Mario Bango ist ein 20jähriger Roma und revolutionärer Marxist aus der Slowakei. Am 10. März 2001 bedrohte der Neonazi Branislav Slamka Eduard Bango, den jüngeren Bruder von Mario. Mario verteidigte seinen Bruder mit einem Messer, der Neonazi starb drei Wochen später im Krankenhaus...
Der Nazi Branislav Slamka verstarb jedoch an einem Behandlungsfehler im Krankenhaus. Am 20. November 2003 wurde Mario wegen versuchten Mordes zu zwölf Jahren Haft ohne Bewährung verurteilt.
Die Situation für die Roma-Minderheit in der Slowakei und in ganz Osteuropa ist unerträglich. Selbst der keiner linken Sympathien verdächtige "Economist" veröffentlichte vor einiger Zeit einen Artikel über die Lage der Roma, in dem er über deren systematische Diskriminierung in Osteuropa berichtete. In der Slowakei gehören bis zu 10% der Bevölkerung der Volksgruppe der Roma und Sinti an, ihre soziale und gesellschaftliche Situation ist katastrophal. Ende Februar 2004 kam es in der Slowakei sogar zu Aufständen und Hungerrevolten der Roma. Als Antwort setzte die slowakische Regierung die Armee ein.
Die Diskriminierung der Roma beginnt in frühester Jugend. Roma machen ein Viertel aller Kinder in der Slowakei aus, bis zum sechsten Lebensjahr sprechen die meisten von ihnen nur Romanes. Aufgrund ihrer Armut und der Feindschaft der slowakischen Behörden können viele nicht in Kindergärten gehen.
In der Schule wird jedoch nicht in Romanes unterrichtet und die meisten Roma-Kinder werden dadurch in ihrer Entwicklung massiv behindert. Hinzu kommt oft noch die Ablehnung durch LehrerInnen und "weiße" Kinder. Kein Wunder, dass ihre Leistungen weit zurück bleiben und viele in Sonderschulen landen. In der Tschechischen Republik stellen die Roma nur ca. 3% der Gesamtbevölkerung, jedoch 70-75% der Kinder in Sonderschulen. Eine Untersuchung an 85 Schulen in Ungarn, in denen mehr als 10% der Kinder Roma sind, ergab, dass in mehr als der Hälfte der Fälle Roma zwar eingeschrieben sind, die Schule jedoch nicht aktiv besuchen.
Systematische Unterdrückung
Die rassische Unterdrückung schlägt sich auch in einer Welle der Gewalt nieder. Besonders in den letzten Jahren nahm in der Slowakei, der Tschechischen Republik, Rumänien und anderen Ländern die Gewalt von RassistInnen gegen Roma zu, immer wieder sterben dabei Roma. So wurde im Juli 2002 Karol Sendrei auf der Polizeistation der Kleinstadt Revuca von Polizisten an einen Heizkörper gebunden und zu Tode geprügelt, im August 2002 wurde im west-slowakischen Dorf Holic der Jugendliche Milan Daniel von drei Nazi-Skinheads mit Baseballschlägern ermordet. Beim Verhör gaben sie an, dass sie irgend jemanden schlagen wollten, Hauptsache, er sei ein Roma. Gegen einen solchen Angriff hat sich Mario zur Wehr gesetzt, als sein Bruder Eduard in einem Bus vom Neonazi Branislav Slamka bedroht wurde.
In Bratislava trauen sich aufgrund der zahlreichen Nazi-Übergriffe viele Roma abends nicht auf die Straße und tragen zur Selbstverteidigung ein Messer bei sich. Die Bango-Brüder wurden schon mehrmals Opfer von Nazi-Angriffen. Eduard hat deswegen bereits einmal eine Woche im Spital verbracht. Nach dieser Erfahrung ist es kein Wunder, dass Mario innerhalb von Sekunden entschieden hat, seinen Bruder zu verteidigen und ihn nicht der Willkür des Angreifers zu überlassen.
