Seit 1975 gibt es für Österreichs "Jungmänner" eine gesetzlich geregelte Alternative zum Wehrdienst: den Zivildienst. Doch eine Gleichbehandlung ist auch nach der jüngsten Gesetzesänderung noch lange nicht in Sicht.
Bei den Rettungsorganisationen, verschiedenen Sozialeinrichtungen, NGO´s, aber auch bei der Polizei erfüllen männliche Jugendliche ihre "Pflicht" am Staat. Erst jüngst wurde mit einer neuen gesetzlichen Regelung die Zivildienstdauer wiederum verändert. Der Wehrdienst wird ab 2008 sechs Monate dauern - ursprünglich war geplant, die Zivildienstdauer der Wehrdienst-Dauer anzugleichen. Doch dazu ist es nicht gekommen, nunmehr müssen "Zivis" neun Monate abdienen (plus drei Monaten, die der Zivildienst freiwillig verlängert werden kann). Das ist zweifellos eine Verbesserung gegenüber den 12 Monaten, die der Zivildienst bisher gedauert hat. Doch weiter werden diejenigen, die statt dem Dienst mit der Waffe in zivilen Einrichtungen arbeiten möchten, bestraft. Das neue Gesetz wurde übrigens mit Zustimmung der SPÖ verabschiedet.
Die Arbeitsbedingungen von Zivis sind keineswegs immer rosig. Der Job ist hart und schlecht bezahlt, die Arbeitstage sind lang (Zivis müssen bis zu 65h pro Woche arbeiten), auch von Mobbingfällen wird immer wieder berichtet. Besonders "berühmt" ist hier das Rote Kreuz, wo es immer wieder Proteste gibt. (Eine Beschwerde ist übrigens möglich, Formulare finden sich auf www.zivildienst.at).
Zivildienstleistende spielen eine wichtige Rolle in unserer Gesellschaft. Die Sozialeinrichtungen leisten sich sehr wenige Hauptberufliche, da sie selbst in einer Kostenfalle stecken. Zivildiener, die für diese Jobs nur schlecht ausgebildet sind, müssen diese Versorgungslücke schließen und werden als billige Arbeitskräfte mißbraucht. die noch dazu als Lohndrücker im gesamten Sozialbereich fungieren. Auf der Strecke bleiben die MitarbeiterInnen, die Klient-Innen und PatientInnen der Sozial- und Hilfsorganisationen und die Zivildiener. Gewinner ist der Staat, der eine wertvolle Dienstleistung zum Billigpreis bekommt und so Sozialdumping betreibt.
Marco Rojnik, Zivildiener