Bundesweit vernetzen

Eine kurze Betrachtung zum ASF-Treffen in Linz

Die sogenannte "Antiglo-balisierungsbewegung" hatte einige nachhaltige Entwicklungen zur Folge. Eine davon waren und sind zweifellos die weltweit aktiven "Sozialforen".

Begonnen hat diese Bewegung mit dem "Genua Social Forum", dass 2001 die Proteste gegen das G8-Treffen koordinierte, bei dem die Polizei den Demonstranten Carlo Giuliani ermordete. In Folge fanden mehrere weltweite Treffen, sogenannte World Social Foren (WSF) statt, zuerst im brasilianischen Porto Alegre, im Jänner erstmals an einem anderen Ort, im indischen Mumbay (=Bombay). In Europa fanden European Social Forum (ESF) Treffen bisher in Italien und Frankreich statt, das nächste ist im Oktober 2004 in London geplant. Auch in Österreich folgt nach dem letztjährigen Auftakt in Hallein im heurigen Juni schon das zweite Treffen, diesmal in Linz.

Das ASF (Austrian Social Forum) stellt dabei einen breiten Zusammenschluss von Organisationen von der Sozialdemokratie bis hin zur radikalen Linken dar. Zweifellos ist es ein wesentliches bundesweites Vernetzungstreffen (in Hallein waren immerhin rund 2000 Menschen), es kann aber auch als Katalysator dienen, da dort die revolutionäre Linke die Möglichkeit hat, ihre Ideen einem breiteren Auditorium vorzustellen.

Gleichzeitig präsentiert sich die Sozialforenbewegung aber auch als widersprüchlich. Was innerhalb Österreichs für die große Mehrheit der Interessierten zumeist noch möglich ist, nämlich ein Zugticket nach Linz zu lösen, wird auf internationaler Ebene zunehmend schwieriger. Einerseits stellt es AktivistInnen der Länder des Südens vor fast unlösbare finanzielle Probleme, in der Weltgeschichte herumzufahren, andererseits ist es auch für finanziell durchschnittlich ausgestattete österreichische AktivistInnen nicht so einfach, ein Flugticket nach Porto Alegre oder nach Mumbay zu kaufen.

Nun ist dies natürlich kein Argument gegen internationale Vernetzung. Wir sollten aber bedenken, dass solche Vernetzungstreffen zumeist nicht die Bewegung in ihrer gesamten Breite, sondern - vor allem, was die internationalen Gäste angeht - eher ihre finanzkräftigeren Schichten repräsentieren (kein Wunder, dass die ParlamentarierInnenforen immer sehr gut besucht sind) - und diese stehen in ihrer Mehrheit eher den reformistischen Kräften innerhalb der Bewegung nahe. Gleichzeitig verbieten aber die Prinzipien des WSF absurderweise die offizielle Teilnahme von politischen Organisationen und Parteien.

Ein weiterer Kritikpunkt ist die mangelnde Demokratie innerhalb der Bewegung. Einerseits ist es zwar für alle interessierten Organisationen möglich, zu freigewählten Themen Veranstaltungen zu organisieren, doch v.a. im internationalen Maßstab gibt es immer stärker die Kritik an demokratiepolitisch nicht legitimierten Vorbereitungsgruppen. Von AktivistInnen wurde das auf die griffige Formel "die Linke beherrscht die Auditorien, die Rechte beherrscht die Podien" gebracht.

Die Sozialforen-Bewegung teilt ihre Widersprüchlichkeit mit vielen anderen Bewegungen vor ihr. Kritikloser Optimismus ist hier, wie überall anders, nicht angebracht. All das wird uns aber natürlich nicht davon abhalten, an der weiteren Vernetzung fortschrittlicher Kräfte teilzunehmen und sie zu unterstützen.