Peter Handke hat es, wie Thomas Bernhard, Peter Turrini und Elfriede Jelinek, geschafft, sich den Unmut des Grossteils der österreichischen Bevölkerung zuzuziehen.
Mit seinen Texten und seinem Engagement gegen den Krieg im ehemaligen Jugoslawien sorgte der Autor immer wieder für Aufsehen. Doch egal, wie über ihn gedacht wird, er zählt zweifelsohne zu den bedeutendsten KünstlerInnen Österreichs.
Zuletzt sorgte Handke mit seiner Solidarität für Slobodan Milosevic für Furore. Handke reiste extra nach Den Haag, um den Prozess gegen Milosevic zu verfolgen. Nach dessen Verteidigungsplädoyer meinte er: “Ich bin beeindruckt von seiner Rede, seine Worte waren wundervoll.” Milosevic zeigte Bilder von Schulen und Krankenhäusern, welche von den Bomben der USA völlig zerstört waren. Er attackierte die westliche Propaganda, die versuchte, ihn und das serbische Volk als ein großes blutrünstiges Monster darzustellen.
Handke contra Westen
Allerdings dürfte die Situation nicht so einfach gelagert sein, wie Handke sich das vorstellt. Denn ganz so unschuldig sind Milosevic und die serbische Führung mit ihrer nationalistischen Politik am Jugoslawienkonflikt auch nicht. Jugoslawien sei laut Handke „mit Hilfe westlicher Regierungen zerbrochen.” Die Serben im Kosovo hätten „in ständiger Angst” gelebt. „Von allen Volksgruppen auf dem Balkan sind in meinen Augen die Serben die am wenigsten nationalistischen. Die Entwicklung in den anderen Teilstaaten, erstarkende nationalistische Bewegungen in Kroatien, Bosnien-Herzegowina und eben im Kosovo, haben die Serben zu einer Reaktion gezwungen. Doch wirklich nationalistisch sind sie dadurch nicht geworden.” Anders als andere Staaten habe Serbien laut Handke niemals einen Angriffskrieg gegen ein anderes Land geführt, „sie haben keine Erfahrungen, wie man einen aggressiven Krieg führt”. Erfahrung hat die serbische Armee dafür in der Vertreibung anderer Menschen. Es ist beispielsweise eine nicht zu leugnende Tatsache, dass die Kosovo-AlbanerInnen unterdrückt wurden..
Doch seine letzten Äußerungen waren nicht die ersten, die er zum Jugoslawienkonflikt tätigte. Schon 1999, als die NATO ihre Bombardements gegen Serbien begann, war Handke einer der wenigen, der sich schützend vor Jugoslawien und Milosevic stellte. Die NATO, allen voran die USA, waren gekommen, um eine „humanitäre Katastrophe zu verhindern”. Bekanntlich erreichten sie das genaue Gegenteil. Es war dies der erste Angriffskrieg gegen eine souveränen Staat, den die NATO führte. Da-mals wurden viele JournalistIn-nen, Sachkundige und auch Intellektuelle um ihre Meinung gebeten, unter anderem Hand-ke. Doch seine Meinung und sein Handeln waren ein Schlag ins Gesicht der westlichen Medien. Mit öffentlichen Briefen, der Rückgabe des Büchner-Preises und Reisen nach Serbien, wo er dem serbischen Volk seine Solidarität bekundete (und nicht die des österreichischen Volkes à la Jörg Haider im Irak), löste Handke kontroverse Diskussionen aus.
Handke wurde am 6.12.1942 in Griffen (Kärnten) geboren. Im Jahr 1966 publizierte das Verlagshaus Suhrkamp seinen ersten Roman “Die Hornissen”. Im Anschluss daran brach Handke sein Studium ab und arbeitet seitdem als freiberuflicher Schriftsteller.
Seinen ersten großen Erfolg konnte Handke mit einer absoluten Provokation verbuchen, der legendären “Publi-kumsbeschimpfung” (1966). In diesem Stück bereitet Handke den Zuschauer ca. eine Stunde lang darauf vor, beschimpft zu werden. Für die damalige Zeit eine unvorstellbare Zumutung.
Bald bekannt wurde Peter Handke auch durch die Behauptung der “Beschreibungsimpotenz” der inzwischen zur KritikerInnenvereinigung gewordenen AutorInnengruppe “Gruppe 47” auf deren Tagung in Princeton. Dieses Urteil hatte wahrscheinlich eine gewisse Mitschuld an der Auflösung der Gruppe.
1971 beging seine 51-jährige Mutter Maria Selbstmord. Vor ihrem Selbstmord verfasste sie aber noch einen Brief an Hand-ke, welcher aussagte, dass es unvorstellbar sei, zu leben. Ausgelöst durch dieses dramatisches Ereignis entstand 1971 sein Werk “Wunschloses Unglück”, eine Art Biographie über das tragische Leben seiner Mutter. Seit 1991 lebt der Schriftsteller in Chaville bei Paris. Stillhalten, innehalten, losgehen, wieder verharren - dieses Ineinander von Bewegungen, Bewusstseinsbewe-gungen, das beharrliche Befassen mit scheinbaren Nebensächlichkeiten, kleinen Dingen, all dies sind Kennzeichen für Handkes erzählerische Grundhaltung. Egal, was man über Peter Handke denkt, er ist eine Persönlichkeit, an der man einfach nicht vorbeikommt.