Mehr Arbeit - weniger Lohn

Serie: Aus dem Betrieb

“Management Buy Out”, kurz MBO, heißt ein Prozess zur Gründung einer neuen Firma, aufgrund der Ausgliederung/Schließung nicht genug gewinnbringender Abteilungen/Fabriken durch einen Konzern/Betrieb.

Meine Ausbildung/Lehre habe ich bei einem Telekom-Großbetrieb gemacht, der zwei Jahre nach meinem Lehrabschluss die Fertigung, in der ich arbeitete, auflöste. Diese Schließung und die damit verbundenen Entlassungen der Arbeitnehmer- Innen waren eine Entwicklung, die seit meinem Eintritt in diese Firma vorhersehbar war. Anfang der 90er hatte der österreichische Ableger dieses Großkonzerns noch mehr als 3.000 Beschäftigte, heute nur noch knapp 800 Menschen. Auch beim Gesamtunternehmen ist diese Entwicklung zu beobachten: Die Zahl der Beschäftigten sank seit Anfang der 90er von 205.000 Beschäftigten auf 120.000 Beschäftigte. Die Dividende für die AktionärInnen stieg hingegen von ca. 1.600 öS auf 2.500 öS. Und diese Entwicklung ist noch nicht zu Ende. Der Konzern wird auch in Zukunft Arbeit-nehmerInnen entlassen, Arbeit auslagern, usw..

Alle ArbeiterInnen, die dem Konzern nicht genug Gewinn bringen, werden entlassen. Da die Fertigung 1998 nicht mehr genug Profit erwirtschaftete, wurde dieser Bereich geschlossen, somit wurden 400 Menschen entlassen. Die Abteilungsleiter entschlossen sich, eine neue Firma zu gründen und machten sich auf die Suche nach einer neuen Produktionsstätte. Diese fanden sie auch in der Nähe von Wien. Fertigungsma-schinen, die der Konzern ja jetzt nicht mehr brauchte, kaufte das MBO-Management durch hohe Kreditaufnahmen.

Um von der “neuen” Firma übernommen zu werden mußten die ArbeitnehmerInnen massive Kürzungen ihrer Gehälter billigen. Auch sollten die ArbeitnehmerInnen noch flexibler sein, mehr verschiedene Tätigkeiten verrichten und länger arbeiten, und das für weniger Lohn. Viele ArbeitnehmerInnen ließen sich trotzdem auf den schlechteren Dienstvertrag ein, da ihnen unter dem Deckmantel des KVP eine Mitgestaltung ihres Arbeitsplatzes versprochen wurde.

"KVP"

KVP, der Kontinuierliche Verbesserungs-prozess, ist eine Plattform, in der Arbeitsgruppen aus verschiedenen Abteilungen gebildet werden, um Arbeitsabläufe zu straffen. Unter eben diesem Deckmantel der “Sebstmitgestaltung” erarbeiten sich die ArbeiterInnen u. a. ihre eigene Arbeits-platzoptimierung. Was die Arbeitnehmer-Innen nicht sehen wollen, ist, dass solche Programme immer nur auf die Gewinnmaximierung des Firmenkapital zurücklaufen. Bei einem Jahresumsatz von 250 Mio öS fallen die Einsparungen von mehreren Mio durch diesen KVP sehr wohl ins Gewicht. Doch anstatt höherer Löhne nur kalte Töne.

Von “Mitgestaltung” und besseren Arbeitsbedingung kann auch nicht die Rede sein. Denn neben dem geringeren Gehalt macht sich noch anderer Unmut bei den ArbeitnehmerInnen bemerkbar. Gute Arbeit wird von den Vorgesetzten vorausgesetzt, doch ein Wort des Dankes ist nicht zu hören. Wenn aber einmal ein Fehler passiert, wird mit Drohungen und Geschrei nicht gespart. Kein Tageslicht, Temperaturen über 30° Celsius im Sommer - sind das die Vorteile der ArbeitnehmerInnen? Nein, vielmehr sind das nur weitere Punkte die sich nachhaltig negativ auf die Psyche und den Körper der ArbeitnehmerInnen auswirken. Viele ArbeitnehmerInnen, vor allen Jüngere wollen kündigen, da vermehrte Anfragen auf eine Gehaltserhöhung bisher nichts, außer Unverständnis der Vorgesetzten, gebracht haben. Jüngere Arbeitnehm-erInnen können das sehr einseitige Arbeitsverhältnis in jedem Fall noch leichter aufkündigen. Den älteren Arbeitnehm-erInnen bleibt in diesem Fall oft nur noch, den Mund zu halten, da sie befürchten müssen, keinen neuen Arbeitsplatz mehr zu finden.