Als Ferialpraktikantin habe ich während des Sommers bei einem Friseur gearbeitet. Da die Arbeitsverhältnisse in diesem Beruf besonders schlecht sind, möchte ich nun ein wenig darüber berichten.
Ich bekam das gleiche Gehalt, das ein Lehrling im 2. Lehrjahr bekommt. Das waren, sage und schreibe, 5.000,- im Monat für eine 40-Stunden-Woche. Damit ist die Friseurlehre eine, der am schlechtesten bezahlten überhaupt. Es könnte dagegen gehalten werden, dass eine Friseuse oder ein Friseur ja Trinkgeld bekommt, allerdings bekommt mensch das erst, wenn er/sie Haare waschen darf und das ist auch nicht selbstverständlich. Anfänglich wird mensch zum Bodenkehren, Regaleputzen und Kaffeekochen verwendet.
Nicht schneiden sondern putzen
Die Chefin verwendet ihre Lehrlinge also anfänglich als Putzburschen oder –mädeln, oder um ihre eigenen Bedürfnisse zu befriedigen. So kam es nicht selten vor, dass ich für sie zu Mittag zum Supermarkt radeln musste, um ihre Einkäufe zu erledigen. Dann mit 2 riesigen vollgestopften Sackerln zu ihr nach Hause fahren musste, das Zeug abladen, um dann schnellstmöglich wieder ins Geschäft zurückzuradeln. Wenn ich die von ihr angenommene Zeit, die diese Tour benötigte, überschritten habe, bekam ich natürlich Zores.
Des weiteren müssen Friseusen/Friseure Psychotherapeut spielen. Viele ältere KundenInnen kommen zwei mal die Woche, bloß um sich, ihre Problemchen von der Seele zu reden. Dass das stinklangweilig ist, ist zwar ärgerlich, aber wirklich schlimm fand ich die Kontrolle meiner Chefin, die mich bei jedem, ihrer Meinung nach, falschen Wort im Nachhinein zusammenputzte. Die Kritik ging von Zudringlichkeit bis zu unangemessener Zurückhaltung...
Das sind aber im Großen und Ganzen alles nur Kinkerlitzchen. Das wirklich Schlimme an diesem Beruf ist der ständige Kontakt mit reizenden bis ätzenden Chemikalien. Ich habe seit dieser Zeit eine Gräserallergie. Und ich habe, wie gesagt, bloß einen Monat dort gearbeitet. In dieser Zeit haben zwei Gesellinnen gekündigt, weil sie chronische Erkrankungen bekommen hatten.
Gesundheitsschädigent
Allergien sind eine der weniger schlimmen Folgeerscheinungen. Durch die häufige Anwendung von Haarsprays und anderen reizender Sprays ist das ganze Geschäft permanent verpestet, und die Angestellten sind natürlich tagtäglich und von früh bist spät dem Einfluss der Chemikalien ausgesetzt. Das führt zu einer ständigen Überreizung der Schleimhäute, was chronischen Schnupfen, oder eben Überempfindlichkeiten zu Folge haben kann. Eine meiner Kolleginnen, die damals kündigte, hatte sogar Verätzungen an den Mund- und Nasenschleimhäuten. Sie ist kein Einzelfall. Diese Verätzungen sind in vielen Fällen irreparabel und führen zu einer Beeinträchtigung des Riech- und Geschmackvermögens. Nicht nur die Schleimhäute können betroffen sein, auch die Haut an den Händen ist, durch Färbemittel und Shampoos, ständig dem Reiz von Chemikalien ausgesetzt. Hautreizungen, die permanent weiteren reizenden Stoffen ausgesetzt werden, sind sehr schmerzhaft und können die Hautfunktionen permanent beeinträchtigen.
Alles in allem bin ich sehr froh dort nur einen Monat gearbeitet zu haben, und nichts Schlimmeres als meine Allergie davon trug.