Meine kleine Farm

Serie: Aus dem Betrieb

Ich studiere Landwirtschaft auf der Universität für Bodenkultur (BOKU). Im Verlauf dieses Studiums ist ein dreimonatiges Praktikum auf einem landwirtschaftlichen Betrieb zu absolvieren.

Zu diesem Zweck habe ich mir einen kleinen Gemüsebaubetrieb ausgesucht, der nach den Richtlinien des biologischen Landbaus wirtschaftet (also, kurz gesagt: ohne chemische Dünge- und Pflanzenschutzmittel; mit möglichst geschlossenen Stoffkreisläufen.)

Mein Aufgabengebiet war sehr “vielseitig”: Haus putzen, Verarbeitungsraum aufwaschen, beim Umbau helfen, Entrümpeln, Fenster streichen, kochen, Geschirr abwaschen, einheizen (zur Warmwasserbereitung), Kinder hüten....

Wenn ich tatsächlich einmal für gärtnerische Tätigkeiten eingesetzt wurde, dann musste ich z.B. stundenlang meterhohes Unkraut händisch ausreißen oder in der Sommerhitze im Folientunnel Gemüse ernten. All dies mindestens 10 Stunden am Tag und sechs Tage in der Woche.

Hungerlohn

Dass in der Landwirtschaft das große Geld höchstens für GroßgrundbesitzerInnen und KammerfunktionärInnen und schon gar nicht für Hilfskräfte zu machen ist, war mir natürlich von vornherein klar. Die 4000 Schilling pro Monat, die ich mit der Familie bei meinem ersten Besuch auf dem Hof im Winter vereinbart hatte, waren daher ein eher gutes Angebot. “Im Herbst gibt es Extra-Tausender, wenn das Geschäft gut geht” wurde mir außerdem versichert. Aber als ich nach dem ersten Monat mein Geld haben wollte, war davon auf einmal keine Rede mehr. Sie hätten von 4000 als das absolute Maximum für schnelle Leute gesprochen.

Und dass ich nicht ihren Vorstellungen entsprach, ließen sie mich schon in den ersten Tagen spüren: Regelmäßig wurde ich darauf hingewiesen, wie langsam ich arbeite. Als ich dann mein Tempo steigerte, meinten sie, ich könne meine Arbeit nicht richtig organisieren. Letzteres ist blanker Hohn angesichts des Chaos, das auf diesem Bauernhof herrscht.

Der Betrieb produziert übrigens nicht nur Obst, Gemüse und Ziegenmilch. Er verarbeitet diese (und zugekaufte) Produkte zu Konserven, die in Gläser abgefüllt werden. Dementsprechend verbrachte ich insgesamt mehrere Tage (und Nächte) im Keller beim Gläserauswaschen. Oft mit gerade lauwarmen oder überhaupt kaltem Wasser.

Absolut Bio

Die hygienischen Bedingungen waren allgemein sehr zweifelhaft. Bester Indikator dafür waren die Mäuse, die ungeniert vor meinen Augen durch den Verarbeitungs- und Lagerraum huschten.

Weil der Umsatz der Gläser ziemlich stagniert, füllen sich mehr und mehr Kisten mit unverkaufter Ware und altern vor sich hin. Anstatt daraus die Konsequenzen zu ziehen – die Produktion zu drosseln und alles Abgelaufene zu entsorgen oder zu verschenken – musste ich stundenlang alte Etiketten runterkratzen und neue Ablaufdaten draufpicken.

Bedingt sind diese katastrophalen Zustände von der heiklen wirtschaftlichen Situation: Auf der Familie lastet ein Schuldenberg von zwei Millionen Schilling. Der Betrieb, der mit knapp vier Hektar zu den kleinsten zählt, kann sich nur durch massiven Arbeitseinsatz vieler billigster Kräfte – AusländerInnen oder eben PraktikantInnen – gerade noch über Wasser halten.

Wenn auch sonst nicht viel, habe ich in diesem Sommer wenigstens eines gelernt: Die Zukunft wird nicht in derartigen (kleinen) Familienbetrieben liegen. Dass die Zukunft aber, nicht nur die der Landwirtschaft, in der Ökologie begründet sein muss, davon bin ich weiterhin überzeugt.