In einem Interview mit dem ägyptischen Staatsfernsehen hat US-Außenminister Colin Powell eingeräumt, dass zivile Opfer im Irak-Krieg unvermeidbar seien. Die US-Streitkräfte seien aber immerhin „sehr besorgt um das Leben von Zivilisten“. Es könne jedoch „von Zeit zu Zeit vorkommen, dass es Verluste gibt“. Die Alliierten seien allerdings bemüht, „den Verlust ziviler Menschenleben auf ein Mindestmaß zu beschränken“. Bei soviel Rücksicht seitens des Außenministeriums sollten die hunderten (wenn nicht tausenden) zivilen Opfer der US-Bomben gar nicht ins Gewicht fallen. Und doch führen wir SpielverderberInnen sie immer wieder an.
Wir wundern uns auch nicht mit dem Infanteristen Jamie Villafane aus New York der erklärte: „Wir sind da, um das irakische Volk von einem Unrechts-Regime zu befreien“ und sich dann verwundert zeigte, dass nach seiner Erfahrung überraschend viele IrakerInnen keinen Willen zur „Freiheit“ erkennen ließen. Wir wundern uns eher darüber, dass er ernsthaft der Meinung ist, dass die Freiheit, sich Bomben auf den Kopf fallen zu lassen, für die Menschen im Irak attraktiv sei.
Ganz im Zeichen des Krieges gegen den Irak steht jedenfalls die aktuelle Ausgabe unserer Zeitung. Wir setzen dabei den Schwerpunkt nicht auf „Frontberichterstattung“, sondern versuchen, hinter die Kulissen zu blicken. Entsprechend bringen wir Artikel über die Widersprüche zwischen USA und EU, die Friedensbewegung, die irakische Opposition, die Rolle der UNO und blicken ein Jahr nach dem Ende des Krieges auf die Entwicklungen in Afghanistan, um zu überprüfen, was für Folgen die dortige US-Intervention hatte. Zur Abrundung blicken wir zurück in die Geschichte und berichten, welchen Anteil der Widerstand innerhalb der US-Armee an ihrer Niederlage in Vietnam hatte.
Doch wollen wir uns nicht auf Artikel über den Krieg beschränken. Wir analysieren das Regierungsprogramm von Schwarz-Blau II, wagen einen Blick hinter die Kulissen der KPÖ und beschäftigen uns mit der Frage geschlechtergerechter Sprache. Außenpolitisch betrachten wir den aktuellen Konflikt in Nepal zwischen maoistischen RebellInnen und der Regierung. In unserem Theorieteil setzen wir uns diesmal mit den Bauern/Bäuerinnenkriegen des Mittelalters auseinander. Wir denken, damit ist uns wieder ein ausgewogener Mix gelungen.
Wir wünschen Euch jedenfalls – wie immer – viel Spaß beim Lesen und Ausdauer beim Kämpfen.
Eure Morgenrot-Redaktion