Liebe LeserInnen, liebe FreundInnen, liebe GenossInnen!

Ich kann gar nicht soviel verlieren, dass ich es bemerke." Frank Stronach, austrokanadischer Multimilliardär, weiß, wie die Aktien für ihn stehen. Figuren wie der ehemalige Bundesliga-Mäzen fühlen sich in der Europäischen Union sehr wohl. Weniger wohl fühlen sich all jene, die vom Sozialabbau und der steigenden Arbeitslosigkeit in der Union unmittelbar betroffen sind.

Anlässlich der österreichischen EU-Ratspräsidentschaft ist hierzulande die Entwicklung des Projekts EU in aller Munde. SP und Grüne mahnen zahnlos ein "sozialeres Europa" ein (und wissen selbst nicht so genau, was das eigentlich sein soll), ÖVP und BZÖ versuchen, sich mit mehr (ÖVP) oder weniger (BZÖ) Erfolg im Lichte internationaler Staatsbesuche zu sonnen, die FPÖ setzt währenddessen altbewährt auf diverse rassistische Absonderungen. (Mehr ab Seite 3)

Für die Linke bietet das Schauspiel EU-Ratspräsidentschaft dennoch Erfreuliches. Die größte Veranstaltung im Rahmen der ganzen Präsidentschaft ist der EU-Lateinamerika-Gipfel, der Mitte Mai in Wien stattfinden wird. Neben allen EU-Staatschefs werden auch Venezuelas Präsident Chávez sowie Brasiliens Lula und der neugewählte Evo Morales aus Bolivien erwartet. Vor allem auf Chávez und auf Morales ruhen derzeit viele Hoffnungen, sogar bürgerliche Medien wie Kurier oder Profil beschäftigten sich bereits ausführlich mit dem Linksruck in Lateinamerika.

Die AL wird diese Aufmerksamkeit für eine Reihe von Veranstaltungen nützen, Höhepunkt wird zweifellos der Besuch von Stalin Pérez Borges, einem der vier Co-Vorsitzenden des Gewerkschaftsdachverbandes UNT aus Venezuela, den wir gemeinsam mit anderen revolutionären Gruppen organisieren. Pérez Borges, quasi so etwas wie der Fritz Verzetnitsch Venezuelas, ist - ganz im Gegensatz zum heimischen ÖGB-Chef - überzeugter Revolutionär und in trotzkistischer politischer Tradition, also jenseits von Sozialdemokratie und Stalinismus, beheimatet (mehr dazu ab Seite 12).

Doch auch jenseits der EU und Lateinamerikas gibt es so manches zu berichten. Wir beleuchten die Hysterie um die Vogelgrippe (S. 10) genauso wie die absurde Idee, dass Handelsangestellte eigentlich auch 24 Stunden arbeiten könnten (S. 8). Kulturell beschäftigen wir uns diesmal mit der revolutionären Phase John Lennons, in der einige seiner bekanntesten Lieder wie "Power to the people", "Working Class Hero" und vor allem "Imagine" entstanden sind (S. 16).

Die österreichische Naziszene wird im Februar 2006 wieder einer breiteren Öffentlichkeit vorgeführt werden, wenn der Prozess gegen Holocaust-Leugner David Irving stattfindet. Aus diesem Anlass versuchen wir eine Standortbestimmung zum Verbotsgesetz und zur Frage, wie der Kampf gegen Faschismus effektiv geführt werden kann (S. 24). Eine wesentliche Voraussetzung, um diesen Kampf zu führen, ist die Selbstorganisation der Betroffenen. Ein Beispiel dafür ist die italienische linke Fußballfankultur, die sich gegen Neonazis am Spielfeld und "in der Kurve" zur Wehr setzt. (Mehr dazu ab Seite 14).

Uns bleibt die Hoffnung, Dich auf der einen oder anderen Veranstaltung in diesem ereignisreichen Frühjahr anzutreffen sowie Dir - wie immer - viel Spaß beim Lesen und Ausdauer beim Kämpfen zu wünschen!

Die Redaktion