Wie jedes Jahr findet auch heuer Anfang Mai eine Befreiungsfeier im ehemaligen Konzentrationslager Mauthausen in Oberösterreich statt. Tausende AntifaschistInnen aus ganz Europa, unter ihnen auch viele ehemalige Häftlinge, kommen an diesem Tag zusammen, um die Befreiung des KZ´s 1945 zu feiern.
Das Konzentrationslager Mauthausen wurde im August 1938, nur fünf Monate nach dem Anschluß Österreichs an das Deutsche Reich, im Auftrag der SS erbaut. Mauthausen war ein KZ der Lagerstufe III. Nach Mauthausen kamen “schwer belastete, unverbesserliche, asoziale und kriminell vorbestrafte” Menschen, der Überbegriff für solche Menschen war “kaum erziehbare Schutzhäftlinge”. Es war sehr unwahrscheinlich, jemals lebend aus dem Konzentrationslager zu kommen.
Mauthausen hatte zwei Funktionen. Die eine war die Vernichtung des politisch-ideologischen Gegners durch grausames Quälen und wahlloses Töten, was bis 1943 auch die Hauptfunktion war. Die andere Funktion war wirtschaftlicher Art. Die SS mißbrauchte die Häftlinge durch maximale Ausbeutung. In Folge entstanden neben dem Hauptlager Mauthausen noch einige Ne-benlager, darunter Gusen, die zumeist an Industriebetriebe angeschlossen waren.
Das KZ hatte eine wichtige wirtschaftliche Funktion. Der Steinbruch von Mauthausen (zu diesem Komplex gehört auch die berüchtigte "Todesstiege", über die die Häftlinge getrieben wurden), aber auch zahlreiche Rüstungsbetriebe profitierten von der Arbeit der Häftlinge, die bis zu ihrem Tod arbeiten mußten.
Frauen wurden im KZ zusätzlich sexuell ausgebeutet. Es gab ein Bordell im Konzentrationslager. Den weiblichen Häftlingen, die dort mißbraucht wurden, wurde versprochen, dass sie nach sech Monaten “Bordelldienst” entlassen würden, was nur in den seltensten Fällen geschah. Das Bordell durften SS Leute und die deutschen (und österreichischen) Häftlinge, die mit der SS kollaborierten, benutzen. Die Frauen, die im Bordell arbeiten mußten, hatten manchmal einige Vergünstigungen den anderen Häftlingen gegenüber. Dies war aber auf keinen Fall eine Entschädigung für das, was sie tun mußten.
Widerstand
Aber sogar unter den unmenschlichen Bedingungen des KZ´s formierte sich Widerstand. Die illegale Lagerleitung, bestehend aus politischen Häftlingen, versuchte, die Bedingungen für die Insassen zu verbessern. Aus Mauthausen ist auch eine der wenigen organisierten Massenfluchten überliefert, die in der sogenannten “Mühl-viertler Hasenjagd” endete. Rund 500 sowjetische Offiziere, die umgebracht werden sollten, brachen im Februar 1945 aus dem KZ aus. Mit Unterstützung großer Teile der Bevölkerung wurde der überwiegende Teil von ihnen wieder gefangen und befehlsgemäß meist an Ort und Stelle erschossen. Nur 11 von ihnen überlebten.
Am 5. Mai 1945 wurde das Lager schließlich befreit. Eine amerikanische Panzer-Patrouille beendete die Qualen der Häftlinge. Sie entwaffneten die SS-Soldaten und brachten die Häftlinge in ihr Hauptquartier, wo sie gepflegt wurden. Auch dort starben noch einige Häftlinge an den Folgen der Haft und ihren unmenschlichen Bedingungen.
Insgesamt wurden ungefähr 200.000 Menschen verschiedenster Nationalität entweder auf Grund ihrer politischen Tätigkeit, ihrer kriminellen Vorstrafen, ihrer religiösen Überzeugung, ihrer Homosexualität, aus rassistischen Gründen oder als Kriegsgefangene nach Mauthausen gebracht, etwa die Hälfte dieser Menschen wurde hier ermordet oder starb an den Folgen der Haft.