Die größte Laienschauspieltruppe Österreichs erfreut uns mit ihrer Kannibalisierung. Der rechte Flügel beweist als BZÖ Regierungstreue, allerdings ist niemandem klar, was ihn von der ÖVP unterscheidet. Der noch rechtere Flügel ist inzwischen auf Sinnsuche und predigt eine Rückbesinnung auf die "traditionellen Werte" der FPÖ (1933 - 1945?).
Doch beide Flügel der Ex-FPÖ haben ein Problem. Spätestens, wenn sich der Haider-Effekt endgültig abgenützt hat, werden sich die WählerInnen fragen, warum sie den Schmiedl Haider und nicht gleich den Schmied Schüssel wählen. Gut möglich, dass das BZÖ dann versucht, auf bewährte FPÖ-Rezepte im Stil der 90er Jahre (rassistisch, soziale Rhetorik, Zielgruppe ArbeiterInnen) zurückzugreifen. Das ist nicht unamüsant, denn dort wird schon die Alt-FPÖ stehen - die Gründe für die Spaltung werden damit eigentlich obsolet. Strache und Haider werden dann darum rittern, wer der bessere Haider ist (gut möglich, dass Strache gewinnt, Haider hat sich in seiner Rolle als Haider durch die Regierungsbeteiligung ziemlich abgenützt).
Mittelfristig könnte die BZÖ aber auch zu einer aggressiv-kapitalistischen Partei nach Vorbild der britischen Tories werden (fraglich allerdings, ob dafür WählerInnenpotentiale vorhanden sind). Für die alte FPÖ ist die Entwicklung zu einer offen faschistischen Partei nicht ausgeschlossen - mit Strache, Mölzer, Stadler und wesentlichen Teilen des Wie-ner Gemeinderatsklubs sind genügend Lichtgestalten vorhanden, um eine solche Perspektive nicht völlig ausgeschlossen erscheinen lassen.
Sicher ist jedenfalls, dass keine Entwarnung gegeben ist. Beide Parteien stehen in der Tradition von Sozialabbau und rassistischer Hetze. Beide werden Sozialabbau umsetzen, wo es ihnen möglich ist und rassistische Propaganda in den Vordergrund stellen, wo es ihnen opportun erscheint