Euroumstellung

Wir zahlen, das Kapital profitiert

Egal, ob die Europreise im Ikea-Katalog rechts oder links plaziert sind, turbulent ist die Zeit der Euroumstellung in jedem Fall.

Laut Europreiskommision und Eurowährungsanga-bengesetz gibt es konkrete Bestimmungen der Preisauszeichnung vor und nach dem Jahreswechsel; doch ob diese Bestimmung Verunsicherungen der KonsumentInnen und die schleichenden Preissteigerungen aufhalten kann, bleibt da-hingestellt.Seit Punkt Mitternacht am 31.12. 2001 ist der Euro bekanntlich offizielle Währung in zwölf Ländern der Union. Großbritannien, Schweden und Dänemark werden bei der ersten Runde nicht dabei sein, die DänInnen haben sogar bereits zweimal gegen den Euro und gegen die damit verbundenen Preiserhöhungen gestimmt.

Um dem prophezeiten Währungschaos vorzubeugen, haben Griechenland, Portugal und Österreich ein Eurowährungs-angabengesetz (EWAG) geschaffen, um klare Richtlinien der Preisauszeichnung vorzugeben; doch dieses hält einige Hintertüren für Unternehmer-Innen offen. Um die Einhaltung dieser Gesetze kümmert sich das Wirtschaftsministerium, das auf Anfrage der Redaktion allerdings mitteilte, daß Preissteigerungen möglich wären, wenn sie „betriebswirtschaftlich gerechtfertigt” seien. Auch das EWAG ist hier eindeutig. In den Erläuterungen heißt es: „Wesentlich ist, daß lediglich aufgrund der Währungsumstellung keine Preiserhöhung erfolgen darf. Preiserhöhungen aufgrund anderer Umstände, wie zum Beispiel Erhöhungen von Produktions- oder Personalkosten, Wareneinkauf, usw. sind durchaus möglich.” Dem Mißbrauch sind hier Tür und Tor geöffnet. So gibt es versteckte Preiserhöhungen etwa bei zahlreichen Automaten, im Gastgewerbe oder auch bei Kleinbetrieben. Pizzaschnitten etwa, die bis jetzt um 30 öS zu haben waren, kosten auf einmal in Wiener Geschäften luxuriöse 2,50 € (34,40 öS).

Für Menschen, die im Handel, im Bankenbereich, in der Gastronomie oder ganz allgemein im Dienstleistungssektor tätig sind, bedeutet der Euro eine schwierige Umstellung und eine enorme Zusatzbelastung. In manchen Supermärkten werden die eingenommen Schillinge einfach in eine Box geworfen, die unversperrt unter der Kassa liegt – sollte sie gestohlen werden, bleibt das Risiko bei/m der KassiererIn. Sollte er/sie sich einmal beim Herausgeben irren, so ist es – zumindest in der Gastronomie – üblich, daß der/die KellnerIn den Verlust aus eigener Tasche zahlen muß. Viele Menschen haben in den ersten Wochen der Umstellung enorme Probleme mit der neuen Währung oder fürchtem sich davor, betrogen zu werden.

Und eigentlich liegen sie gar nicht so falsch. Seit dem Be-schluss zur Einführung des Euro mit dem Vertrag von Maastricht wurde die neue Währung dazu benützt, EU-Europa mit Sozialabbaumaßnahmen zu überziehen. Mit den sogenannten „Konvergenzkriterien” wurde festgelegt, wieviele neue Schulden ein Land machen bzw. wieviele es haben darf. Mit diesem Hebel wurden in der gesamten Union eine Welle von Sparpaketen losgetreten. Kein Land durfte ausscheren, kein Sparpaket platzen, alles aus angeblicher Sorge um die Einhaltung der Kriterien.

Wer profitiert?

Mit vielen Argumenten wurde versucht, die Bevölkerung von der Einheitswährung zu überzeugen. Oft und oft wurde geschrieben, wie angenehm es sein würde, in ganz EU-Europa mit einer Währung zu bezahlen. Dies mag schon stimmen, doch worum geht es wirklich? Neben dem Sozialabbau, der den Regierungen und den Konzernen der EU natürlich nicht unrecht kommt, ist das Ziel des Euro, eine starke Leitwährung gegen den Dollar zu etablieren. Und die Rechnung geht auf. Bereits jetzt haben einige mittel- und osteuropäische Länder angekündigt, den Euro einseitig als Währung einführen zu wollen, viele Länder in Afrika werden sich am Euro orientieren. Letztendlich geht es also wieder einmal um die Interessen der Wirtschaft. Oder wie es ein EU-Beamter einmal ausdrückte: “Die EG [Anm.: heute EU] ist nicht dazu da, daß es den Menschen besser geht, die EG ist dazu da, daß es der Wirtschaft besser geht.”