Euro als Feigenblatt für Preiserhöhungen

Eineinhalb Monate nach der Euro-Umstellung ist es an der Zeit, eine erste Bilanz zu ziehen. Viele Menschen fürchteten bereits vor der Einführung der neuen Währung eine Preiserhöhung. Wer hätte es gedacht: Sie ist gekommen!

Laut einer Umfrage des Consulting-Unternehmens „Kreutzer, Fischer & Partner“ unter Vorständen und GeschäftsführerInnen der 4.000 grössten Firmen Österreichs beteuern die meisten Befragten, im eigenen Haus völlig korrekt vorzugehen: So geben 65 Prozent der befragten UnternehmensleiterInnen an, die Preise im eigenen Betrieb „exakt umzurechnen oder abzurunden“. Immerhin aber geben 13 Prozent in bemerkenswerter Offenheit zu, die Schillingpreise auf runde Europreise aufzurunden. Viele haben es schon gemacht, hauptsächlich um auf „runde“ Europreise zu kommen (78 Prozent). Andere tun oder taten es, weil LieferantInnen (48 Prozent) und Personalkosten (34 Prozent) teurer wurden.

Verteuerungen

Mit der Annahme von Schillingen dürfte manches Geschäft Schwierigkeiten gehabt haben. So gingen bei der AK-Euro-Hotline im Internet Beschwerden ein, wonach in Ankerbrot-Filialen keine Schillinge mehr angenommen worden wären, obwohl das Euro-Währungsangabengesetz dies bis 28. Februar vorschreibt. Ähnliches wird von einer Linzer Billa-Filiale behauptet. Die Fotoausarbei-tung in Schlecker-Märkten sei weiters um mehr als ein Drittel teurer geworden. Bei dm-Kosmetik kostete „Brauen zupfen und färben“ laut einer Kundin vor Weihnachten noch 120 Schilling, seit kurzem aber elf Euro, also 151,36 Schilling.

Umfrageschwindel

Laut österreichischer Nationalbank fallen diese zahlreichen Preiserhöhungen den Österrei-cherInnen nicht so sehr auf, denn einer von ihr in Auftrag gegebenen Umfrage kann man entnehmen, dass 40,5 Prozent der ÖsterreicherInnen die Preise als gleichwertig einstufen, 32,9 Prozent empfinden sie als billiger und 26,6 Prozent als eher teurer. Diese Studie sollte allerdings mit Vorsicht genossen werden, schließlich bestellte sich hier die Nationalbank eine ihr offensichtlich genehme Umfrage.

Es kann zwar davon ausgegangen werden, dass nur eine Minderheit von Unternehmen Preiserhöhungen gleichzeitig mit der Preisumstellung durchgeführt haben. Vor der Umstellung allerdings wurde auf Preiserhöhungen kaum geachtet. Nach dem Ende der doppelten Preisauszeichnungspflicht am 28.2. wird in den kommenden Monaten wiederum mit einem Anstieg der Preise zu rechnen sein. In der Zeit der Währungsumstellung waren Preiserhöhungen zwar verboten, allerdings betraf das laut Euro-Währungsumstellungsgesetz nur solche Preiserhöhungen, die direkt mit dem Euro in Verbindung gebracht werden konnten. Dass diese Preiserhöhungen nicht erlaubt sind, und mit bis zu 200.000 öS geahndet werden können, dürfte allerdings vor allem viele Kleinunternehmen nicht stören, schließlich wurde ja in den meisten Fällen gerade einmal ermahnt. Vor allem Automaten-herstellerInnen, Marktverkäu-ferInnen und LokalbetreiberIn-nen verdienten sich mit der Umstellung einen hübschen Extraprofit.

Leere Versprechungen

Es wird wieder einmal offensichtlich, dass die Wirtschaft sich nicht an die Versprechungen hält, die sie gemacht hat. Wer erinnert sich schließlich nicht an die zahlreichen Kampagnen, die vor der Umstellung gestartet worden sind. Es ist noch gut in Erinnerung, wie versichert wurde, dass Preiserhöhungen kein Thema seien und sicher nicht vollzogen würden. Jetzt ist er da, der Euro, unser Geld, und der Kapitalismus hat wieder einmal daraus Profit geschlagen. Die ganze Angelegenheit erinnert sehr daran als Österreich der EU beigetreten ist. Damals hieß es ja auch, dass alles billiger werden würde. In Erinnerung geblieben ist etwa die Aussage der damaligen sozialdemokratischen EU-Staatssekretärin Brigitte Ederer, die im Zuge des EU-Beitritts eine Preisersparniss von tausend Schilling pro Jahr versprach.

Die tatsächlichen GewinnerInnen stehen aber auf jeden Fall fest: beginnend mit dem Beschluss zur Euro-Umstellung mit den Kriterien von Maastricht wurden im europäischen Gleichklang systematisch So-zialabbaumaßnahmen umgesetzt, gleichzeitig gab es für die Reichen ein Steuergeschenk nach dem anderen.

 

 

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