Die Demonstration "Verhindert den Naziaufmarsch" war nach unserer Einschätzung ein voller Erfolg. 5.000 bis 6.000 Menschen waren bei der größten Wiener AntiFa-Demo seit vielen Jahren auf der Strasse und drängten die Nazis erfolgreich in die Defensive. Unser Erfolg an diesem Tag gehört der antifaschistischen Mobilisierung, an der die AL-Antifaschistische Linke, die gemeinsam mit der Rosa Antifa Wien das Bündnis "Verhindert den Naziaufmarsch" initiiert hat, einen relevanten Anteil hatte.
Demgegenüber versammelten sich am Heldenplatz gerade 100-150 Nazis. Der einzige Erfolg, den die Nazis an diesem Tag erzielen konnten, war die Demo über die Kärntnerstrasse, hieran wird bei zukünftigen Demos zu arbeiten sein. Insgesamt aber bilanzieren die Nazis diesen Tag intern als Niederlage. Interessant am Naziaufmarsch war seine Zusammensetzung. Neben Naziskins war auch eine ganze Reihe von Burschenschaftern anwesend, kein Wunder, wurden doch die Recken der KS Germania von Clemens Otten (Grenzlandsmannschaft Cymbria) unterstützt, der auch die Anmeldung des Aufmarsches erledigte.
Die Demo selbst muss von uns kritisch analysiert werden. Was lief gut, was könnte verbessert werden? Das erste Wegziehen von Polizeitretgittern am Heldentor gleich nach der Ankunft war wahrscheinlich der einzige realistische Versuch, mit einer größeren Menge auf den Heldenplatz zu kommen.
Die nachträgliche mehrstündige Auseinandersetzung mit der Polizei verstehen wir zwar als berechtigte Wut vieler AntifaschistInnen, gleichzeitig glauben wir aber nicht, dass es sinnvoll ist, immer wieder auf die größten Polizeiketten zuzulaufen und sich dort auf nicht zu gewinnende Auseinandersetzungen einzulassen. Was jedenfalls notwendig ist, ist eine Sanitätsstruktur und eine noch klarer definierte Verantwortung der OrdnerInnen der verschiedenen Organisationen als Schutz der Demo vor Übergriffen.
Gleichzeitig müssen wir beginnen, zu diskutieren, wie wir damit umgehen, wenn eine Gruppe die Auseinandersetzung mit der Polizei wünscht und stehen bleibt, während eine andere Gruppe sie beenden und weitergehen möchte. Einerseits entspricht es unserem Verständnis von Solidarität zu bleiben, bis die letzten DemonstrantInnen gehen, andererseits ist es nicht möglich, dass ein Teil der Demo durch sein Agieren, auch wenn er keine Mehrheit hinter sich hat, den Ablauf für alle anderen bestimmt. Eine weitere Frage ist der Umgang mit Alkohol, künftig muss bereits im Vorfeld noch viel klarer darauf hingewiesen werden, dass Alkohol auf Demos nichts verloren hat.
Doch diese Diskussionspunkte ändern an sich nichts am Erfolg der Demonstration. Manche, die jetzt über Gewalt diskutieren, vergessen, wer dafür verantwortlich ist: die Nazis, die aufmarschierten, und die Polizei, die einen Naziaufmarsch schützte, während AntifaschistInnen mit Wasserwerfern, Pfeffersprays, Hunden und Knüppeln davon abgehalten wurden, auf den Heldenplatz zu gelangen. Als Höhepunkt zog am Ende der Demo ein Polizist am Heldenplatz seine Pistole und zielte damit auf AntifaschistInnen.
Nach der Demonstration zeigten sich in der öffentlichen Debatte die wahren Koalitionen. ÖVP und FPÖ schossen sich im Parlament auf die AntiFa-Demo und auf den grünen Abgeordneten Öllinger ein, der daran teilgenommen hatte. Mit dieser Positionierung von Schwarz-Blau ist eine taktische Vorbereitung des geplanten Aufmarsches der akademischen Rechtsextremen am 8.5., dem Tag der Kapitulation Nazideutschlands, verbunden. Der Ring freiheitlicher Studenten, der Ring volkstreuer Verbände und die Burschenschaften mobilisieren an diesem Tag, angesichts des Tages ihrer Niederlage, zu einem Fackelzug über den Ring. Nun marschiert der regierungsnahe Rechtsextremismus selbst.