Wenn das AMS Impulse gibt

oder: „einer der größten österreichischen Arbeitgeber stellt sich vor“

Das Arbeitsmarktservice hat sich eine neue Schikane ausgedacht: den Impulstag. Bereits kurz nach Beginn der Arbeitslosigkeit müssen alle Arbeitslosen, bei Strafandrohung, diese eintägige Show über sich ergehen lassen.

Organisiert von einer Personalberatungsfir-ma sollen dort die neuen Arbeitslosen auf schnel-lstmögliche Jobsuche getrimmt werden. Psychologisch geschickt läuft zur Einleitung für die rund 500 TeilnehmerInnen ein Film, in dem Menschen schildern, wie sehr sie sich über die „Einladung” zum Impulstag geärgert haben (zustimmendes Lächeln im Publikum) um dann hinterher zu bemerken, wieviel sie dort profitiert haben. Im Anschluß treten zwei ModeratorInnen auf, schön, braungebrannt und offensichtlich erfolgreich. Ihre Botschaft während des gesamten Tages: “Die Jobs sind da, ob Sie einen finden, hängt von Ihnen ab”.

Unterstützt wird dieses Bild von ManagerInnen verschiedener Firmen, die in der Vorhalle Informationstische aufgebaut haben, auf denen sie Arbeitsplätze anbieten. Dafür dürfen sie dann auch ein bißchen durchs Mikrofon sagen. Schönheitsfehler: die großteils angebotenen EDV-Jobs sind für die meisten Anwesenden wegen nicht vorhandener Qualifikation absolut ungeeignet. Daneben darf die Firma Securitas spannende Jobs wie Kaufhausdetektiv oder Revierstreife anbieten. Als Draufgabe werben Personalverleihfirmen für ihre kurzfristigen, kaum abgesicherten Jobs.

115 Jobs frei!

Dann folgt der Höhepunkt: „einer der größten österreichischen Arbeitgeber vergibt 115 Arbeitsplätze an weibliche Beschäftigte”. Die Spannung steigt, macht aber Verwunderung Platz, als ein Mann und eine Frau in Uniform die Bühne betreten und beginnen, eine Werberede für das Bundesheer zu halten. Die Soldatin schildert die Tätigkeit: unter anderem „Assistenzeinsatz im Burgenland”, (Flüchtlingsjagd wäre wohl die treffendere Bezeichnung). Im Publikum werden Köpfe geschüttelt, Menschen beginnen, einander zuzugrin-sen. Es scheint, als könnten auch die Werbefolder, die in der Vorhalle ausliegen, die Begeisterung nicht wirklich anstacheln. Dabei wird dort neben einem Photo eines grün bemalten Soldaten mit Gewehr von einer „Ausbildung mit hohem Erlebniswert” gesprochen.

Nicht schlimm sein

Nach soviel Motivation muß aber auch ein wenig erhobener Zeigefinger sein. Ein weiteres Video folgt, in dem das AMS klarstellt, daß für das karge Arbeitslosengeld auch was getan werden muß. Wer nicht aktiv Arbeit sucht, wird vom Bezug gesperrt, lautet die Aussage. Was sich die 57jährige Dame neben mir, die keine Aussicht auf einen Arbeitsplatz mehr hat, wohl dabei denkt? Aber vielleicht nützen ja auch ihr die Tipps aus der Broschüre, die die (im Auftrag des AMS) veranstaltende Firma Business Coaching Partners verteilt. „Weibliche Bewerber sollten sich daher als Frau verkaufen – mit allem, was Ihnen zur Verfügung steht.” Das AMS als Aufrufer zur Prostituierung?

Sollte die Dame aber auch so keinen Job finden, kann sie immer noch etwas anderes versuchen: Der Büchertisch im Vorraum bietet immerhin Bücher mit so klingenden Titeln wie „Wohlstand ohne Stress – wie sie mit Fonds ihr Geld in sieben Jahren verdoppeln“ oder „Der Weg zur finanziellen Freiheit – in sieben Jahren zur ersten Million”. Für Arbeitslose wohl am ehesten als Verschaukelung gedacht - genauso wie der Schnuppertag als Ganzes.