Bildungsabbau

Interview mit zwei JunglehrerInnen

Die Situation im Bildungsbereich ist dramatisch. Durch die Stundenkürzungen im Schulbereich fallen zahlreiche Freigegenstände weg. Doch genau diese sind es, die den SchülerInnen Lust an der Schule vermitteln. Gleichzeitig stehen hunderte LehrerInnen auf der Straße. Im folgenden Interview berichten zwei JunglehrerInnen von der aktuellen Situation.

Wie ist die Situation für JunglehrerInnen zu Beginn des neuen Schuljahres?

Die Situation ist ungewiss. Niemand weiß, ob und wie viele JunglehrerInnen Stunden bekommen. Personalentscheidungen werden oft sehr spät getroffen, teils sogar erst im August. Manche werden sogar erst im Herbst darüber informiert, dass sie Stunden bekommen. Es wird dann von ihnen erwartet, dass sie sich sehr schnell umstellen. Viele haben sich aber bereits Alternativen, z.B. in Nachhilfeinstituten oder Erwachsenenbildungseinrichtungen, gesucht. Das Problem ist, dass diese Jobs meist Werkverträge ohne soziale Absicherung sind. Einige Jobs sind jetzt freigeworden, weil aus berechtigter Angst vor der Pensionsreform einige ältere KollegInnen in Pension gehen. Diese Stellen werden aber zuerst aus den bereits vorhandenen Ressourcen der Schule nachbesetzt.

Was bedeuten in diesem Zusammenhang die Stundenkürzungen durch das Bundesministerium für Euch?

Die Stundenkürzungen haben zu einem Aufnahmestopp in den Schulen geführt, teilweise wurde sogar entlassen. In einem Fall aus einer kleineren Wiener AHS, den wir persönlich kennen, traf es zwei Kolleginnen, eine war neun Jahre, eine zweite zwölf Jahre beschäftigt. Diese beiden waren die Dienstjüngsten! Offiziell hat es zwar geheißen, dass keine JunglehrerInnen, die bereits Stunden haben, gekündigt werden, es ist oft so, dass PraktikantInnen nicht übernommen werden.

Die Stundenkürzungen selbst beruhen auf sehr vagen Argumenten. Es wurde argumentiert, dass österreichische SchülerInnen im OECD-Vergleich überdurchschnittlich viele Stunden haben. Tatsächlich operieren diese Zahlen aber mit falschen Vorgaben, es handelt sich um eine reine Geldbeschaffungsmaßnahme. Eine Entrümpelung des Lehrplans wäre durchaus sinnvoll. Allerdings gäbe es gleichzeitig einen extrem großen Bedarf an LehrerInnen, denken wir an die pädagogische Notwendigkeit von deutlich kleineren Klassen, muttersprachlichem Zusatzunterricht oder Team-Teaching, also der Anwesenheit von zwei LehrerInnen in einer Klasse.

Wie ist die Stimmung unter den betroffenen KollegInnen?

R.: Die Stimmung ist sehr schlecht. Die Situation führt auch zu einer gewissen Konkurrenz unter den PraktikantInnen. Viele KollegInnen haben Angst um ihre Zukunft. Es hat Ansätze zu gemeinsamen Aktionen gegeben, AHS- und BHS-LehrerInnen haben über Maßnahmen diskutiert. Diese wurden aber nicht weitergeführt, die Gewerkschaft hat auch keine Versuche unternommen, die Betroffenen zu organisieren. Trotzdem wären Aufklärung und weitere Maßnahmen, mit denen auf die Situation aufmerksam gemacht wird, notwendig.

P.: Die Frage der Konkurrenz sehe ich anders. In unserer Schule war der Zusammenhalt sehr groß. Für die Zukunft denke ich, dass ausgedehnte Streiks, um die Einstellung aller LehrerInnen zu erzwingen, auf jeden Fall sinnvoll wären.


Zu den Personen: R. ist BHS-Lehrer für Sprachen. Er hat für den Herbst eine Zusage auf einen Arbeitsplatz. P. ist AHS-Lehrerin für Sprachen. Sie wurde so wie alle anderen PraktikantInnen in ihrer Schule nicht übernommen.