Während die blau-schwarze Regierung ihr Sommer/Herbst-Theater prolongiert, übt sich die Sozialdemokratie in Absurditäten sondergleichen. Sei es die taktische Wende der SPÖ hin zur FPÖ, sei es die gewerkschaftliche Sommerpause, während der Kampf gegen den Pensionsraub am öffentlichen Dienst (besser bekannt als "Harmonisierung der Pensionssysteme") ansteht, seien es die immer neuen Sparmaßnahmen der SPÖ in Wien und anderen Städten, wo sie die Mehrheit hat.
Jüngste Glanzleistung ist die Schließung der Lehrlingsbibliotheken in den Wiener Zentralberufsschulgebäuden Ende Juli. Passenderweise in der Sommerpause, so dass kein Widerstand organisiert werden kann, kürzt die SPÖ bei der Bildung junger ArbeiterInnen. Und dass diese nötig wäre, beweist etwa die GPA-Jugend Kärnten. Ende September, also mitten in der heißen Phase der Lohnverhandlungen, kündigt sie ebenfalls ein heißes Erlebnis an: ein Flirt-Seminar. Wer daran teilnehmen möchte, möge sich unter jugend@gpa.at anmelden. Wenn Ihr übrigens statt dessen der Meinung seid, dass es Aufgabe einer Gewerkschaft wäre, soziale Kämpfe zu organisieren, seid Ihr unter almail@gmx.net richtig.
SpitzengewerkschafterInnen haben unterdessen andere Probleme: Fritz Verzetnitsch muss sich wieder einmal mit Kritik an seinem Penthouse herumärgern. Unverständlich eigentlich, nur die böswillige Morgenrot-Redaktion hört nicht auf, zu fragen, was ein Gewerkschafts-Boss in einer 200 m² Wohnung mit nochmals 200 m² Terrasse in bester Wien-Innenstadt-Lage mit (gelinde gesagt) äußerst freundschaftlicher Miete verloren hat. Solche Probleme teilt er übrigens mit dem designierten Chef der deutschen Industrie-Gewerkschaft Metall, Jürgen Peters. Der bekommt immerhin 15.900 Euro brutto im Monat dafür, sich auf die Seite der Unterdrückten zu stellen.
Wir versuchen, uns in dieser Ausgabe des Morgenrot der Frage gewerkschaftlichen Engagements von einer anderen Seite zu nähern. Ihr findet neben der Auseinandersetzung mit den kommenden Arbeitskämpfen, einen Rückblick auf die Streiks im Frühjahr und einen Gastkommentar zur Frage der Finanzierbarkeit der Pensionssysteme. Ein weiterer Schwerpunkt dieser Ausgabe liegt auf dem Dienstleistungsabkommen GATS und seinen Auswirkungen. Außenpolitisch nehmen wir den neuen Schurkenstaat Nordkorea unter die Lupe und setzen uns mit dem Phänomen des Antiamerikanismus auseinander. Zur Abrundung gibt es einen Artikel über den ArbeiterInnenaufstand in der DDR 1953 und einen Bericht über die neuen Wiener City-Bikes.
Wir wünschen Euch jedenfalls – wie immer – viel Spaß beim Lesen und Ausdauer beim Kämpfen.
Eure Morgenrot-Redaktion