Armut ist in Österreich verhältnismäßig gut dokumentiert. Geld hingegen, wie der Volksmund oft treffend bemerkt, "hat man, man spricht aber nicht darüber". Damit versucht der Armuts- und Reichtumsbericht der Österreichischen Gesellschaft für Politikentwicklung und Politikberatung (ÖGPP) Schluss zu machen.
Österreich zählt zu den zehn reichsten Ländern der Welt. Das österreichische Bruttosozialprodukt (BSP), an dem der Wohlstand eines Landes gemessen wird, ist eines der international höchsten und im Wachstum begriffen. Der Reichtum nimmt offensichtlich stark zu. Andererseits weist das Sozialministerium auf einen Anstieg armer und armutsgefährdeter Menschen hin. 1999 waren laut Angaben 11% der ÖsterreicherInnen arm bzw. armutsgefährdet, 2001 waren es 12%, 2004 schon rund 13%. Armut und Reichtum nehmen also gleichzeitig zu. Die Vermögensschere setzt zum Schnitt an.
Wie werden Armut und Reichtum
definiert?
Arm oder armutsgefährdet sind BürgerInnen, denen weniger als 780 Euro im Monat zum Überleben zur Verfügung stehen. Dies sind mittlerweile ca. eine Million ÖsterreicherInnen (davon allein 87.000 Kinder, die unter der Armutsgrenze leben müssen). Ihre Zahl nimmt zu. Eine Viertel Million BürgerInnen sind reich, haben also mehr als 70.000 Euro Geldvermögen oder Jahreseinkommen. Ihr Vermögen nimmt ebenfalls zu. Erwähnenswert ist, dass die 100 reichsten ÖsterreicherInnen zusammen sechs mal so viel Vermögen besitzen, wie das jährliche Einkommen der einen Million ärmsten Menschen beträgt.
Wer ist von Armut betroffen?
Vor allen sind AlleinerzieherInnen, Arbeitslose und alleinstehende PensionistInnen betroffen. Im ersten Halbjahr 2004 gab es 2.730 Fälle von Privatkonkurs. Nach Angabe der Schuldnerberatung sind ca. 100.000 Haushalte überschuldet. Die Sozialabbau- und Belastungspakete und die Arbeitsmarktsituation lassen für die nächsten Jahre keine Entlastung erkennen. Die Einkommensunterschiede wachsen drastisch. Rund 43% der ÖsterreicherInnen leben mittlerweile nur mit niedrigem oder sehr niedrigem Standard.
Arme sind weitaus öfters krank als der Rest der Bevölkerung. Die "ManagerInnenkrankheit" mit Bluthochdruck und Infarktrisiko tritt bei Armen drei Mal häufiger auf als bei Führungskräften in Firmen. Arme Menschen leben in schlechteren Wohngegenden mit schlechterer Luft, weniger Grünflächen, mehr Verkehrsbelastung und schlechterer Infrastruktur. Die Bausubstanz ihrer Wohnungen ist schlechter oder sogar gesundheitsgefährdend und sie arbeiten zumeist in körperlich und/oder psychisch krankmachenden Arbeitsverhältnissen. Auch die enorme Stressbelastung unter prekären Lebensbedingungen macht krank. (Von all diesen Faktoren sind übrigens MigrantInnen überdurchschnittlich betroffen.) Statistische Daten bestätigen, dass EinwohnerInnen mit geringerem Einkommen und geringerer Bildung durchschnittlich früher sterben als diejenigen mit höherem Einkommen bzw. höherer Bildung. Soziale Ungleichheit geht Hand in Hand mit Ungesundheit.
Was tun?
Die dauernde Minderung von Sozialleistungen erhöht Armut und Armutsgefährdung. Jede weitere Minderung des Einkommens von Menschen mit sowieso schon niedrigem Lebensstandard durch die österreichische Sozial-, Gesund-heits-, Pensions- und Familienpolitik ist daher unzulässig. Gerade angesichts der vorhandenen Geld- und Sachanlagen von 2.100 Milliarden Euro in Österreich (rund 10mal so viel als sämtliche Erwerbseinkommen pro Jahr), ist es absurd, bei den Einkommen und Pensionen der Ärmsten zu sparen. Die gesamte Propaganda von der Notwendigkeit des Sparens dient tatsächlich nur einer Umverteilung in gigantischem Ausmaß. Eine Steuerpolitik, die zu 92% die Erwerbseinkommen, aber nur zu 6% die Vermögen belastet, wird hier jedenfalls keinen Ausgleich schaffen - die OECD reiht Österreich bei der Vermögensbesteuerung sogar an letzter Stelle! Das Geld ist also da, es ist nur in den falschen Händen.
Der bzw. die Einzelne kann wie so oft keinen Felsen allein verrücken. Es ist also notwendig die Menschen wachzurütteln und den österreichischen Staat gehörig durchzurütteln