Black Panther Party

Aufstieg und Fall einer Partei, Teil II

Mit diesem zweiten Artikel zur Geschichte der Black Panther Party schließen wir unsere insgesamt dreiteilige Serie über die Geschichte des Rassismus in den USA ab. Im ersten Teil haben wir uns mit Ursachen und Folgen der rassistischen Politik der USA gegenüber ihren schwarzen EinwohnerInnen beschäftigt. Der zweite Teil war der Gründung und dem Aufstieg der Black Panther Party (BPP), einer revolutionären Organisation der Schwarzen in den USA, die 1966 gegründet wurde, gewidmet. Im dritten und letzten Teil beschäftigen wir uns mit der weiteren Geschichte der Partei, ihrem Niedergang sowie der Repression gegen sie und versuchen, Schlussfolgerungen aus ihrem Scheitern zu ziehen.

Anfänglich waren die Panthers eine der vielen kleinen linken Gruppen und vor allem in der Bay Area von San Francisco konzentriert. Nationale Berühmtheit erlangten die Panthers mit einer Aktion, die eigentlich ganz anders geplant war. Am 2. Mai 1967 fuhren rund 30 Personen, sechs davon Frauen (die meisten Männer waren bewaffnet, die Frauen nicht), nach Sacramento, der Hauptstadt Kaliforniens zum dortigen Parlament, dem Kapitol, um mit einer Kundgebung die Aufmerksamkeit der Medien zu erreichen. Das war nicht weiter schwierig war, hatten die Panthers doch mittlerweile medial durchaus Aufmerksamkeit erregt. Anfangs war eigentlich nur das Verlesen einer Erklärung auf den Treppen des Kapitols geplant, wo zur selben Zeit eine Beratung über die Vorlage zu einem neuen Waffengesetz stattfand. Mit einer Gesetzesänderung sollte künftig das Tragen von Waffen in der Öffentlichkeit verboten werden. Interessanterweise war das solange kein Problem, solange es nur Weisse taten. Nach der Verlesung der Erklärung wollten die Panthers auf der Zuschauertribüne (wo das Tragen von Waffen legal gewesen wäre) der Sitzung beiwohnen, doch durch einen Fehler fanden sie sich plötzlich, statt auf der Tribüne im Plenarsaal, wo die Bewaffnung keineswegs legal war. Sie wurden des Saales verwiesen, die Waffen wurden abgenommen und teils entladen. Doch schließlich setzen sie sich lautstark mit der Berufung auf ihre Rechte durch und erhielten ihre Waffen geladen zurück. Im Anschluß daran wurde einer der BPP-Führer, Bobby Seale, zu sechs Monaten Gefängnis verurteilt.

Kurze Zeit später wurde die Partei noch härter getroffen: im Oktober 1967 wurde Parteichef Huey P. Newton unter Mordverdacht verhaftet, im Fall einer Verurteilung drohte die Todesstrafe. Die Verteidigung von Newton mußte ein wesentlicher Bestandteil der Kampagnenarbeit der Partei sein, doch rächte sich nun der Personenkult der Partei: die ganze Partei wurde de facto in eine Free-Huey-Kampagne umgewandelt, wesentliche andere Politikfelder blieben unbearbeitet, was nach Ansicht vieler Ex-Panthers die Möglichkeiten der Partei eingeschränkt hat.

Sozialprogramme

Ein wesentlicher Grund für den Aufstieg der Partei war ihre praktische Hilfe für die Menschen in den Ghettos. Anfangs gab es im Gründungsort Oak-land für 20 Kinder ein kostenloses Frühstück, in den darauffolgenden Monaten und Jahren wurden landesweit bis zu 30.000 Kinder versorgt. An Bedürftige wurden Grundnahrungsmittel verteilt, in N.Y. wurden Kinder und Jugendliche, welche in Ghettos lebten, kostenlos eingekleidet. Die Kleidung wurde entweder gespendet oder es waren Stücke, die in den öffentlichen Waschsalons vergessen wurden. Die BPP führte ein kostenloses Transportprogramm zu Gefängnissen für Angehörige durch und betreute Gesundheitsstationen. Sie diente als Ar-beitsstellenvermittlung, beobachtete die Polizei in den Ghettos, um die Brutalität zu verringern, wenn nicht sogar zu vermeiden, und kontrollierte Dro-gendealer und verringerte so den hohen Drogenkonsum in den Ghettos. Wenn der Dro-genkonsum innerhalb der BPP eigentlich unerlaubt war, hielten sich nicht alle daran, auch Teile der Führung hatten des öfteren Probleme mit Drogen.

