Wir streiken dort, wo's weh tut

Ein Beitrag zu den Bewegungen in Österreich und Europa

Die momentanen Streiks in Europa wie der Postbusstreik in Österreich, die Streiks in Frankreich, Griechenland und Spanien oder auch die Bewegung in Argentinien sind ein guter Grund, sich theoretisch mit der Organisation von Streiks auseinander zu setzen. Auch in Deutschland wurde wieder gestreikt. Um den KapitalistInnen nicht zu sehr auf die Nerven zu gehen, wurde eine neue Taktik ersonnen. Die Effizienz dieser ,,Flexi-Streiks" sei dahingestellt. Wie Streiks, die ,,weh tun", aussehen können und welche Voraussetzungen dafür nötig sind, versucht dieser Artikel zu analysieren.

Nach langer Zeit gab es in Deutschland wieder größere Streiks (Nach sieben Jahren in der Metall- und Elektrobranche und nach 18 Jahren in Baden-Württemberg). Es ging um höhere Löhne (Stichwort Vier-vorm-Komma, was bedeutet, dass das Ergebnis der Gehaltsverhandlungen deutlich über vier Prozent liegen sollte, was aber nicht erreicht wurde).

Auch in der Baubranche gab es Warnstreiks. Für diese Streiks erfanden die Gewerkschaftsbosse eine neue Taktik. Sie lautete: Betriebe kurz lahmzulegen, um Auswirkungen und Beeinträchtigungen für andere Firmen oder Teilbereiche möglichst gering zuhalten. Genauer gesagt war es so gedacht: Heute wird in dieser Firma gestreikt, morgen in einer anderen. Listigerweise ohne vorher kundzutun, welche die nächste ist. Über eine Million Beschäftigte beteiligten sich an den Streiks, über 100.000 haben gestreikt. Flexi-Streiks waren die Maxime.

Gewinne erzielen

Deutschland ist aber nicht das einzige Land, in dem es unter den Lohnabhängigen mächtig gärt. Denn dort, wie in allen anderen Ländern versuchen die KapitalistInnen durch Privatisierungen, Fusionierungen und andere ihnen tauglich erscheinende Mittel, die Gewinne zu maximieren und sich selbst noch höhere Gehälter zu genehmigen, während die Anhebung der Gehälter oft nicht einmal die Inflationsrate erreicht. Auch wenn die Gewerkschaftsspitzen in Deutschland meinten: "Wir streiken dort, wo's weh tut", hielten sich die Schmerzen der UnternehmerInnen in Grenzen.

Es ist unbestritten, daß die Taktik der "Flexi-Streiks" ein hohes Maß an organisatorischem Talent erfordert und auch funktioniert hat, um Aussperrungen größeren Ausmaßes zu verhindern, dabei darf aber nicht übersehen werden, dass diese Streiks große Probleme aufwerfen. Diese Art von Streiks, die auch als Punktstreiks bezeichnet werden, sind gegenüber Flächenstreiks abzulehnen. Denn die Lohnabhängigen, die durch Ausfall des Nachschubes an der Produktion gehindert sind, werden zu Unbeteiligten degradiert, es gibt keine Politisierung und eigene Aktivität.

Gleichzeitig wurden durch die Kürze der Streiks keinerlei Produktionsengpässe erreicht, was ja das eigentliche Ziel von Streiks ist. In keinem Fall darf es so sein, dass die im Streik angefallenen Fehlstunden später eingearbeitet werden müssen, wie dies in Deutschland geschehen ist.

Wenn Streiks längerfristig erfolgreich sein sollen, müssen sie unter Einbindung aller mobilisierbarer Kräfte organisiert werden. Der Kreativität sind dabei keine Grenzen gesetzt. Wenn Betriebe bestreikt werden, muss zuerst für gut und straff organisierte Streikposten gesorgt werden, um zu verhindern, dass StreikbrecherInnen in die Firmen gelangen können. Auch müssen die leider immer noch bestehenden Unterschiede, zwischen ArbeiterInnen und Angestellten beseitigt werden, denn nur durch die Solidarität zwischen diesen beiden Gruppen kann ein Streik erfolgreich sein.

Flächenstreik

Weiters müssen die Zufahrtsstraßen oder wichtige Verkehrsknotenpunkte blockiert werden, um zu verhindern, dass Rohstoffe zu- und fertige Produkte abtransportiert werden können. Dadurch kommt es zu unfreiwilligen, aber erwünschten Produktionsausfällen in anderen Bereichen, deren Beschäftigte durch Arbeitsstillstand leichter politisiert werden, dann aber auf jeden Fall auch direkt in den Streik integriert werden müssen. Durch die Integration anderer Bereiche kann sich ein punktueller Streik in einen Flächenstreik ausbreiten. Diese Blockaden können durch das soziale Umfeld der Lohnabhängigen, der zu bestreikenden Firmen, durchgeführt werden.

Wenn der Blick auf andere Länder wie zum Beispiel Argentinien fällt, wo ungefähr 70 Firmen in der Nachfolge von Streiks nun von den Lohnabhängigen selbst verwaltet werden, wird klar, dass gut organisierte Streiks Positives bewirken können. Anders in Griechenland, wo der Streik der HafenarbeiterInnen, der von allen Beschäftigten dieser Branche mitgetragen wurde, ein paar Tage später mittels eines Regierungserlasses beendet werden konnte, weil eine rechtzeitige Ausweitung auf andere Branche und damit deren Solidarisierung nicht gelungen ist.

Wichtig für die Bildung von kämpferischen Gewerkschaften ist die Abschaffung jeglichen Bonzentums, die Abschaffung der schwindelerregend hohe Gehälter bei der Gewerkschaftsspitze und die demokratische Wahl und Abwahl der Posten von GewerkschaftsfunktionärInnen auf allen Ebenen. Auch die institutionalisierte Zusammenarbeit mit KapitalistInnen in der SozialpartnerInnenschaft ist abzulehnen, da sie ausschließlich den Bedürfnissen der KapitalistInnen dient. Was wir brauchen, sind kämpferische Gewerkschaften und ein bewußtes Proletariat, die eine wesentliche Basis für eine Gesellschaftsveränderung bis hin zu einem globalen Sozialismus sind.