Die irakische Opposition

· Irakischer Nationalkongress (INC)
Die Organisation mit Sitz in London wird von Ahmed Jalabi geleitet; der wohlhabende Ex-Bankier, der schon seit 1958 im Exil lebt, hat gute Verbindungen zum US-Verteidigungsministerium. Ihm werden Ambitionen auf das Präsidentenamt nachgesagt. Seine Kritiker sehen ihn als Handlanger der USA, da seine Gruppe seit Jahren finanzielle Unterstützung aus Washington erhält. Auch soll er mit US-amerikanischen Ölfirmen angeblich bereits über Geschäfte nach dem Sturz von Präsident Saddam Hussein verhandelt haben. Ein jordanisches Gericht verurteilte Jalabi 1992 wegen Betrugs zu 22 Jahren Haft.

· Oberster Rat der islamischen Revolution im Irak
Diese wichtigste schiitische Oppositionsgruppe wird von der iranischen Regierung unterstützt und hat ihre Basis in den Südprovinzen. Geleitet wird die Organisation von Ayatollah Moha-mmed Bakr al Hakim, der im iranischen Exil lebt.

· Irakische Nationale Eintracht
Diese Partei mit Sitz in London wurde von dem Exilpolitiker Iyad Alawi gegründet und hat angeblich viele ehemalige Mitglieder des Regimes von Saddam Hussein angezogen. Sie soll gute Geheimkontakte zu Kreisen im irakischen Militär unterhalten.

· Konstitutionelle Bewegung
Monarchistische Partei unter Führung des Oberhaupts der 1958 entthronten Königsfamilie, Prinz Sharif Ali bin Hussein. Die irakische Königsfamilie ist ein Zweig der in Jordanien regierenden Haschemiten-Dynastie.

· Koalition Demokratischer Irak
Unterstützt den US-Krieg. Fordert den Sturz der Diktatur. Laut Eigendefinition gehören diesem Bündnis „die Kommunisten der IKP, SchiitInnen (SCIRI), die kurdischen Parteien PUK und KDP, IMK e.V., Initiative 688, AssyrerInnen und SunnitInnen vom National Accord“ an.

· Patriotische Union Kurdistans (PUK) und Demokratische Partei Kurdistans (KDP)
Die beiden miteinander verfeindeten KurdInnenparteien unter Führung von Jalal Talabani beziehungsweise Massud Barzani teilen sich die Macht im Nordirak, der seit 1991 der Kontrolle Bagdads entzogen ist. Die KDP ist mehr ein Stammesverband unter Führung der Barzani-Sippe als eine politische Partei. Die PUK rekrutiert ihre AnhängerInnen vor allem in den gebildeten städtischen Mittelschichten und hat ein sozialdemokratisches Selbstverständnis. Beide unterstützen den Krieg, sind aber nun in der Zwickmühle, da die Türkei im Nordirak einmarschiert. Gehören auch dem INC an. Die PUK war eine Zeitlang mit der türkisch-kurdischen PKK (mittlerweile unbenannt in KADEK) verbündet, später haben sie sich bekämpft. PUK und KDP haben in der Vergangenheit sowohl mit der türkischen Regierung wie mit der Regierung der USA zusammengearbeitet, aber gleichzeitig Kontakt zur irakischen Führung gehalten.

· Irakische Kommunistische Partei
Stellt sich offiziell gegen den US-geführten Krieg. Ersucht aber gleichzeitig die UNO um Hilfe, ist für UNO-Waffeninspektoren und für eine UNO-geführte Friedenskonferenz. Offiziell gegen das UNO-Embargo, verknüpft es aber immer wieder mit dem Sturz des Regimes (Ende des Embargos, wenn Ende von Hussein). Die IKP ist traditionell stark, nach Einschätzung der meisten BeobachterInnen hätte sie vor allem 1958/59 niemand davon abhalten hätte können, die Macht zu übernehmen. Doch im Sinne des stalinistischen „Etappenkonzeptes“ entschied sie sich statt dessen dafür, mit den bürgerlichen Kräften (auch der Baath-Partei) zusammenzuarbeiten und ermöglichte so Hussein den Weg an die Macht.

· Irakische Nationale Allianz - „Patriotische Opposition“
1992 gegründetes Oppositionsbündnis aus zehn Parteien und Organisationen. Vertritt arabisch-nationalistische Positionen und ist gegen Zusammenarbeit mit Iran oder USA. Verteidigt den Irak gegen die US-Aggression und setzt auf Verhandlungen mit dem Regime. Forderte bei Verhandlungen mit der irakischen Führung Vorbereitung einer neuen Verfassung, ein neues Parteiengesetz, das den Übergang zu einem Mehrparteiensystem ermöglicht und ein neues Pressegesetz, das oppositionellen Journalismus erlaubt. Besteht aus dem oppositionellen Flügel der Arabischen Sozialistischen Baath-Partei, der Sozialistischen Einheitspartei (nasseristisch), der Arabischen Arbeiterpartei (arabisch-nationalististisch/marxistisch), der Arabischen Sozialistischen Bewegung, der Kurdischen Islamischen Partei, der Kurdischen Friedenspartei und der „patriotischen Strömung“ in der Kommunistischen Partei.

· Nationale Demokratisch-Kommunistische Bewegung
Abspaltung von der IKP im Jahr 2001. Wirft der IKP Opportunismus und Unterstützung des Imperialismus vor. Unterstützt den Irak gegen den Imperialismus.