Trotz dieser Probleme wuchs die Anzahl der Mitglieder von Jahr zu Jahr. 1968 hatte die Partei, je nach Angaben, zwischen 3.000 und 7.000 Mitglieder in 40 Ortsgruppen. Zu Hilfe kam ihr dabei die allgemeine Politisierung rund um die Ermordungen von Martin Luther King und Malcom X, die Unruhen rund um den Parteitag der herrschenden Demokratischen Partei (wo Anti-Kriegs-AktivistIn-nen brutal verprügelt wurden) sowie die immer stärker werdende Anti-Vietnamkriegs-Stimmung. Gleichzeitig wurde es bei diesem sprunghaftem Wachstum immer schwieriger, die ideologische Linie der Partei zu bewahren. Bei einer nationalen Leitungssitzung im Dezember ´68, bei der eigentlich über organisatorische Frage diskutiert werden sollte, mußten statt dessen ideologische Grundsätze vermittelt werden, als sich herausstellte, wie gering das politische Niveau der inzwischen 45 Ortsgruppenleiter war.

COINTELPRO

Auch die Außenwelt machte es den Panthers nicht gerade einfach. Der US Inlandsgeheim-dienst, das FBI (Federal Bureau of Investigation), schaltete sich mit einem COINTELPRO (Counterintelligence Programme) ein. Anfangs hatte es das Ziel, schwarze und "extremistische" Gruppen zu neutralisieren, mit dem angeblichen Ziel, Gewalt zu verhindern. Die Methoden waren willkürliche Verhaftungen, Beweisfälschungen bei Prozessen, Falschmeldungen über die Medien wie auch "Schwarze Propaganda" (also gezielte Falschinformation über die Partei und über einzelne Mitglieder, das Schüren, interner Streitigkeiten, ...) ständige Überwachungen (besonders von Kadern) und letztendlich sogar Mord. Hinzukam eine höhere Besteuerung der Zeitung und eine Anhebung der Transportkosten. Offensichtlich wurden zu dieser Zeit auch massiv Drogen in die Ghettos und in die Partei geschleust, eine ganze Reihe von Mitgliedern, auch Newton wurde nach dem Niedergang der Partei drogenabhängig. Die Drogenprobleme in den Schwarzen-Ghettos der USA dürften zu dieser Zeit begonnen haben. Dieses Problem nahm die Regierung in Kauf, sah sie doch in der BPP die aktivste und gefährlichste Gruppe schwarzer "Extremisten".

Anfang vom Ende

Im Juli 1969 wurde eine Bilanz aufgestellt. Seit der Gründung waren 28 Panther erschossen worden, 100 waren im Gefängnis und weitere 100 warteten auf ihren Prozess. Bis Ende 1970 war die BPP in 100 Großstädten präsent und hatte einen Kern von etwa 800-1000 Personen. Selbst wenn es in-zwischen viele Mitglieder gab, fielen ihre Aktivitäten immer magerer aus, da interne Probleme aufkamen. 1970 fielen so gut wie alle Com-munity Programme aus. Auch die Gerichtsverhandlungen nahmen kein Ende, folglich gab es zu wenig Zeit und/oder Kraft, um sich mit der eigenen Politik zu beschäftigen. Dazu kamen interne Konflikte, teils aus tatsächlichen ideologischen Differenzen, teils aus persönlichen Streitigkeiten, teils geschürt durch spezielle FBI-Programme.

In den frühen 70er Jahren hatten sich Interessenskonflikte zwischen BPP Informationsminister Eldrige Cleaver und Huey P. Newton entwickelt. Eld-ridge Cleaver, Kathlen Cleaver, Don Cox und alle Mitglieder der "Internationalen Sektion" (die sich in Algier gebildet hatte, nachdem Cleaver vor einem Strafverfahren dorthin flüchtete) hatten sich am 20. März 1971 von der Black Panther Party verabschiedet. Cleaver wollte in den Untergrund abtauchen, sah sich in einer Guerillaorganisation besser aufgehoben, auch die Repression gegenüber der Panther war ihm zu stark geworden. Diese Orientierung betraf nicht nur Cleaver, sondern auch die BLA (Black Liberation Army), die 1970 dem Vorbild der ab 1969 bewaffnet kämpfenden Weather Underground Organization ("Wea-thermen") folgte.

