorjahr um 18 Prozent (!) gestiegen. An der Spitze zum 12. Mal in Folge Microsoft-Besitzer Bill Gates. Mit dabei im Klub auch drei ÖsterreicherInnen: der ehemalige Billa-Besitzer Karl Wlaschek, der sich nun der Immobilienspekulation verschrieben hat, Kaufhauserbin Heidi Horten und Red Bull-Boss Dietrich Mateschitz.

Allein die drei reichsten ÖsterreicherInnen kommen gemeinsam also auf ein Vermögen von fast 9 Milliarden Dollar. Insgesamt ist ein Prozent der ÖsterreicherInnen wirklich reich. Diese rund 60.000 Personen verfügen gemeinsam über ein Vermögen von rund 318 Milliarden Euro. Im Vergleich dazu verfügen die unteren 90 (!) Prozent der Bevölkerung nur über 299 Milliarden. Das reichste Prozent der Bevölkerung besitzt also mehr als die unteren 90%.

Dafür, dass es den Damen und Herren Superreichen auch weiterhin gut geht, sorgt der Gesetzgeber: allein die bei der letzten Steuerreform eingeführte Gruppenbesteuerung, die es Konzernen ermöglicht, Verluste aus dem Ausland mit österreichischen Gewinnen gegenzuverrechnen und so die Steuer in Österreich zu drücken, beschenkt die Konzerne im Jahr 2006 nach Schätzungen des Instituts für höhere Studien (IHS) mit rund 170 Millionen Euro – Geld, das in der Staatskasse fehlt und in Folge entweder durch geringere Ausgaben oder durch höhere Einnahmen wettgemacht werden muss, in beiden Fällen also zu Sozialabbau führt.

Auch die Senkung der Körperschaftssteuer von 34% auf 25% (effektiv im Durchschnitt sogar nur 22,4%), also fast um ein Drittel, bringt den UnternehmerInnen ein hübsches Körbergeld. Zum Vergleich: in Deutschland beträgt die Körperschaftssteuer 38,4% (effektiv 33,5%). Laut IHS rangiert Österreich mittlerweile in der Gruppe der osteuropäischen Niedrigsteuerländer.

Insgesamt beträgt der Anteil der vermögensbezogenen Steuern am Bruttoinlandsprodukt in Österreich 0,6%, bei den EU-15 ist der Schnitt 2,1%, also fast viermal so hoch.

Demgegenüber wird die arbeitende Bevölkerung immer ärmer: lag der Lohnanteil am Volkseinkommen Ende der siebziger Jahre noch bei 72%, sind es heute gerade noch 58%. Rund sechs Prozent der ÖsterreicherInnen, 460.000 Menschen, leben in akuter Armut, weitere sieben Prozent, 580.000 Menschen, sind armutsgefährdet, insgesamt sind dies 13% der Gesamtbevölkerung im sechstreichsten Land der Welt.

Es wird immer offensichtlicher, dass dieses Wirtschaftssystem der großen Mehrheit der Bevölkerung nur zunehmende Verarmung zu bieten hat, während einige wenige Bosse reicher und reicher werden. Wir wollen und werden nicht wie der Arzt am Krankenbett des Kapitalismus stehen und ihn und seine NutznießerInnen immer wieder aufpeppeln. Wir stehen stattdessen für eine radikale Umverteilung des Reichtums hin zur großen Mehrheit der Bevölkerung und für eine Vergesellschaftung der großen Konzerne unter demokratischer Verwaltung der arbeitenden Menschen.

Die Ergebnisse im Einzelnen:

1. Bill Gates (USA), Microsoft, 50 Mrd. Dollar
2. Warren Buffet (USA), Investor, 42
3. Carlos Slim Helu (MEX), Telekom, 30
4. Ingvar Kamprad (SWE), Ikea, 28
5. Lakshmi Mittal (IND), Stahl, 23.5
6. Paul Allen (USA), Software, 22
7. Bernard Arnault (FR), LVMH, 21.5
8. Alwaleed Bin Talal Alsaud (SAU), Investor, 20
9. Kenneth Thomson (CAN), Verlag, 19.6
10. Li Ka-shing (China [Hongkong]), Mischkonzern, 18.8

(…)

207. Karl Wlaschek (Ö), Immobilien, 3.3
224. Heidi Horten (Ö), Erbin, 3
317. Dietrich Mateschitz (Ö), Red Bull, 2.4

Quellen:
Standard, 11.03.2006,
Profil, 21.11.2005

 

 

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