Das Kreisgericht in Bratislava hat am 20. November Mario Bango zu zwölf Jahren Gefängnis ohne Bewährung verurteilt. Der Verteidigung gelang es nicht, einen Zeugen zu finden, der keine Angst hätte, öffentlich auszusagen, was den slowakischen AntifaschistInnen schon lange bekannt ist - nämlich, dass der Angreifer Branislav Slamka Anhänger der Bewegung der "Nationalsozialisten" war und sich bereits zuvor an anderen rassistisch und politisch motivierten Neonazi-Angriffen beteiligt hatte.
Das Kreisgericht begründete sein Urteil damit, dass "Slamka völlig gesund in den Bus einstieg". Es ignorierte dabei eine Reihe von Tatsachen: 1., dass es sich in dem ganzen Fall um Selbstverteidigung handelte, 2., dass in Tschechien in ähnlichen Fällen der Selbstverteidigung gegen Nazi-Angriffe der Bildhauer Pavel Opocensky und der Anarchist Michal Patera freigesprochen wurden, 3., dass Mario keine Absicht nachgewiesen werden konnte, Slamka zu töten, 4., dass der Nazi Slamka nicht in Folge des Messerstichs von Mario starb, sondern durch einen ärztlichen Kunstfehler und 5., dass Mario und Eduard selbst Polizei und Rettung riefen.
Politische Hintergründe
Es ist mehr als offensichtlich, dass dieses Urteil die rassistische Voreingenommenheit des Gerichts und der herrschenden Kreise zum Ausdruck bringt. Schon bei der ersten Verhandlung am 20. Februar wurde das deutlich. Der Richter machte bereits am Vortag in einem Presseinterview klar, dass er von der Schuld Marios überzeugt sei. Bei der Verhandlung selbst unterbrach er mehrere Male Mario's Rechtsanwalt barsch und wies ihn zurecht, dass er jegliche Erwähnung von Nazi-Attacken auf Roma und des Rassismus insgesamt zu unterlassen habe, da dies kein "politischer Fall" sei. Gleichzeitig erteilte der Richter gleich nach der Anklageverlesung einem im Publikum sitzenden Mann das Wort. Wie sich herausstellte, war es Robert Fico, seines Zeichens Vorsitzender von SMER, einer der einflußreichsten rechten und rassistischen Parteien im Lande.
Fico hat sich zum Fürsprecher der finanziellen Ansprüche der Familie des verstorbenen Nazi gemacht. Das slowakische Parlament hielt auf Antrag des konservativ-nationalistischen HZDS-Abgeordneten Kalman sogar eine Schweigeminute für den toten Nazi ab.
Nach dem Urteil legte die Verteidigung sofort Berufung ein, das Gerichtsverfahren wird jetzt beim obersten Gericht weiter geführt. Die Vorgehensweise des Bezirksgerichts und des Kreisgerichts sowie die Beteiligung des zur Zeit beliebtesten slowakischen Politikers Fico geben jedoch keine große Hoffnung auf eine objektive Behandlung des Falls.
Die internationale Solidaritätskampagne für die Befreiung von Mario Bango ist heute wichtiger denn je. Mario hat bereits Unterstützung von vielen Persönlichkeiten aus kulturellen, gewerkschaftlichen, politischen, menschenrechtlichen und antirassistischen Organisationen erhalten. Auch Mario selbst (der Mitglied einer der internationalen Strukturen des Trotzkismus, der "Liga für die fünfte Internationale" ist) ist nicht gebrochen und hält, ebenso wie sein Bruder und seine Mutter - die bei der Verkündung des Urteils die Internationale sangen - an seinen revolutionären marxistischen Überzeugungen fest.
Mario ist auf unsere Solidarität angewiesen. Er braucht unsere Hilfe, seine Verteidigung ist teuer. Wir ersuchen euch um Spenden, um die Kosten für den Rechtsanwalt, Besuche etc. aufzubringen. Sendet Spenden an den Mario-Bango-Solidaritätsfonds.
Österreich:
Bankkonto: 502-009932/00
Bankleitzahl: 12000 (BA/CA)
Kennwort: Mario
International:
IBAN: AT10 1200 0007 8303 5694
BIC: BKAUATWW
Kennwort: Mario