Daneben kritisierte Cleaver - sicher zurecht - den Zentralismus, die Bürokratie und auch den Rechtsruck in der Partei. Seine Zielgruppe war die schwarze Subkultur, auch Kontakte mit weissen Jugendlichen aus ähnlichen Schichten waren für ihn wesentlich. Newton setzte dagegen (richtigerweise) verstärkt auf schwarze Arbei-terInnen, wollte legale Mas-senarbeit machen, löste sich aber gleichzeitig immer mehr von sozialistischen Ideen. Bobby Seale, der zur Newton-Fraktion gehörte, erklärte 1972: "Die Revolution findet an der Wahlurne statt". 1973, wurde er beinahe Bürgermeister von Oakland, allerdings auf einer Liste der herrschenden bürgerlichen Demokratischen Partei. Danach trat er eigentlich nur noch als Autor des Kochbuchs "Barbecue with Bobby" in Erscheinung. Die BPP lehnte den Kapitalismus nicht mehr grundsätzlich ab, ein schwarzer Kapitalismus wurde forciert. Newton wollte "die positiven Quellen des schwarzen Kapitalismus verstärken".

Diejenigen, die diese Politik Newtons ablehnten, zogen nur zu einem kleinen Teil richtige Schlüsse und versuchten, im Black Wor-kers Congress eine Orientierung auf die ArbeiterInnen umzusetzen. Dies war überhaupt ein Problem der Panthers gewesen. Durch die Ortsgruppenorientierung schaffte die Partei nie den Sprung aus den schwarzen Ghettos. Mit einer Arbeitsplatzorientierung (die durch die hohe Arbeitslosigkeit schwierig war) und gewerkschaftlicher Arbeit hätten auch bei weissen ArbeiterInnen Verständnis und Sympathie für die Anliegen der Partei geweckt werden können.

Ab Mitte der 70er wurde das endgültige Ende der Partei eingeleitet. 1974 wurde Bobby Seale ausgeschlossen, die Partei vegetierte als kleine Gruppe, zurückgeworfen auf San Francisco, dahin, bis sie 1982 aufgelöst wurde. Newton war zu diesem Zeitpunkt bereits nicht mehr aktiv, er war 1974 ins Exil nach Kuba gegangen, aus dem er 1977 zurückkehrte. Die Frustration und die allgemeinen Umstände machten ihn drogensüchtig. Um wieder klar zu werden, versuchte er 10 Jahre später, sich wieder in das politische Geschehen einzuleben. Doch am 22.08.1989 wurde er bei einem angeblichen Drogendeal erschossen. Die Polizei fand einen Verdächtigen. Viele meinen allerdings, es sei eine geplante Exekution gewesen.

...Wiederbelebung erfolglos

Es gab noch einige Male Versuche einer Neugründung der Black Panther Party, wie z.B. im Oktober 1986. Es gab ein VeteranInnentreffen auf Grund des 20. Jahrestages der Parteigründung, Huey P. Newton wurde nicht eingeladen. Begründung: Es gäbe ohnehin schon zu viele verschiedene Meinungen, Newton wäre ein nur weiterer Grund für Streit. Auf dieser Versammlung wollte man die alten Probleme aufarbeiten und an neue Aktionen denken. The Black Panther sollte vierteljährlich erscheinen. Die Geschichte der Partei sollte skizziert werden, und politische Gefangene genauso wie ehemalige GenossInnen zu Wort kommen. Nach sechs Monaten hatte die Zeitung eine Auflage von 15.000 Exemplaren, die in 20 Bundesstaaten und auch außerhalb der USA verteilt wurde. Doch 1993 wurde dieser Versuch beendet.

Insgesamt kann gesagt werden, dass die Partei nicht nur an den äußeren Einflüssen, wie dem FBI-Terror, sondern auch an internen Problemen, wie der mangelnden Ausbildung, der falschen Ausrichtung und der fehlenden innerparteilichen Demokratie zu Grunde gegangen ist. Trotzdem bleibt die BPP als ein wesentlicher Versuch der Organisierung der schwarzen Menschen in den USA eine wichtige Erfahrung für die revolutionäre Linke.


siehe auch:
Teil1 dieses Artikels



Februar 2003, Morgenrot Nr. 22
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