Die Eröffnung des vierten Wiener Frauenhauses im Mai 2002 hat die Situation der Notunterkünfte für von Gewalt betroffene Frauen stark verbessert, auch im rechtlichen Bereich waren in den letzten Jahren Fortschritte zu beobachten. Trotzdem fehlt es an weiter an Unterstützung.
Derzeit befolgt die Stadt Wien die europäische Richtlinie zur Kapazität von Frauenhäusern genau: Auf 10.000 EinwohnerInnen soll in den Frauenhäusern ein Platz für eine misshandelte Frau bereitgestellt werden. 160 Betten sind es derzeit in Wien. Im Wiener Budget für das Jahr 2003 sind für die Unterstützung von Gewaltopfern rund 3,8 Mill. Euro vorgesehen. Nicht genug, denn im Vorjahr fanden zwar 374 Frauen und 350 Kinder in den Frauenhäusern Zuflucht, wegen Platzmangels mussten aber dennoch 589 Anfragen an andere Einrichtungen verwiesen werden.
Kritisch ist vor allem die Situation von Migrantinnen, deren Anteil an den schutzsuchenden Frauen 2002 österreichweit bei um die 40 Prozent lag. Besonders häufig sind Migrantinnen Opfer österreichischer Gewalttäter. Finanzielle Abhängigkeit erschwert deren Situation. So ist die Aufenthaltsgenehmigung der Frau oft an jene des Mannes gekoppelt.
Rechtliche Situation
1997 wurde in Österreich das Gewaltschutzgesetz mit Wegweiserecht geschaffen. Der Polizei ist es seitdem erlaubt, den Gewalttäter auch dann wegzuweisen, wenn es sich um seine eigene Wohnung handelt. Der Schwachpunkt an diesem starken rechtlichen Instrument sind die vor Ort handelnden BeamtInnen, die oftmals durch mangelnde Schulung nicht in der Lage sind, die Situation richtig einzuschätzen. Zudem kommt noch, dass im Falle männlicher Polizisten oftmals ein Täter zum Tatort geschickt wird.
Dennoch wurden bisher 13.000 Wegweisungen vorgenommen und das Gewaltschutzgesetz wird international als Vorbild für Regelungen in anderen Ländern gehandelt denn in den meisten europäischen Ländern existieren Gesetze dieser Art überhaupt nicht.
Trotz all dieser Maßnahmen und Einrichtungen zeigen aktuelle Erhebungen, dass Männergewalt gegen Frauen ein weit verbreitetes Phänomen ist, dass sich durch alle gesellschaftlichen Schichten und Altersgruppen zieht. Immer noch ist jede fünfte Frau Opfer von Gewalt in Beziehungen. 85% aller Morde werden in Familien verübt, wobei die Opfer meist Frauen oder deren Kinder sind. Im Gegensatz zu anderen europäischen Ländern hat Österreich allerdings bislang verabsäumt, das genaue Ausmaß familiärer Gewalt per Studie zu untersuchen - hier fehlt offenbar der politische Wille.