Mit Blaulicht durch die Stadt

Die Arbeitsbedingungen des Rettungspersonals

Jede/r hat sich an den Anblick eines mit Blaulicht und Folgetonhorn an uns vorbei rasenden Rettungswagen gewöhnt. Es wird erwartet, dass die Rettung sofort vor der Tür steht, wenn man sie ruft. Doch unter welchen Bedingungen wir, die Männer und (wenigen) Frauen, die Tag und Nacht für die Gesundheit und das Leben der anderen unterwegs sind, gezwungen sind zu arbeiten, interessiert eigentlich kaum jemanden.

Vor einigen Monaten wurde nach jahrelanger Diskussion das sogenannte "Sanitäter-Gesetz" verabschiedet, welches den SanitäterInnen mehr Kompetenzen in der präklinischen Notfallmedizin einräumt. So ist das Verabreichen diverser Medikamente, das Intubieren und das Legen eines Zugangs erlaubt. Doch mehr als eine kleine Kurzmeldung war diese "Revolution" auf dem Gebiet des Rettungswesens den meisten Medien nicht wert. Dabei ist diese Gesetzesnovelle eine Erneuerung, die viele Menschenleben retten kann und wird.

Durch dieses Gesetz sind die SanitäterInnen nun nicht mehr gezwungen, am Rande der Illegalität zu arbeiten. Denn wer es wagte, eine sogenannte ärztliche Maßnahme, wie etwa eine Blutzuckermessung, welche nicht mehr als einen Stich in den Finger bedeutet, durchzuführen, dem/der konnte es durchaus passieren, wegen Körperverletzung angezeigt zu werden.

Doch dies war die einzige rechtliche Besserung, die dieses Gesetz mit sich brachte, denn mehr Pflichten bedeuten nicht, dass die SanitäterInnen auch mehr Rechte bekamen. So wurde erneut die Schaffung eines eigenen Berufsbildes verabsäumt. Als SanitäterIn ist man nach genauer Definition nicht viel mehr als ein/e HilfsarbeiterIn mit Zusatzausbildung. Damit ist auch die Bildung einer eigenen Berufsvertretung ausgeschlossen und wir sind wieder gezwungen, uns dem Willen unserer ArbeitgeberInnen zu beugen.

Viel Arbeit, wenig Geld

Dies bedeutet genauso, dass es wieder erfolgreich verhindert werden konnte, einen Kollektivvertrag für das Rettungspersonal durchzusetzen. Dieser wäre allerdings etwas längst Überfälliges. Denn während das Monatsgehalt bei der Wiener Berufsrettung in etwa 1.600 € beträgt, liegt es bei anderen Organisationen bei weniger als 1.000 €. Und das bei fast schon unmenschlichen Dienstzeiten.

So sind etwa 24 Stunden Wechseldienste, d.h. 24 Stunden Dienst, 24 Stunden frei, bei der Wiener Berufsrettung noch immer an der Tagesordnung. Es ist ungefähr vorstellbar, wie konzentriert jemand ist, der/die bereits 22 Stunden Dienst hinter sich hat. Das "Grüne Kreuz", eine private Rettungsorganisation hält zum Beispiel eine 60-Stunden-Woche für human. In dieser Organisation werden auch Überstunden weder ausbezahlt, noch mit Zeitausgleich abgegolten.

Solche Dienstzeiten sind natürlich nicht gerade hilfreich, den physischen und psychischen Stress, dem man permanent ausgesetzt ist, zu verarbeiten. Zwar wird versucht, das Gesehene abzublocken Späßchen darüber zu machen, doch ist dies nicht immer möglich. In dieser Arbeit ist es schwer Berufliches von Privatem zu trennen, denn das Leid oder den Tod eines Menschen zu verarbeiten, passiert nicht, indem mensch sich die Uniform aus- und die Privatkleidung anzieht. Auch in der Freizeit kann mensch das Schicksal einer/s anderen nicht immer vergessen.

Hilfe für HelferInnen

Diesbezüglich ist es bei einigen Hilfsorganisationen in Österreich nun endlich gelungen, das "Peer"-System einzuführen. Dabei erhalten erfahrene SanitäterInnen eine spezielle psychologische Ausbildung, um mit ihren KollegInnen nach schwer verkraftbaren Situationen zu sprechen und diese mit ihnen zu verarbeiten. Doch auch hier ist Österreich wieder einmal ein Nachzügler, in anderen Ländern ist dieses System bereits seit Jahren üblich. Die Ausbildung basiert jedoch auf freiwilliger Basis und die Organisationen sind nicht verpflichtet, die Ausbildung zu zahlen.

Im Allgemeinen ist zu sagen, dass der österreichische Staat anscheinend nicht viel Interesse am Rettungssystem hat, denn während die finanzielle Unterstützung für neue Autos, Geräte und eine bessere Ausbildung zu wünschen übrig lässt, werden Milliarden Euro für neue Abfangjäger ausgegeben. Das niederösterreichische Rote Kreuz stand erst vor kurzem am Rande des Ruins, da viele Versicherungen sich weigerten, Transporte zu bezahlen und das Land Niederösterreich nicht bereit war, Geld zuzuschießen. Erst im letzten Moment, konnte der totale Kollaps des Rettungssystems verhindert, und die niederösterreichische Landesregierung zum Einlenken bewogen werden.

Bleibt nur zu hoffen, dass wir nicht eines Tages ohne funktionierendes Rettungssystem dastehen.