Du warst 2003 Betriebs-ratsvorsitzender bei der Firma Gebauer & Griller in Linz. Du hast anlässlich der Streiks gegen die Pensionsreform auch bei Dir im Betrieb einen Arbeitskampf organisiert. Kannst Du uns etwas darüber erzählen?
Am Vortag des ersten Streiks hielten wir im Streikkomitee noch eine Sitzung ab und klärten die ganzen Details. Danach habe ich den Vorstand informiert. Am ersten Streiktag sind wir dann von 8.00 Uhr bis 12.00 Uhr gestanden. Vor dem zweiten Streik gab es natürlich wieder eine Betriebsversammlung. Der Streikbeschluss fiel wieder einstimmig. Und dann ging der Zirkus so richtig los: "Das ist ja ein Witz! Ob uns jetzt leichter ist? Was kann denn das Unternehmen dafür?" Ich habe mich aber nicht erweichen lassen. "Wenn Du wieder streikst... weißt eh...!" Das war natürlich ein Problem, denn dadurch spaltet sich die Belegschaft in die Feigen und die, die sich trauen. Bei uns doppelt schlimm, weil kein einziger Angestellter gestreikt hat.
Wie war damals die Stimmung im Betrieb?
Wir Arbeiter rückten näher zusammen. Die Stimmung war euphorisch, denn wir hatten bei uns im Betrieb etwas bewegt. Die Chefs mussten zur Kenntnis nehmen, dass die Arbeiterschaft voll hinter ihrem Betriebsrat steht.
Was ist nachher passiert?
Was hat die Firma getan?
Ab diesem Zeitpunkt wurde ich dann persönlich auf's Schärfste von Unternehmerseite attackiert. Drohungen gab es auch im Vorfeld schon vielfältige. Dann gingen die Kündigungen los. Ein Beispiel: Etwa einen Monat nach dem Streik wurde ein junger Kollege gekündigt. Grund: Kreis fahren mit dem Stapler, provozierendes Pinkeln, usw... Dieser Kollege war der erste, der bereit war, dagegen zu kämpfen und der auch vor das Arbeitsgericht gezogen wäre, übrigens war er Streikposten gewesen ... Diese Kündigung wurde zurückgezogen.
Wie hat damals die Gewerkschaft reagiert? Was hättest Du Dir von der Gewerkschaft gewünscht?
Die Gewerkschaft war natürlich über alle Vorfälle im Betrieb informiert. Bei Problemen sagte man mir immer, ich solle mich ein bisschen gedulden, dann wird's schon wieder... Gewünscht hätte ich mir ein viel früheres, druckvolleres Einschreiten.
Was denkst Du über aktuelle Arbeitskämpfe, z.B. beim Postbus oder bei der ÖBB? Glaubst Du, dass sie eine wesentliche Bedeutung haben? Wie könnte dabei gewerkschaftliche Solidarität aussehen? Sollten Solidaritätsstreiks stattfinden?
Ich bin voll und ganz der Meinung, dass Arbeitskämpfe unbedingt stattfinden sollen. Nur muss der ÖGB viel näher zusammen rücken und viel mehr auf den Tisch hauen.
Der ÖGB hat im Jahr 2001 in einer Urabstimmung seiner Mitglieder eine Zustimmung von 88% zu gewerkschaftlichen Kampfmaßnahmen bekommen. Was sollte er mit diesem Auftrag tun?
Wie schon erwähnt. Wenn der ÖGB seine Fachverbände unter einen Hut kriegt, dann haben sie ein gewaltiges Bündel an Energie zur Verfügung. Der ÖGB müsste auch viel mehr an die Front hören, denn da spielt sich's wirklich ab.
Was glaubst Du, müsste passieren, damit Sozialabbau und Privatisierungen effektiv bekämpft werden können?
Wenn alle Gespräche nichts mehr nützen, siehe jetzige Regierung, gibt es für mich nur eins - Generalstreik, aber nicht nur 4 oder 8 Stunden, sondern so lange, bis sich alle Parteien geeinigt haben.
Abschließend: Denkst Du, dass Dein Kampf Sinn gehabt hat? Gibt es noch etwas, was Du unseren LeserInnen mitteilen möchtest?
Sinn macht es auf jeden Fall. Die Belegschaft rückt näher zusammen. Ich würde zurückblickend jederzeit wieder einen Streik organisieren. Seit März 2004 bin ich nicht mehr bei der Firma. Sie haben es geschafft, mich rauszuekeln. Ich sitze aber nicht auf der Straße, da ich mich beim Qualifizierungsverbund, einer Stiftung, weiterbilden kann. Hier gilt mein Dank der Gewerkschaft, die mir das ermöglicht hat. Je mehr mutige Menschen sich zusammen tun, desto größer der Widerstand. Werft niemals das Handtuch.